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13.11.2012

09:22 Uhr

Nachgerechnet

Wenn das Gold-Sparbuch zu Blech wird

VonGertrud Hussla

Die Targo-Bank lockt mit supergünstigen Krediten, die Commerzbank mit einem kostenlosen Girokonto und ein Postbank-Goldsparbuch soll bis zu 5,25 Prozent Zins bringen. Leider zu schön um wahr zu sein – was dahintersteckt.

Wenn das Postbank-Gold-Sparbuch zu Blech wird

Interviews: Wenn das Postbank-Gold-Sparbuch zu Blech wird

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DüsseldorfEin Gang durch die Stadt, vorbei an ein paar Banken, und man könnte glauben, es regnet Goldtaler vom Himmel. Günstige Kredite und hochverzinste Sparangebote locken: Beim Postbank Gold-Sparen etwa soll es bis zu 5,25 Prozent Zins geben. Schön wär's. Denn eins haben all diese Angebote gemeinsam: Ein Sternchen mit Fußnote. Und diese Sternchen holen Träumer schnell wieder auf die Erde zurück.

Nehmen wir das Postbank Gold-Sparen, neu im Programm: Es lockt mit Zinsen bis zu 1,25 Prozent, dazu gibt’s einen Goldbonus von vier Prozent, macht insgesamt 5,25 Prozent im Jahr. Gerne würde ich da einmal 10.000 Euro anlegen. Erste Enttäuschung: bei 10.000 Euro bekomme ich nur 0,8 Prozent sicheren Zins. Um 1,25 Prozent zu erreichen, müsste ich über 50.000 Euro anlegen.

Was die Banken bei einer Konto-Überziehung verlangen

Umfragen

Finanztest und die FMH-Finanzberatung aus Frankfurt haben bei den Banken die Dispo-Zinsen erfragt oder ermittelt.

Ergebnis von Finanztest

"Bis zu 14,75 Prozent Dispozinsen zahlen Bankkunden, wenn sie ihr Konto überziehen, obwohl sich Banken und Sparkassen für nur 0,5 Prozent Zinsen Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Einige Banken verstoßen zudem gegen das Gesetz, weil sie in ihren Filialen keinen Preisaushang zur Höhe ihrer Dispozinsen haben. Für die September-Ausgabe (2013) ihrer Zeitschrift Finanztest hat die Stiftung Warentest flächendeckend die Dispozinsen der 1538 Banken in Deutschland ermittelt und Unterschiede von mehr als 10 Prozent festgestellt."

Ergebnis von FMH-Finanzberatung

"Die wirklich schlechten Banken sind nicht bereit, sich in solchen Vergleichen zu zeigen." Der schlechteste, im August 2013 von FMH ermittelte Wert ist also nicht so schlecht wie er aussieht. Finanztest hat durch eine umfangreichere Recherche andere Extreme gefunden.

Margen

Die Banken verdienen heute an Überziehungen deutlich mehr als früher. Vergleicht man zum Beispiel einen Schnitt der Dispo-Zinsen mit dem Referenzzins, dem Euribor für drei Monate, so ergeben sich in einer Vierjahresbetrachtung im Schnitt Gewinnmargen von über 10 Prozentpunkten. Vor der Jahrtausendwende waren es dagegen mal sieben Prozentpunkte oder weniger, ermittelte die FMH-Finanzberatung.

Die günstigsten Banken

Deutsche Skatbank, einige PSD Banken, DAB Bank, 1822 direkt

Quelle: FMH Finanzberatung, Finanztest

Mehr als 12 Prozent

Deutsche Bank, Postbank

Mehr als 14 Prozent

Raiffeisenbank Dietersheim, Raiffeisenbank Weil, Raiffeisenbank Oberbayern Südost, Volksbank Haaren, Targobank

Topwerte

Den höchsten Dispozinssatz von 14,75 Prozent verlangte die Volksbank Feldatal in Hessen. Das Institut hat seinen Satz jedoch inzwischen auf 12,95 Prozent gesenkt. Dass es auch anders geht, zeigen nach Erkenntnissen von Finanztest die VR-Bank Uckermark-Randow, die lediglich 4,2 Prozent für den Dispo für ihr Konto "Komfort Plus" verlangt sowie die Deutsche Skatbank, die von allen Kunden nur einen Dispozins von 5,25 Prozent für ihr online geführtes Girokonto erhebt. Im Schnitt hat die Stiftung Warentest einen Zinssatz von 11,31 Prozent ermittelt.


Intransparenz

119 Banken kassieren Dispozinsen von 13 Prozent und mehr. Um Kunden Vergleiche zu erschweren, nennen viele Institute die Zinshöhe nicht. In 606 Filialen musste die Stiftung Warentest Tester schicken, weil sie auf die schriftliche Anfrage nicht reagiert hatten und ihre Konditionen auch nicht im Internet zu finden waren. Doch auch intensives Nachfragen in den Filialen brachte in 26 Fällen kein Ergebnis.

Trend

Im Durchschnitt ist der Zinssatz für den Dispokredit seit der letzten Erhebung der Stiftung Warentest gesunken - und zwar etwas mehr, als die Marktzinsen im gleichen Zeitraum. Positive Beispiele dafür seien die Raiffeisenbank Oberursel und die Volksbank Forchheim. Die erste senkte nach der aktuellen Anfrage der Stiftung Warentest den Zinssatz von 12,25 Prozent auf 7,75 Prozent, die zweite von 12,75 Prozent auf 9,25 Prozent.

Extreme

Manche Überziehungen über das vereinbarte Soll hinaus werden von den Banken geduldet. Sie verlangen dafür jedoch höhere Zinsen, die um drei bis sechs Prozentpunkte über dem vereinbarten Dispozins liegen können - im Extrem sind also Zinsen von 20 Prozent oder mehr möglich.

Aber gut, es kommt ja noch ein Goldbonus dazu. Monat für Monat können das bis zu vier Prozent Jahreszins zusätzlich sein. Steigt der Goldpreis binnen Monatsfrist um acht Prozent oder mehr, schreibt mir die Postbank für diesen Monat die Hälfte des Anstiegs als Goldbonus gut. Vier Prozent sind das Maximum. Im nächsten Monat kommt eine neue Runde. Sollte dann der Goldpreis nur um 2,8 Prozent steigen, bekomme ich für diesen Monat 1,4 Prozent Jahreszins dazu.

Sollte der Goldpreis fallen, ist der Monat eine Nullrunde, es wird nichts abgezogen und bleibt bei den 0,8 Prozent Jahreszins. Um für das komplette Jahr vier Prozent Jahreszins zu erreichen, müsste Gold aber – in Dollar gerechnet – Monat für Monat um mindestens acht Prozent zulegen. Sprich der Goldpreis müsste in einem Jahr um über 130 Prozent steigen. Ist das realistisch?

Kommentare (20)

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Moika

13.11.2012, 09:47 Uhr

So sieht eben echter Dummenfang aus. Aber Postbank = DB, da hätte ich auch fast nichts anderes mehr erwartet.

Seriöses Banking war einmal.

Sparkassenkunde

13.11.2012, 09:53 Uhr

Na ja, jeder muß selbst wissen bei welcher Bank - und der damit verbunden Produktpolitik - er Kunde sein will. Postbank, Commerzbank & Co bieten "supertolle" Lockangebote und verstecken Ihre Gebühren. Leider fallen viel zu viele Menschen darauf rein, da sie nur die Dollarzeichen in den Augen haben und der Verstand aussetzt...!

eltinto

13.11.2012, 10:30 Uhr

Ich bin jetzt seit 4 Jahren Kunde der comdirect und mit kostemlosen Girokonto und Depot hochzufrieden. Die Ordergebühren sind für mich als Gelegenheitstrader komplett i.O. Die anderen Gebühren müssen so gut versteckt sein, dass es wohl wirklich an meinem aussetzenden Verstand liegt, dass ich sie nicht finde ...

Vielleicht sollten Sie in ihren Aussagen doch etwas differenzierter werden?

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