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25.11.2013

12:26 Uhr

Nachgerechnet

Wenn der Weihnachtsmann von der LBS kommt

VonGertrud Hussla

Ein besonderes Angebot hält die LBS Bayern parat. Ohne Kündigungsfrist kommen Sparer vor dem Fest an ihr Bausparguthaben. Wer tatsächlich kündigt, verschenkt jedoch jede Menge an Zinsen.

Gertrud Hussla prüft regelmäßig Finanz- und Rentenprodukte. FRANK BEER für Handelsblatt

Gertrud Hussla prüft regelmäßig Finanz- und Rentenprodukte.

DüsseldorfDer Brief von der Bayerischen Bausparkasse LBS klang für die alte Dame wie ein Lottogewinn: „Sichern Sie sich Ihr Extra-Weihnachtsgeld. Erfüllen Sie sich damit lang gehegte Wünsche“, steht darin. Das tolle Angebot: Die langjährige Bausparerin kann jetzt ohne Kündigungsfrist an ihr Guthaben dran. Gleich angefügt fand die Bad Wörishofenerin ein Auftragsformular. Ausfüllen und wegschicken genügt. Schon hätte sie ihr angespartes Geld: 5192 Euro.

Das Schreiben ist der leicht zu durchschauende Versuch, Kunden aus attraktiven alten Bausparverträgen zu drängen. Denn mit dem Vertrag von 2005 kann die Dame derzeit eine tolle Sparrendite kassieren. Da der Bauzinsen jetzt aber sehr niedrig sind, machen solche Verträge die Refinanzierung der Bausparkassen teuer.

Bauen wollte die Dame eigentlich gar nicht. Doch im August 2005 riet ihr ihre Bankberaterin, gerade wegen der schönen Zinsen den Vertrag zu zeichnen. Zu dieser Zeit gab es Banksparpläne mit bis zu vier Prozent. Der LBS-Bausparvertrag bot dagegen nur 1,5 Prozent im Jahr und kostete obendrein noch 100 Euro Provision.

So funktioniert Bausparen

Ansparphase (1)

Bausparer sammeln zunächst ihr Guthaben an. Bei Verträgen, die für eine spätere Finanzierung gedacht sind, ist die Verzinsung nicht so wichtig und auch häufig schlechter als bei den besten Banksparplänen. Die Sparphase läuft mindestens so lange, bis der Kunde das Mindestguthaben erreicht hat.

Ansparphase (2)

Die Höhe der Ansparrate wird tariflich über die Regelsparrate ausgewiesen, die aber keine Verpflichtung sondern stellt nur eine Empfehlung darstellt. Der Bausparer kann das Mindestguthaben in einem Betrag einzahlen, einen freien Betrag regelmäßig oder unregelmäßig einzahlen oder auch beliebig lange Zeit seine Einzahlung ganz aussetzen.

Zuteilung (1)

Wenn der Bausparer das vereinbarte Mindestguthaben angespart, die abhängige Bewertungszahl erreicht und die Mindestwartezeiten eingehalten hat, ist der Vertrag zuteilungsreif. Dann kann der Kunde die Bausparsumme (Sparguthaben plus Bauspardarlehen) für die Finanzierung nutzen.

Zuteilung (2)

Damit der Kunde sein Bauspardarlehen auch erhält, müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein: Der Darlehensbetrag muss innerhalb von 80 Prozent des Beleihungswertes - etwa 72 Prozent des Kaufpreises - abgesichert werden und die Bonität des Bausparers muss ausreichend sein.

Darlehensphase (1)

Der Kunde zahlt für den Kredit einen bei Vertragsschluss bereits vereinbarten Zinssatz. Die monatliche Rückzahlung des Darlehens wird auch Tilgungsrate genannt und fast immer in Promille der Bausparsumme aus gewiesen. Es ist schon bei Vertragsabschluss daher auf eine angemessene Ratenhöhe zu achten.

Darlehensphase (2)

Wer sein Darlehen vorzeitig zurückzahlen möchte, muss dafür keine Vorfälligkeitsentschädigung entrichten. Das gilt sowohl für teilweise wie auch komplette Rückzahlungen.

Die Gebühr mit eingerechnet, erzielte die Dame bis 2009 eine traurige Rendite von minus 0,4 Prozent. Der Vertrag bot allerdings ab dem fünften Jahre ein besonderes Bonbon: Dann zahlt die LBS bei Auszahlung des Guthabens noch einen Bonus von 70 Prozent auf die bis dahin angesammelten Zinsen obendrauf.

Bis 2012 hätte sie so schon 3 860 angesammelt, ergibt einen Effektivzins von 1,78 Prozent. Immerhin. Doch richtig interessant wurde der Vertrag erst 2012. Ab dem Jahr sieben kassiert die LBS-Kundin ein Bonbon von 145 Prozent auf die angesammelten Zinsen.

Würde sie jetzt den Vertrag kündigen, bekäme sie 5192 Euro ausbezahlt, das entspricht einer Rendite von 3,6 Prozent! Noch bis zum zehnten Jahr könnte sie so lukrativ weitersparen. Erst im Jahr elf gibt es keine Aufschläge mehr, die angesammelten Zinsen inklusive aller Bonbons blieben ihr allerdings erhalten. Spart sie bis August 2015 so weiter, hätte sie am Ende 6203 Euro. Dann kann sie sich immer noch den Markt ansehen und prüfen, ob sie kündigt.

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