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05.11.2012

15:00 Uhr

Nachgerechnet

Wie der Staat heimlich bei der Rente klaut

VonGertrud Hussla

Ohne dass es groß auffällt, kürzt der Staat an unserer Rente herum. Manche Tricks kennen nur echte Experten. Verloren gehen Hunderte Euro und ganze Beitragsjahre.

Lücken in der Rente - Nachgerechnet

Interviews: Lücken in der Rente - Nachgerechnet

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Die 59-Jährige Angestellte hat es schwarz auf weiß: „Die Deutsche Rentenversicherung – Ihr verlässlicher Partner von Anfang an“, heißt es in dem Brief von der Rentenversicherungsanstalt. Einen Anspruch auf 1095 Euro Rente im Monat habe sie bis jetzt erworben. Wenn sie so weiterverdient, könnten es bis zur Altersgrenze 1426 Euro sein.  Könnten… Es könnte aber auch weniger werden. Denn da steht auch: „Gesetzliche Änderungen können sich auf Ihre zu erwartende Rente auswirken.“ Verlässlich? Fehlanzeige.

„Gesetzliche Änderungen“ heißt seit vielen Jahren, dass der Staat kräftig an der Rente herumkürzt. Allein in den letzten zehn Jahren hat die Beitragszahlerin Rente im Gegenwert von rund fünf Beitragsjahren verloren. Sprich, mit dem gleichen Profil hätte sie unter den Bedingungen von 2002 statt der bis jetzt erworbenen 1095 Euro noch Anspruch auf 1320 Euro Rente gehabt, 225 Euro mehr.

Seither sorgten neue Gesetze dafür, dass sich die Renten immer weiter von den Einkommen abkoppelt. 2002 lag das Rentenniveau noch bei 54 Prozent der Einkommen, derzeit sind es 50 Prozent. 2030 sollen es nur noch 43 Prozent sein.

Gedreht wird ständig. Die Stellschrauben  finden sich alle in der sogenannten Rentenformel, mit der die persönliche Rente berechnet wird. In diese Formel gehen einmal die individuell über die Jahre gezahlten Beiträgen, umgerechnet in Entgeltpunkte ein. Sollte ein Arbeitnehmer vorzeitig in Rente gehen, spiegelt sich das in dem sogenannten „Zugangsfaktor“ wider. Der wird dann kleiner eins. Dritter wichtiger Faktor ist der Rentenwert, der für alle gleich ist: In Westdeutschland beträgt er derzeit 28,07 Euro. Die Rentenformel lautet also Rentenwert (28,07 Euro) mal Zugangsfaktor mal Entgeltpunkte.

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Zuerst die persönlich erworbenen Entgeltpunkte. Die Versicherte hat studiert. Bis 2004 wurden ihr dafür immerhin noch 2,25 Punkte angerechnet, auch die sind jetzt weg. 2,25 Entgeltpunkte weniger macht 63 Euro weniger Rente. In den 90er-Jahren seien ihr schon mal 168 Euro Rentenanspruch aus Ausbildungsjahren weggekürzt worden, rechnet Rentenberater Rolf Ponzelet aus Düsseldorf vor. Über die Jahre hätten sie die verlorenen Ausbildungspunkte bis jetzt 252 Euro Rente gekostet.

Dann der Zugangsfaktor. Die Einführung der Rente mit 67 heißt für den Jahrgang der Angestellten, dass sie sieben Monate länger arbeiten müsste, bis sie die volle Rente bekommt. Sollte sie wie geplant mit dem 65. Geburtstag aufhören, kostet sie das rund 32 Euro Rente.

Kommentare (57)

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Account gelöscht!

05.11.2012, 15:14 Uhr

Schmarotzer, Lügner, Betrüger und Diebe.

Warum soll man sich als Bürger eigentlich noch korrekt verhalten, wenn einem die Politik etwas ganz anderes vorlebt?

Alles nur ein Sumpf, den man nicht mehr trockenlegen kann.

Funin

05.11.2012, 15:14 Uhr

Hauptsachen den Beamten-Pensionären gehts gut - schließlich machen doch vor allem Beamte für uns die ganze tolle Arbeit in den Parlamenten.
Und diese Beamten-Parlamentarier sorgen sich so viel um ihre eigene Zunft, da bleibt einfach weder Zeit noch Geld um auch an die anderen zu denken.

M_Boudik

05.11.2012, 15:18 Uhr

Ein ganz besonderes perfides Beispiel scheint mir die (große) Witwenrente:

Für „neuere“ (ab 2002 geschlossenen) Ehen ist die Zahlung der Witwenrente grundsätzlich zeitlich beschränkt.

Hier treibt man Eheleute in die (taktische) Scheidung:

Bei einer Scheidung werden die Renten-Ansprüche (Anwartschaften) aufgeteilt. Anders als bei einer Witwenrente erhält der Ehegatte somit einen anteiligen, selbständigen und lebenslangen Renten-Anspruch, wobei die vom jeweiligen Ehegatten erworbenen Ansprüche berücksichtigt werden.

Perfide: Die geschienene Ex-Frau genießt die Rente lebenslang und die Witwe hat zwei Jahre nach dem Tod des Ehegatten das Nachsehen! Wo bleibt der grundgesetzlich verankerte Schutz von Ehe und Familie?

M. Boudik, München

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