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30.10.2014

15:37 Uhr

Negative Einlagezinsen

Sparkassen und Volksbanken lehnen Strafzinsen ab

Eine kleine Bank aus Thüringen hat ein Tabu gebrochen. Sie verlangt Strafzinsen von Sparern, die große Summen bei ihr anlegen. Bei den Sparkassen und Volksbanken reagiert man darauf gereizt.

Sparkassen und Volksbanken: Negative Einlagezinsen bleiben tabu. dpa

Sparkassen und Volksbanken: Negative Einlagezinsen bleiben tabu.

FrankfurtSparkassen und Genossenschaftsbanken wehren sich gegen den Tabubruch einer Direktbank aus Thüringen. Die Deutsche Skatbank verlangt von Kunden, die große Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten parken, vom 1. November an einen Strafzins von 0,25 Prozent. Das soll nach den Vorstellungen des Raiffeisen- und Volksbanken-Verbandes BVR aber ein Einzelfall bleiben. „Der BVR spricht sich weiterhin gegen negative Zinssätze für Einlagen von Privatkunden aus“, sagte eine Verbands-Sprecherin am Donnerstag. „Genossenschaftsbanken berechnen regelmäßig keine negativen Zinssätze bei Privatanlegern“. Die Skatbank gehört als Teil der VR-Bank Altenburger Land zum BVR.

Auch der Sparkassenverband DSGV warnte vor Nachahmern: „Zum einen ist der Wettbewerb in Deutschland so intensiv, dass er diese sogenannten ‚Strafzinsen‘ eigentlich nicht zulässt", sagte ein Sprecher. Zum anderen fürchten die Banken, dass dann viele Kunden ihr Geld lieber unter dem Kopfkissen verstecken als es zur Bank zu tragen. „Das ist sicherlich von niemandem gewollt.“ Auch die HypoVereinsbank (HVB) hatte negative Zinsen zum Tabu erklärt, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) von den Banken Zinsen verlangt, wenn sie ihr Geld kurzfristig bei ihr parken.

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

HVB-Chef Theodor Weimer sagte kürzlich, die Bank werde ihre Kunden nicht mit negativen Einlagenzinsen belasten, so lange er an der Spitze des Geldhauses steht. „Egal, wer zu uns kommt, er wird dafür nicht bestraft.“ Mit Einlagen könne man derzeit zwar schwer Geld verdienen, langfristig seien sie aber wichtig für die Refinanzierung.

Die seit 2007 bestehende Deutsche Skatbank hat ihren Namen von der für ihre Spielkarten-Produktion bekannte Kleinstadt Altenburg entliehen, in der sie ihren Sitz hat. Sie richtet sich nach eigenen Angaben primär an Firmenkunden. Privatkunden bietet sie unter anderem Tagesgeld, für Beträge ab 5000 Euro zahlt sie dafür 0,10 Prozent Zinsen pro Jahr. Auf Beträge oberhalb der als „Höchstanlage“ bezeichneten 500.000 Euro verlangt sie den Strafzins. Bei Girokonten gilt er für Summen über zwei Millionen Euro.

Die kleine Skatbank war bisher vor allem dafür bekannt, dass sie mit 4,8 Prozent einen der niedrigsten Dispo-Zinsen für die Konto-Überziehung verlangt. Bei ihrer Mutter VR-Bank Altenburger Land standen im vergangenen Jahr Einlagen von 477 Millionen Euro nur Kredite von 231 Millionen gegenüber. In Zeiten, da sie das Geld ihrer Kunden nur mit einem Minuszins bei der EZB anlegen kann, ist das eine Belastung.

Von

dpa

Kommentare (3)

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G. Nampf

30.10.2014, 16:03 Uhr

"Sparkassen und Volksbanken lehnen Strafzinsen ab" - noch.

G. Nampf

30.10.2014, 16:11 Uhr

Weiteres zum Thema:

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/altersvorsorge-sparen/negative-einlagezinsen-erste-bank-verlangt-strafzinsen-fuer-ersparnisse/10907262.html

+ Kommentare

Herr Norbert Wolter

30.10.2014, 17:37 Uhr

Bargeld lacht. Noch. Leider. EC-Karte ist scheinbar sehr modern. Was die wenigsten wissen, ist, dass man das Geld was auf dem Konto liegt erst dann sein eigen nennen darf, wenn man es auch physisch in den Händen hält. Alles andere sind Forderungen an die Konto führende Bank, nicht mehr und nicht weniger. Geht eines Tages die Bank pleite (klar, die Einlagen sind wie die Rente sicher), kiekt man in die Röhre. Vor dem Hintergrund des Negativzinses - mittlerweile auch für Privatkunden - haben Banken ein elementares Interesse daran, Bargeld abzuschaffen. Buchgeld ist doch viel schöner ...für die Geldschöpfung. Geht man pleite und die Einlagen sind dann doch nicht ganz so sicher, ja....dann kiekt man als Bürger oooch in die Röhre.
Also wat nu? Vielleicht sollte Ottonormalverbraucher langsam anfangen zu überlegen, wohin mit seinem sauer verdienten Geld.

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