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23.10.2015

15:26 Uhr

Negativzinsen

Die Schweizer Sparbremse

VonHolger Alich

Erst galten Negativzinsen nur für Schweizer Banken und vermögende Kunden. Nun treffen sie auch Kleinsparer. Kunden der „Alternativen Bank Schweiz” zahlen ab dem ersten Franken Strafzinsen auf ihr Vermögen. Das sorgt für Unmut.

Wer bis zu 100.000 Franken auf dem Girokonto hat, bekommt ab dem kommenden Jahr 0,125 Prozent von seinem Geld abgezogen. Wer mehr auf der hohen Kante hat, muss 0,75 Prozent zahlen. IMAGO

Verkehrte Sparwelt bei der ABS

Wer bis zu 100.000 Franken auf dem Girokonto hat, bekommt ab dem kommenden Jahr 0,125 Prozent von seinem Geld abgezogen. Wer mehr auf der hohen Kante hat, muss 0,75 Prozent zahlen.

Zürich„People before Profit“ hat sich die kleine „Alternative Bank Schweiz“, kurz ABS, zum Motto erkoren. Nun gibt die 1990 gegründete Bank ihrem Slogan einen neuen Sinn, der ihren 33.000 Kunden aber nicht gefallen dürfte: Als erstes Institut der Schweiz führt sie Negativzinsen ein- und zwar ab dem ersten Franken.

Wer bis zu 100.000 Franken auf dem Girokonto, was bei der ABS „Alltagskonto“ heißt, liegen hat, bekommt ab dem kommenden Jahr 0,125 Prozent von seinem Geld abgezogen. Wer mehr als 100.000 Franken auf der hohen Kante hat, muss gar 0,75 Prozent zahlen.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Seit dem 15. Januar verlangt die Schweizerische Nationalbank (SNB) 0,75 Prozent auf die Einlagen von Geschäftsbanken, die auf den Konten der Notenbank schlummern. Die Maßnahme soll helfen, den Franken weniger attraktiv zu machen und so die Aufwertung der Schweizer Währung zu stoppen.

Im Zuge der Erhöhung des Negativzinses der Notenbank zogen viele Geschäftsbanken nach und verhängten ebenfalls Strafzinsen. Zu den ersten gehörte zum Beispiel die Genfer Privatbank Lombard Odier, sie verlangte ab Januar 0,75 Prozent auf Kundeneinlagen von mehr als 100.000 Franken. Hat der Kunde der Bank aber ein Vermögensverwaltungs-Mandat erteilt, entfällt der Strafzins. Die Zürcher Kantonalbank verhängte ab einer nicht kommunizierten Grenze von Großkunden und vermögenden Privatkunden Strafzinsen auf Bareinlagen.

Im April zog auch die kleine Alternative Bank Schweiz nach; aber auch sie erhob zunächst Strafzinsen nur für Einlagen ab 100.000 Franken. Das 1990 Institut will anders sein; die angelegten Spargelder sollen in ökologisch und sozial sinnvolle Projekte investiert werden. Ende 2014 hatten rund 33000 Kunden der kleinen Bank 1,5 Milliarden Franken Einlagen anvertraut; dem standen Kredite von rund einer Milliarde gegenüber.

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