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05.03.2013

14:47 Uhr

Neuabschlüsse PKV-Policen

Für Männer wird es richtig teuer

VonThomas Schmitt

ExklusivEine neue Studie zeigt: Das Unisex-Urteil hat für einen Preisschub bei den privaten Krankenversicherern gesorgt, der überraschend gewaltig ausfällt. Das hat Folgen: Die Vermittler müssen umdenken – aber auch der Kunde.

Getty Images

DüsseldorfDas Unisex-Urteil des Europäischen Gerichtshofes hat die Tarifwelt in der privaten Krankenversicherung (PKV) kräftig durcheinander gewirbelt. Privatpolicen werden vor allem für Männer deutlich teurer. Das hatten die Versicherer angekündigt und war daher zu erwarten. Überraschend ist dennoch der gewaltige Preisschub, den die Krankenversicherer einzelnen Tarifen verpasst haben.

Das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover hat für Handelsblatt Online 34 Tarife von 17 Gesellschaften unter die Lupe genommen und dabei jeweils Preise und Bedingungen in der alten Welt und in der neuen Unisex-Welt verglichen.

Unisex in der PKV: Wo Männer deutlich mehr bezahlen

Fallbeispiel

Angenommen wird ein PKV-Interessent, der mit 30 Jahren in die PKV eintreten möchte. Die Tarife sind berechnet ohne den 10%igen gesetzlichen Zuschlag
Quelle: Franke und Bornberg, Hannover, ausgewählte Tarife, Stand: 01/2013

Platz 6: Gothaer

Tarif: MediComfort, Topschutz,               Rating: FF
Besonderheiten: keine ambulante Entwöhnungsbehandlung
Preisanstieg: 41 Prozent
Selbstbehalt: 300 Euro
Unisex-Preis: 603,98 Euro pro Monat

Platz 5: Hallesche

Tarif: PRIMO Z, Grundschutz, Rating: FF-
Preisanstieg: 44 Prozent
Selbstbehalt: 600 Euro
Unisex-Preis: 248,23 Euro pro Monat

Platz 4: DKV

Tarif: BM4, Standardschutz, Rating: FF+
Preisanstieg: 46 Prozent
Selbstbehalt: 0 Euro
Unisex-Preis: 473,66 Euro pro Monat

Platz 3: DKV

Tarif: BM3, Standardschutz, Rating: F+
Preisanstieg: 50 Prozent
Selbstbehalt: 600 Euro
Unisex-Preis: 384,28 Euro pro Monat

Platz 2: Barmenia

Tarif: easyflex start +, Grundschutz, Rating: FF-
Preisanstieg: 56 Prozent
Selbstbehalt: 300 Euro
Unisex-Preis: 300,84 Euro pro Monat

 

Platz 1: Hanse-Merkur

Tarif: KVE+VKEH, Grundschutz, Rating: FF-
Preisanstieg: 62 Prozent
Besonderheiten: kein offener Hilfsmittelkatalog
Selbstbehalt: 500 Euro
Unisex-Preis: 196,40 Euro pro Monat

Das Fazit von Geschäftsführer Michael Franke: „Jetzt sollten die Vermittler lieber noch stärker über die Leistung in der PKV argumentieren“, empfiehlt der Branchenbeobachter. Viele Vermittler tun dies aus seiner Sicht ohnehin schon, „denn die Krankenversicherung eignet sich nicht zur Schnäppchenjagd.“

Berechnet wurden die Zahlen in dem Tarifvergleich jeweils für Dreißigjährige, die nun wechseln möchte – sei es von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die PKV oder innerhalb der PKV. Das Ergebnis: Im Schnitt steigen die Preise für die neuen Tarife bei Männern um mehr als ein Viertel (26 Prozent), für Frauen sinken sie dagegen ganz leicht. Wohl gemerkt: Dies gilt nur für Neukunden, nicht für Altkunden.

Die Spanne zwischen den stärksten und den schwächsten Veränderungen ist dabei jedoch gewaltig. Wer als Mann nun in einen Unisex-Tarif der PKV wechseln will, zahlt zwischen vier und 62 Prozent mehr als in einem vergleichbaren Vorjahrestarif – je nach Anbieter und Tarif. Bei den Frauen schwankt die Preisveränderungen zwischen minus 24 Prozent und plus 34 Prozent.

Die Zahlen belegen, wie bunt und vielfältig die Tarifwelt in der PKV ist. Denn nicht nur der Endpreis ist ja entscheidend für die Wahl. PKV-Interessenten müssen auch darauf achten, was sie für den jeweiligen Preis an möglichen Leistungen erhalten und auch wie viel Selbstbehalt jeweils enthalten ist.

In den ausgewerteten Tarifen schwankt der Selbstbehalt zum Beispiel zwischen Null und 1.000 Euro. Entsprechend groß ist auch die Spannbreite der Monatsbeiträge. Diese liegt zwischen knapp 200 Euro und mehr als 600 Euro.

Unisex in der PKV: Wo Männer bloß etwas mehr zahlen

Fallbeispiel

Angenommen wird ein PKV-Interessent, der mit 30 Jahren in die PKV eintreten möchte. Die Tarife sind berechnet ohne den 10%igen gesetzlichen Zuschlag
Quelle: Franke und Bornberg, Hannover, ausgewählte Tarife, Stand: 01/2013

Platz 7: R+V

Tarif: AGIL classic, Grundschutz, Rating: F-
Preisanstieg: 17 Prozent
Besonderheiten: keine Leistung für ambulante Psychotherapie, keine Leistung für ambulante und stationäre Entwöhnungsbehandlungen
Selbstbehalt: 0 Euro
Unisex-Preis: 244,62 Euro pro Monat

Platz 6: Inter

Tarif: QualiMed Premium, Topschutz, Rating: FF
Preisanstieg: 17 Prozent
Selbstbehalt: 300 Euro
Unisex-Preis: 420,20 Euro pro Monat

Platz 5: Debeka

Tarif: PN, Standardschutz, Rating: FF-
Preisanstieg: 15 Prozent
Selbstbehalt: max. 400 Euro
Unisex-Preis: 365,87 Euro pro Monat

Platz 4: Württembergische

Tarif: ESN, Grundschutz, Rating: F+
Preisanstieg: 15 Prozent
Selbstbehalt: 300 Euro
Unisex-Preis: 235,84 Euro pro Monat

Platz 3: Münchener Verein

Tarif: Royal Tarifstufen 891, Topschutz, Rating: FF
Preisanstieg: 13 Prozent
Selbstbehalt: max. 500 Euro
Unisex-Preis: 518,04 Euro pro Monat

Platz 2: R+V

Tarif: AGIL comfort, Standardschutz, Tarif: FF+
Preisanstieg: 11 Prozent
Selbstbehalt: 0 Euro
Unisex-Preis: 389,97 Euro pro Monat

Platz 1: Hanse Merkur

Tarif: ASZG+PS3+VKE, Grundschutz, Rating: FF
Preisanstieg: 4 Prozent
Besonderheiten: kein offener Hilfsmittelkatalog
Selbstbehalt: 0 Euro
Unisex-Preis: 421,58 Euro pro Monat

Gerade am oberen Rand dieser Spanne schrumpft damit der Preisvorteil gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) enorm zusammen. Früher lockten die Vermittler neue Kunden oft mit dem Argument in die PKV, dass dort wesentlich weniger gezahlt werden müsse. Oft lag der Anfangsbeitrag nur bei der Hälfte des gesetzlichen Beitrags der Krankenkasse.

Zwar muss der neue PKV-Kunde die allgemeine Preissteigerung berücksichtigen. Und er sollte auch damit rechnen, dass er im Alter mehr bezahlen muss als in der GKV. Doch da die Rentenzeit gerade für junge Leute weit weg ist, vergessen viele PKV-Neulinge, rechtzeitig Geld für die Altersvorsorge zurückzulegen. Der Ratschlag, den Preisvorteil gegenüber dem GKV-Beitrag auf die hohe Kante zu legen, verpufft oft.

 

Kommentare (38)

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walter_drews

05.03.2013, 15:04 Uhr

Auch die neuen Pflegetarife, die ja nun auch nicht mehr zwischen Mann und Frau unterscheiden sind teils doppelt so teuer, also +100%!!!, wie zum Jahresende 2012. Nun gut, es gab marginale Leistungsverbesserungen. Aber eines ist klar, für Männer sind die Pflegetarife ganz einfach zu teuer.

abc

05.03.2013, 15:32 Uhr

"Aber eines ist klar, für Männer sind die Pflegetarife ganz einfach zu teuer. "

Kein Problem, dafür sterben Männer ja früher und nehmen die Pflege nicht so lange in Anspruch.

Aber wir haben halt feministischen Sozialismus. Entscheidend ist nicht das Verhältnis erbrachte/gebrauchte Leistung (das hatten wir früher, Männer mussten deutlich weniger zahlen), sondern ein gleich gerechneter Bedarf.

muunoy

05.03.2013, 15:35 Uhr

Das System der PKV ist am Ende. Als Selbständiger, der schon vor Jahren in die PKV gegangen ist, hänge ich nun leider an der unseriösen DKV. Die haben meine Prämie gerade mal wieder um 8% auf 655,-EUR erhöht.
Zitat: Mehr Leistung kostet auch mehr. Kunden können also ihren Krankenschutz maßgeschneidert kaufen – wenn sie durchblicken.
Wie sollen die Kunden durchblicken, wenn es nicht einmal die Mitarbeiter der DKV tun. Man weigert sich einfach, mich über Alternativtarife zu informieren. So bin ich für Sachen versichert, die für mich zum Nachteil sind. Dazu gehört z. B. die leidige Chefarztbehandlung, die ich gar nicht haben will, weil sie für den Patienten (das ist der Kunde!) von Nachteil ist. In den letzten 15 Jahren habe ich meine Versicherung ungefähr 3 Monatsprämien gekostet, da ich mich kaum noch traue, in Deutschland mit seinem durch und durch korrupten Gesundheitssystem zum Arzt zu gehen. Da ich beruflich häufig im Ausland bin, gehe ich dort zum Arzt und kaufe auch dort bei Bedarf Medikamente zu einem Bruchteil der Kosten. Das zahle ich dann selbst.
Es ist jetzt schon absehbar, dass ich mir die Krankeversicherung im Alter nicht mehr leisten werden kann, da die Prämien im Durchschnitt jedes Jahr um 7 bis 8% steigen. Leider hat der Gesetzgeber erfolgreich jede Form von Wettbewerb aus dem Gesundheitssystem verbannt. Ich kann ja z. B. nicht einfach meine Versicherun mehr kündigen. Vom korrupten Gesundheitssystem profitieren halt unglaublich viele Gruppen. Nur diejenigen, die das alles zahlen, haben gar nichts zu melden. Ihnen wurde sogar das Recht der Vertragsfreiheit genommen. Dieses System muss zusammen brechen. Je eher desto besser.

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