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24.02.2011

16:30 Uhr

Neue EU-Regeln

Allianz-Chef sieht Lebensversicherung in Gefahr

VonJens Hagen, dapd

Die Lebensversicherung ist kaum noch attraktiv. Nach der Überschussbeteiligung sinkt der Garantiezins. Bald sollen neue EU-Regeln die Branche belasten. Allianz-Chef Diekmann sorgt sich um die Zukunft des Produkts.

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann bangt um das Geschäftsmodell für Lebensversicherungen. Quelle: Reuters

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann bangt um das Geschäftsmodell für Lebensversicherungen.

Kaum ein Vorsorgeprodukt wurde in diesem Jahr derart gebeutelt wie die Lebensversicherung. Nachdem die meisten Gesellschaften die Überschussbeteiligungen für dieses Jahr teils deutlich senken mussten griff das Bundesfinanzministerium beim Garantiezins hart durch. Für Neuverträge ab 2013 hat die Aufsichtsbehörde jetzt den Garantiezins auf den Sparanteil von 2,25 auf 1,75 Prozent gesenkt. Das beliebteste Vorsorgeprodukt der Deutschen steht zunehmend in der Kritik. Jetzt ergreift Allianz-Chef Michael Diekmann das Wort - und warnt vor neuen Risiken. Die Sorge kommt nicht von ungefähr, die Sparte nahm im vergangenen Jahr 57 Milliarden Euro an Prämien ein und trug mehr als die Hälfte zum Rekordumsatz des Konzerns bei. Der Gewinn stieg kräftig auf 2,9 Milliarden Euro.

Diekmann wirbt für das Produkt und verweist, wie viele seiner Vertriebler, auf Finanzkrise und Börseneinbrüche und sagte: „Mit einer Verzinsung von 5,6 Prozent über die letzten Jahre haben wir für die Kunden ein gutes Ergebnis erwirtschaftet.“ Doch jetzt droht Gefahr aus Brüssel. Die EU will nicht nur den Banken, sondern auch den Versicherern neue Regeln verpassen. Um Kunden bestimmte Ergebnisse zu garantieren, müssen sie nach den Solvency-II-Regeln ab 2013 viel mehr Eigenkapital vorhalten. Das wird teuer - auch für die Versicherten.    

„Die deutsche Lebensversicherung ist jetzt durch Solvency II gefährdet“, sagte Diekmann. Die Versicherten müssten entweder so hohe Prämien zahlen, dass es sich für sie nicht mehr lohnen würde. Oder sie müssten das Risiko bei der Anlage der Spargelder künftig selbst tragen. Selbst kleinste Zinsschwankungen würden für die Versicherungsunternehmen riesige Schwankungen im Kapitalbedarf nach sich ziehen - und ein paar Tage später würden sie sich schon wieder als überflüssig erweisen. Außerdem beuge Brüssel mit Blick auf die Banken einem Risiko vor, das es bei den Versicherungen gar nicht gebe. Brüssel werde die Lebensversicherung „nicht sicherer machen, sondern eher infrage stellen“, sagte Diekmann. Der EU-Plan sei „eine Bedrohung für die klassische Altersvorsorge“.

Tatsächlich haben die Deutschen im vergangenen Jahr 91 Milliarden Euro in Lebensversicherungen eingezahlt. Allerdings waren ein Drittel davon Einmalbeiträge, die praktisch auf Tagesgeldkonten geparkt wurden. Die klassische Lebensversicherung mit regelmäßigen monatlichen Beiträgen verliert an Boden, seit 2005 die Steuervorteile für Neuverträge gestrichen wurden. Viele Verbraucherschützer raten ohnehin, die Risikoabsicherung und das Sparen fürs Alter zu trennen.

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Aber die Kunden trauen guten Versicherungen zu, dass sie das Geld gut und solide anlegen. Die Leben-Kranken-Versicherung der Allianz hat fast 90 Prozent in Unternehmensanleihen, Pfandbriefe sowie europäische und US-Staatsanleihen investiert. Von den 305 Milliarden Euro stecken sechs Milliarden in spanischen, irischen, portugiesischen und griechischen Staatsanleihen und 24 Milliarden in Aktien. Unterm Strich konnte die Sparte ihr Anlageergebnis kräftig steigern, weil weniger Wertberichtigungen anfielen als im Krisenjahr 2009. Sicherheit gehe künftig noch stärker vor Rendite, betonte Diekmann.

Damit behandelt Dieckmann einen wunden Punkt der Branche. Denn vermeintlich sichere Anlagen erscheinen in der aktuellen europäischen Schulden- und Finanzkrise im anderen Licht. Etliche Häuser investieren mehr als 90 Prozent ihrer Gelder in festverzinsliche Wertpapiere, der Rest wird vorwiegend in Aktien und vermehrt in Immobilien angelegt, so Guido Bader, Vorsitzender des Ausschusses Investment der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

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