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09.01.2014

17:23 Uhr

Neue Kontonummern verspätet

EU kapituliert vor der Sepa-Umstellung

Die EU-Kommission verlängert die Frist zur Umstellung auf das neue Zahlungssystem Sepa. Laut EU-Kommissar Michel Barnier soll ein Chaos vermieden werden. Kritik kommt von Mario Draghi aus der Europäischen Zentralbank.

Überweisungsträger: SEPA verschiebt sich. dpa

Überweisungsträger: SEPA verschiebt sich.

Angesichts der schleppenden Umstellung auf das neue SEPA-Zahlungssystem hat die EU-Kommission entschieden, die Übergangsfrist um sechs Monate bis zum 1. August zu verlängern. Er bedauere die Entscheidung, wolle dadurch aber verhindern, dass es zu Unterbrechungen im Zahlungsverkehr komme, erklärte der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier in Brüssel. EU-Staaten und das Europaparlament müssen dem Schritt noch zustimmen.

Bisher sollte das bargeldlose SEPA-Zahlungssystem zum 1. Februar europaweit in Kraft treten - die Umstellung verlief jedoch langsam. Die Umstellungsrate sei zum jetzigen Zeitpunkt „nicht hoch genug, um einen reibungslosen Übergang“ zu Beginn des kommenden Monats zu gewährleisten, erklärte Barnier. „Ich bedauere, dies tun zu müssen, aber das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um dem Risiko von Zahlungsunterbrechungen und möglichen Folgen besonders für Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen entgegenzuwirken“, fügte der Binnenmarktkommissar hinzu.

SEPA ist der aus 33 Staaten bestehende Einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dazu gehören die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und Monaco. Ziel der Umstellung ist eine Vereinfachung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs. Er habe in den vergangenen Monaten mehrfach vor der zu langsamen Umstellung gewarnt, sagte Barnier und forderte die Mitgliedstaaten auf, jetzt endlich zu handeln: „Die Übergangsfrist wird nicht über den 1. August hinaus verlängert.“ Verbraucher haben weiterhin eine verlängerte Übergangszeit bis 2016, um sich an die neuen europäischen Zahlverfahren zu gewöhnen.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

Prominente Kritik kommt von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Instituten wie der Bundesbank. Das Eurosystem erklärte, Marktteilnehmer sollen am Umstellungsdatum zum 1. Februar festhalten. Die Fortschritte bei der SEPA-Einführung seien gut. Darauf deuteten die letzten Nachrichten aus den einzelnen Ländern. Die große Mehrheit aller Beteiligten werde Ende des Monats damit fertig sein.

Die EZB fordert in einer Meldung alle Marktteilnehmer daher auf, ihre Transaktionsbemühungen bei allen Geld- und Kredittransfers bis zum Monatswechsel zu vervollständigen. Der Vorstoß der Kommission kam für die Zentralbanker offenbar völlig überraschend. Die Idee traf auf wenig Gegenliebe, auch weil diejenigen bestraft werden könnten, die ihre Umstellung bereits erfolgreich vorbereitet haben. „Letztlich ist es aber ein Thema der Kommission“, erklärte EZB-Chef Mario Draghi. EZB und Eurosystem besitzen keine Handhabe, eine mögliche Verschiebung zu stoppen. „Wir glauben, dass vor allem die Verbraucher von Sepa profitieren würden,“ sagt Draghi. Zwar hätte auch in Deutschland bis zum 1. Februar noch einiges getan werden müssen, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele: „Trotzdem waren wir zuversichtlich, dass das gesteckte Ziel erreicht werden kann.“

Erklärvideo

Erklärvideo: Was ist SEPA eigentlich?

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Auch die in der Deutschen Kreditwirtschaft zusammengeschlossenen Spitzenverbände haben den Vorschlag der EU-Kommission „mit Überraschung“ zur Kenntnis genommen. „Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen, bringt aber Erleichterungen für diejenigen Unternehmen und Vereine, bei denen es mit der Umstellung auf die neuen SEPA-Verfahren zum 1. Februar 2014 möglicherweise knapp geworden wäre“ erklärt das deutsche Bankgewerbe. Banken und Sparkassen stellen sich weiterhin auf den Termin am 1. Februar ein.

Die EU-Kommission möchte offenbar ein allgemeines Chaos bei der Umstellung verhindern. Zuletzt schlug etwa der Privatbankenverband BdB Alarm. Viele Firmen und Vereine in Deutschland seien auf die Änderungen, die am 1. Februar in Kraft treten, nicht vorbereitet, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. „Es besteht immer noch enormer Handlungsbedarf und das unter immensem Zeitdruck.“

Kommentare (57)

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claus

09.01.2014, 12:44 Uhr

Dieses Sepa ist der größte Mist. Habe schon einen Teil umgestellt. Mittlerweile dauert ein Überweisungsauftrag 8 Tage. Der Normalbürger und kleine FFirmen werden nur unsinnig belastet.

Account gelöscht!

09.01.2014, 12:49 Uhr

Komisch, ich stelle genau das Gegenteil fest. Sogar gleichtägig - OHNE Valutenvorgabe!! - habe ich schon gehabt.

Account gelöscht!

09.01.2014, 12:55 Uhr

SEPA- prinzipiell sehr praktisch!!

(Für Konzerne und Menschen, die im unmittelbaren Grenzgebiet leben...)

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