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04.06.2013

15:00 Uhr

Neue Rentenversicherung von Ergo

Weniger Garantie und mehr Chance

VonThomas Schmitt

Ergo macht aus der Not eine Tugend. Kaum sind klassische Lebensversicherungen in den Ranglisten abgetaucht, wird eine neue Altersvorsorge-Rente vorgestellt. Doch was so schön klingt, hat für Kunden auch Nachteile.

Daniel von Borries: Das Vorstandsmitglied der Ergo Versicherungsgruppe AG ist verantwortlich für Investments & Asset Liability Management sowie das Lebensversicherungsgeschäft im Inland. obs

Daniel von Borries: Das Vorstandsmitglied der Ergo Versicherungsgruppe AG ist verantwortlich für Investments & Asset Liability Management sowie das Lebensversicherungsgeschäft im Inland.

DüsseldorfMit klassischen Lebens- und Rentenversicherungen ist nicht mehr viel los. Der Garantiezins ist mit 1,75 Prozent niedrig – und könnte sogar noch weiter fallen. Und die jährlichen Gutschriften der Versicherer sinken ohnehin seit Jahren. Die Regierung fürchtet sogar, dass mancher Lebensversicherer in einigen Jahren Schwierigkeiten bekommen könnte, seine Garantien in den alten Verträgen zu erfüllen.

Einer der großen Anbieter im Lande, die Ergo, ist besonders stark gebeutelt. Wie Hochrechnungen des Branchendienstes Map-Report ergaben, liegen die Produkte der Düsseldorfer besonders schlecht. Der Versicherer landet, egal bei welchen Laufzeiten, durchweg auf den hinteren Plätzen.

Ein Produkt, das in Altersvorsorge-Vergleichen so mäßig abschneidet, kann kein Vertreter verkaufen. Also muss etwas Neues her, was ganz nebenbei auch in die allgemeine Landschaft passt. Schließlich wird die Zukunft der klassischen Lebens- und Rentenversicherung mit Garantie seit einigen Jahren in der Branche heiß und kontrovers diskutiert. Und solange die Zinsen am Kapitalmarkt so niedrig bleiben wie zurzeit, müssen Kunden damit rechnen, dass die Lebensversicherer ihre Leistungen weiter zurückfahren.

Lebensversicherungen: So viel erhalten die Kunden 2013

Worum es geht

Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Beschlossen ist jetzt, den Garantiezins ab 2015 auf 1,25 Prozent zu senken.

Was die Versicherer gerne nennen

Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der gerade ausläuft. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält – weil er bis zum Ende durchgehalten hat.

Branchenschnitt

Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2014 weiter sinkt – im Schnitt von knapp vier Prozent im Jahre 2012 auf nun 3,4 bis 3,5 Prozent im Jahre 2014.

Langfristiger Trend

Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.

Der Branchenführer

Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent im Jahre 2012 auf 3,6 Prozent für die Jahre 2013 und 2014.

Die Besten

Sehr hohe Überschussbeteiligungen zwischen 4,05 und 3,6 Prozent weisen diese Gesellschaften aus: My Life, Ideal, Cosmos Direkt, Volkswohl Bund, Direkte Leben Stuttgarter, die Bayerische, Debeka und die Stuttgarter Leben.

Die Schlechten

Viele Lebensversicherer schaffen nur noch eine Überschussbeteiligung von drei Prozent. Dazu zählen 2014: Versicherungskammer Bayern, Swiss Life, HDI Gerling, Victoria und Zurich. Effektiv liegt die Zinsgutschrift damit deutlich unter der Marke.

Ideal

Der kleine Lebensversicherer zahlt im fünften Jahr in Folge eine stabile Gesamtverzinsung von 4,9 Prozent. Dieser Satz setze sich zusammen aus einer laufenden Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent sowie einem Schlussüberschuss von 0,9 Prozent.

DEVK

Die Lebensversicherer der DEVK trotzen dem historisch niedrigen Zinsniveau: Für das Jahr 2013 schütten sie eine Überschussbeteiligung in Höhe von 4,0 Prozent aus. Im Vorjahr waren es 4,1 Prozent

Inter

Die Gesamtverzinsung für das Jahr 2013 wurde auf 3,6 Prozent festgelegt (Vorjahr: 3,75 Prozent). Die Überschussbeteiligung, die niedriger sein dürfte, teilte der Versicherer nicht mit.

Zwei Topanbieter

Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.

Provinzial Rheinland

Die Gesamtverzinsung der Provinzial Rheinland sind im Vergleich zum Vorjahr um 0,15 Prozent auf insgesamt 4,1 Prozent (inkl. Schlussüberschuss und Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven). Die darin enthaltene laufende Verzinsung liege bei 3,4 Prozent, teilte der Sparkassenversicherer aus Düsseldorf mit.

Heidelberger Leben

Entgegen dem Trend in der Lebensversicherungsbranche hält die Heidelberger Lebensversicherung AG für das Jahr 2013 die Überschussbeteiligung konstant auf dem Vorjahresniveau von 4,0 Prozent. Aufgrund der Spezialisierung auf fondsgebundene Produkte sei das Unternehmen nur im geringen Umfang von der aktuellen Niedrigzinsphase betroffen.

Stuttgarter

Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. bietet eine laufende Verzinsung von 4,0 Prozent (Vorjahr 4,2 Prozent). Zusammen mit der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven und den Schlussüberschussanteilen ergebe sich für 2013 eine Gesamtverzinsung von 4,81 Prozent (errechnet nach Assekurata-Modellfall, Laufzeit 25 Jahre).

Ein großer Konkurrent

Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).

Volkswohl Bund

Die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. legt ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2013 auf 3,65 Prozent (2012: 4,05 Prozent) fest.

Nürnberger

Die Nürnberger Lebensversicherung und die Nürnberger Beamten Lebensversicherung halten ihre Überschussbeteiligung stabil bei vier Prozent. Auch für 2012 und 2011 galten diese Werte. Dies ergibt sich aus der Assekurata-Überschussstudie 2013.

Dumm nur: So leicht ist die gute, alte Lebensversicherung in den Köpfen der Deutschen nicht totzukriegen. Denn die Menschen im Lande stehen auf die Idee, die dahintersteckt: Solidität und Stabilität. Das stellten die Marktforscher der Ergo auch einmal mehr fest.

Fragt man die Bundesbürger, was sie in der Altersvorsorge erwarten, dann stehen die Begriffe „Sicherheit“ und „Garantie“ weit oben. Rendite kommt ein Stück weit dahinter, auch wenn natürlich die meisten etwas verdienen, sprich Rendite einfahren wollen.

Die Menschen möchten jedoch vor allem ihr Kapital erhalten. „Unabhängig von Laufzeit und Marktszenario wählen Kunden am häufigsten Versicherungen, die eine Beitragsgarantie versprechen“, fasste der Versicherer seine Marktforschung vor Journalisten in Düsseldorf zusammen.

Kommentare (3)

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Marcusma

04.06.2013, 15:56 Uhr

Wer Versicherungen nur nach der Rendite bewertet, der hat den Versicherungsgedanken nicht kapiert. Und das sind leider viele. Wenn ich plane, mit 85 zu sterben und das mit aller Konsequenz dann auch durchziehe, dann kann ich mit reinen Kapitalprodukten kalkulieren. Aber wer kann das?!
Marcus M.

TalkingHeads

04.06.2013, 17:04 Uhr

Bin selbst Mitte Zwanzig und Typ-1-Diabetiker:
Rechne ab Mitte 50 mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen und in Konsequenz mit lebensqualität-vernichtenden Späterkrankungen spätestens ab Mitte 60.

Entsprechend kann und tue ich meine Lebenserwartung auf max. 70 Jahre taxieren. Entweder natürlich, oder eben durch meine eigene Hand.

Versicherungen sind stets Wetten! Da steht nämlich meine EInschätzung gegen die des Versicherers.

Gleichwohl jede PKV mein Risiko berücksichtigt, wird das bei der Altersvorsorge (ebenso gesetzl. RV) zu meinen Ungunsten negiert.

Ich wäre ja verrückt, freiwillig mein Geld auf die Sterbetafeln zu setzen. Gleichzeitig ist es noch absolut im Bereich des Möglichen, durch private Kapitalmarktanlagen dauerhaft im Mittel 5% netto zu erwirtschaften. Das schlägt jede Renten-/Lebensversicherung.

Versicherungen haben m.E. nur wenige Vorteile: a) Erhöhter Schutz bei EIntritt von Insolvenz/Harz4 b) Ggf. Steuerfreiheit bei Altvertragsabschlüssen

thinktank

04.06.2013, 18:18 Uhr

@TalkingHeads
Es gibt eine steigende Zahl von Anbietern, die Rentenversicherungstarife anbieten,bei denen - wegen Vorerkrankung - die zu erwartende geringere Lebenserwartung sich in einer höheren (Garantie-) Rente niederschlägt. Hier wird die Lebenserwartung nach einer "individuellen Sterbetafel" kalkuliert. Daneben gibt es bereits länger die Rente mit begrenzter Laufzeit. Auch hier fällt die monatliche Rente höher aus, da der Kapitalstock nicht für "ewig" reichen muss. Letztlich ist immer eine Einzelbetrachtung notwendig. In den einschlägigen Foren wird gerne pauschalisiert. Eine lang anhaltende Niedrigzinsphase wird jede Geldanlage vor Problem stellen. Bei manchen Versicherern ist auch der Wechsel von einem fondgebundenen Produkt (Niedrigzinsphase) in eine Anlage in den Deckungsstock des Versicherers (konservativ / sicher) möglich. - Wunderlösungen gibt es jedoch nicht!

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