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22.07.2012

13:11 Uhr

Niedrige Zinsen

Experte sieht Betriebsrenten in Gefahr

Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen warnt vor Schwierigkeiten der Pensionskassen wegen des niedrigen Zinsniveaus. Die Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge stünden vor ernsten Schwierigkeiten.

Bernd Raffelhüschen ist Professor für Finanzwissenschaften an der Universität Freiburg. picture-alliance/ ZB

Bernd Raffelhüschen ist Professor für Finanzwissenschaften an der Universität Freiburg.

FrankfurtDie 17 Millionen Betriebsrenten der deutschen Beschäftigten sind nach Aussage des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen durch das geringe Zinsniveau bedroht. "Die niedrigen Zinsen stellen viele Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge vor ernste Schwierigkeiten", sagte Raffelhüschen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er bemängelte, dass ein neues Regelwerk der EU Pensionskassen zu noch mehr Investitionen in wenig verzinste Staatsanleihen zwingen soll.

Die Rendite der Anlagen deutscher Pensionskassen droht dem Bericht zufolge in den kommenden fünf Jahren bis in die Nähe der Teuerungsrate zu sinken. Nach Überlegungen der EU-Kommission sollen Pensionskassen und Direktversicherer Anlagen in Aktien künftig mit zusätzlichen Eigenkapital hinterlegen. "Auf diese Weise zwingt der Staat Großanleger regelrecht dazu, weiter Staatsanleihen zu kaufen", kaufen bemängelte Raffelhüschen. Dies werde die Nachfrage nach den Anleihen künstlich steigern und deren Renditen weiter drücken.

Die Renditen der Anleihen starker Eurostaaten liegen derzeit ohnehin meist unter der Inflationsrate. Einzelne Anleihen wurden zuletzt sogar mit negativer Rendite ausgegeben. Angesichts dieses Zinstiefs müssen sich die 17 Millionen Arbeitnehmer, die in Betriebsrenten einzahlen, Raffelhüschen zufolge auf geringere Erträge aus ihrer Rente einstellen. Der Zuwachs des in Betriebsrenten angesparten Kapital, der derzeit noch bei vier Prozent pro Jahr liegt, wird dem Bericht zufolge, in den kommenden fünf Jahren um mehr als ein Drittel sinken.

Für Firmen, die ihren Beschäftigten in der Vergangenheit eine hohe feste Verzinsung von Betriebsrenten zugesagt haben, kann die Pensionskasse nun zum Verlustgeschäft werden. Gegen die Insolvenz des Unternehmens sind die Renten nur zum Teil geschützt. Über Sicherungssystem wie den Pensionssicherungsverein sind den Angaben zufolge nur die vom Arbeitnehmer eingezahlten Beiträge, nicht aber deren Verzinsung abgesichert.

Von

dapd

Kommentare (10)

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gegeneuropagegenkontrolle

22.07.2012, 14:43 Uhr

Danke Europa. Erst unsere Steuermilliarden, dann unsere Sparvermögen, jetzt unsere Betriebsrenten. Was bleibt dann noch übrig? Deutschland und seine gemeinen Bürger sind verarmt, der Widerstand gegen europäischen Einheitsbürger ohne Rechte und mit noch mehr Pflichten, Steuern und Abgaben steht nichts mehr im Weg. Auf zur neuen Weltordnung, die für die Verantwortlichen in den Zirkeln nur ein Spiel darstellt.

Ulrich

22.07.2012, 15:27 Uhr

Sorry liebe HBler, aber um die Gefahr für unseren Wohlstand und Erspartes zu erkennen, muss man kein Experte sein.

bva

22.07.2012, 20:27 Uhr

Zu ergänzen wäre, dass eigentlich jede/r, der auf diese "Rentenideologie" ab dem Jahre 1960 durch seine Arbeitsinvestition gesetzt hat, selbst Schuld ist. Historisch erst kurz zurückliegend hat man doch gesehen, dass vom Proletariat gesammelte Beitragszeiten in die Finanzierung der Rüstung im 3. Reich investiert wurden statt an das kaputte, rentenreife Arbeiterheer ausbezahlt zu zu werden. Aber, ach ja: "die Rente ist sicher!"

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