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15.04.2015

17:54 Uhr

Niedrigzins

IWF sieht Krise für Lebensversicherer heraufziehen

Was Beobachter schon länger fürchten, bestätigt jetzt der Internationale Währungsfonds: Die Garantien der deutschen Lebensversicherer könnten wanken. Zu stark gehen die Zinsversprechen und Anlagerenditen auseinander.

Die Reserven, die Versicherer wegen der Niedrigzinsen bilden müssen, könnten bald bei einigen die Finanzkraft übersteigen. dpa

Lebensversicherer

Die Reserven, die Versicherer wegen der Niedrigzinsen bilden müssen, könnten bald bei einigen die Finanzkraft übersteigen.

WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) sieht eine Krise in der deutschen und europäischen Lebensversicherungsbranche heraufziehen. Die langfristigen Versprechen hoher Garantiezinsen seien zu einer schweren Bürde vor allem für mittelgroße Anbieter geworden, heißt in einem Bericht zur globalen Finanzstabilität, den der IWF am Mittwoch in Washington vorlegte. Das Problem könne das gesamte Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen.

„Die Herausforderungen, die sich den Lebensversicherern stellen, müssen schnell angegangen werden“, so der IWF-Bericht. Stresstests zeigten, dass ein Viertel der Versicherer in einer längeren Phase mit niedrigen Zinsen nicht in der Lage wäre, ihre Kapitalanforderungen zu erfüllen. Der Versicherungszweig habe allein in der EU ein Anlageportfolio von rund 4,4 Billionen Euro und die Vernetzung in der Finanzbranche nehme zu, wodurch die Ansteckungsgefahren wüchsen.

Hintergrund ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank im Kampf gegen die Wirtschaftsflaute und Mini-Inflation. Staatsanleihen, in denen das Geld der Versicherungen meist steckt, bringen kaum noch Erträge. Die Unternehmen müssen jedoch die großen Garantieversprechen der Vergangenheit erfüllen - und jedes zweite zahle dadurch derzeit drauf, so der IWF. Je länger eine Firma einen Zins garantiert habe, desto größer werde das Risiko für sie.

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Besonders groß sei das Missverhältnis in Deutschland und Schweden. Dass die garantierte Rendite in der Bundesrepublik in diesem Jahr wegen dieser Problematik von einst 4,0 auf 1,25 Prozent für neue Verträge sank, helfe nicht viel. Der zu zahlende Zins liege im Durchschnitt immer noch bei rund 3,2 Prozent, während eine 10-jährige Staatsanleihe nur etwa 0,3 Prozent abwerfe, so der IWF.

Die deutsche Versicherungswirtschaft nannte die niedrigen Zinsen eine „Herausforderung für die Branche“. Sie sei „aber mittelfristig in der Lage, die Niedrigzinsphase zu überbrücken. Dies ist auch die Einschätzung von Aufsichtsbehörden und Ratingagenturen“, teilte der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Außerdem trete in wenigen Monaten ein strikt an Marktwerten orientiertes Aufsichtsregime, Solvency II, in Kraft, das zu mehr Stabilität und Transparenz führen werde.

Der IWF fordert in seinem Bericht eine strengere Regulierung der Produkte und eine bessere Aufsicht, um eine Schädigung der Kunden zu vermeiden, wenn Versicherungen in Kapitalnot geraten. Zudem würde ein international besser abgestimmtes Sicherheitsnetz die Industrie schützen helfen.

Auch sonst hätten die Risiken für das globale Finanzsystem zugenommen und sich zunehmend auf Bereiche verlagert, die schwieriger einsehbar und unterstützbar seien, erklärte der IWF. Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer würden die unterschiedlichen Strömungen aus sinkenden Ölpreisen, bald steigenden US-Zinsen sowie heftigen Wechselkursschwankungen spüren. Sie müssten sich dringend gegen Anfälligkeiten wappnen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Manfred K.

15.04.2015, 18:55 Uhr

Zu dieser wertvollen Erkenntnis hätte es nicht des IWF bedurft.Jeder der die Grundrechenarten erlernt hat kann erkennen ,daß man nicht mehr ausgeben kann als man einnimmt.Die Versicherer können zwar alte Anleihen mit hohem Zins zu entsprechend Kursen verkaufen und daraus die Altverträge bedienen.Nur alles hat ein Ende.Und wer soll eigentlich eine Lebensversicherung abschließen,die 1,25% Verzinsung bringt ,wenn sie 10 oder mehr Jahre benötigt um die Abschlußprämie zu erwirtschaften?Der Markt ist tot !

Beo Bachter

15.04.2015, 20:34 Uhr

"Hintergrund ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank im Kampf gegen die Wirtschaftsflaute und Mini-Inflation."

Platsch-Quatsch! Die EZB kämpft nicht gegen eine Wirtschaftsflaute sondern gegen den kleinen und mittleren Mann um den Großen zu bereichern und das Dogma von Vollpfosten genannt "Ökonomen" und ihr Dogma eines linearen Wachstums vor der Realität zu verteidigen. Ein lineares Wachstum wie es sich diese Elefenbeintürmler in ihren feuchten Träuemn ausdenken, hat es aber noch nie gegeben. Immer wurde neues Wachstum auf Basis einer kreativen Zerstörung des alten aufgebaut. Diesen unvermeidlichen Prozess durch Kreditbetrug und Falschgeldexzesse zeitlich aufzuschieben akkumuliert ihn nur. Statt gelegentliche Unternehmenspleiten sähen diese Illusionisten das Zusammenbrechen kompletter Systeme & Krieg, also die Zerstörung per se!

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