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08.12.2016

13:11 Uhr

Niedrigzinsen

Girokonten könnten teurer werden

VonElisabeth Atzler

Die Niedrigzinsen setzen den Banken zu. Sie wollen deshalb im Zahlungsverkehr die Erträge steigern – womöglich um fünf Milliarden Euro bis 2020, schätzen die Berater von Oliver Wyman. Das heißt: Girokonten werden teurer.

Die Banken erhöhen ihre Gebühren. Diese Entwicklung dürfte noch länger anhalten. Selbst für das Geld abheben an Automaten der eigenen Bank müssen Kunden in Einzelfällen schon bezahlen. dpa

Geldautomat

Die Banken erhöhen ihre Gebühren. Diese Entwicklung dürfte noch länger anhalten. Selbst für das Geld abheben an Automaten der eigenen Bank müssen Kunden in Einzelfällen schon bezahlen.

Frankfurt Die deutschen Banken stehen vor schwierigen Zeiten. Schuld daran sind vor allem die Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank. Geldhäuser in Deutschland trifft das besonders, weil der Großteil ihrer Erträge aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen stammt.

Gut 70 Prozent der Erträge der Branche stammen aus Zinsüberschuss. Im Fall von Sparkassen und Volksbanken liegt der Anteil noch etwas höher. Die Sparkassen rechnen damit, dass ihr Ergebnis vor Bewertung in diesem Jahr „um einige hundert Millionen niedriger“ ausfallen wird als 2015, wie Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon diese Woche sagte. Um sich dagegen zu stemmen, bleibt dem Kreditinstituten wenig übrig: Sie müssen sparen oder mit anderen oder zusätzlichem Geschäften mehr verdienen.

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Geldabheben, Überweisungen, Kreditkarten – alles umsonst? Das war einmal. Die Ära der Kostenloskultur geht zu Ende. Immer mehr Banken erhöhen die Gebühren für ihre Dienstleistungen. Und das dürfte erst der Anfang sein.

Auf der Kostenbremse stehen viele Banken bereits. Sie schließen etwa Filialen in großem Stil, auch Jobs werden bereits gestrichen. Zugleich allerdings müssen die Geldhäuser in die Digitalisierung ihrer Prozesse investieren. Die Unternehmensberatung Oliver Wyman rechnet daher damit, dass Banken ihre Erträge im Zahlungsverkehr, also rund um Konto und Karten, deutlich steigern können.

Konkret erwartet Oliver Wyman, dass die Erträge im deutschen Privatkunden-Zahlungsverkehr von heute rund 7,4 Milliarden Euro auf bis zu 12,4 Milliarden Euro im Jahr 2020 klettern könnten.

In einem zweiten Szenario würden die Erträge auf gut elf Milliarden anwachsen. Von dem Plus würden in erster Linie Banken, aber auch Kreditkartenanbieter und Dienstleister rund um das Kartengeschäft profitieren. Für ganz Europa könnte der Zuwachs der Oliver-Wyman-Studie zufolge bei fast 20 Milliarden Euro liegen.

Der entscheidende Treiber dabei: die Preise für Girokonten. Etwa die Hälfte der zusätzlichen Erträge könnten aus den Kontogebühren kommen. „Wir gehen davon aus, dass die Gesamterträge aus Kontoführungsgebühren bis 2020 um jährlich zehn Prozent steigen“, sagt Oliver-Wyman-Partner René Fischer. Das heißt aus Kundensicht: Sparer müssen sich auf weitere Gebührenerhöhungen bei Girokonten einstellen.

„Die Banken müssen mehr im Zahlungsverkehr verdienen, damit sie profitabel bleiben. Dazu gehört auch, dass sie die Preise für Girokonten weiter anheben“, so Fischer. Auch sein Kollege, Gökhan Öztürk, ebenfalls Wyman-Partner, erwartet steigenden Gebühren. „Aber es wird letztlich auch ein paar Banken geben, die Girokonten weiter gratis anbieten.“

Kommentare (11)

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Herr Max Marx

08.12.2016, 13:30 Uhr

Liebe Banken, Protzpaläste, dicke Boni ... was kostet die Welt. Jetzt ist Katerstimmung. Das ist gut so.

Herr Swen Poloczek

08.12.2016, 13:35 Uhr

Ich glaube nicht, dass die Girokonten grundsätzlich teurer werden, sich lediglich einzelne Häuser von diesem Produktzweig verabschieden möchten und Abwehrkonditionen stellen. Es werden immer einige wenige mit optimierten Prozessen bleiben, für die es sich auch in Zukunft noch lohnt. Man muss sich halt die Mühe machen, auch mal das Konto zu wechseln, wobei der Gesetzgeber ja hier schon eine goldene Brücke gebaut hat...

Herr peter gramm

08.12.2016, 14:02 Uhr

immer dann wenn Politiker und Bänker zusammen gearbeitet haben war es zum Nachteil der Kunden. Die Bänker griefen über Fantasiegebühren die Kunden ab und die Politiker über Steuern und Zwangsgebühren. Es lebe die freie und soziale Marktwirtschaft.

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