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12.06.2015

08:12 Uhr

Nur Bares ist Wahres

Sparer horten 1000-Franken-Scheine

VonHolger Alich

Nächste Woche wird die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Geldpolitik diskutieren. Vermutlich wird sie ihren Zins von minus 0,75 Prozent unverändert lässen. Doch der Negativ-Zins hat unerwünschte Nebenwirkungen.

Mit Bargeld gegen die Negativzinsen: Eine Entwicklung in der Schweiz. Imago

1000-Franken-Scheine

Mit Bargeld gegen die Negativzinsen: Eine Entwicklung in der Schweiz.

Zürich„Die Nachfrage nach Barmitteln ist seit Jahresbeginn gestiegen“, stellt Maxime Botteron fest, Ökonom bei Credit Suisse. Er hat die Statistiken der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum Bargeld-Umlauf um saisonale Einflüsse bereinigt. Ergebnis: Seit Ende vergangenen Jahres bis Ende März ist der Umlauf der 1000-Franken-Noten um satte acht Prozent auf knapp 41,3 Milliarden Franken gestiegen. Ein klares Indiz dafür, dass Anleger ihr Erspartes stärker in Bargeld vorhalten.

Seit 15. Januar müssen Banken und andere Kunden der Notenbank 0,75 Prozent dafür zahlen, dass sie Sichteinlagen auf den Konten der SNB halten. Vermögensverwaltungsbanken reichen den Preis für das halten von Cash-Reserven mittlerweile auch an vermögende Privatkunden weiter, wenn diese zum Beispiel mehr als eine Million Franken täglich verfügbar auf dem Konto halten. Wer das Geld in Scheinen aufbewahrt , kann dem entgehen.

„Die Bargeldhortung ist aus Sicht der SNB aus zwei Gründen unerwünscht“, erklärt der Experte. Zum einen umgehen Anleger damit die Negativ-Zinsen, die eigentlich zum Ziel haben, den Franken unattraktiver zu machen.

Diese Länder fahren Kampagnen gegen Bargeld

Dänemark

In ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung hat die dänische Regierung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Frankreich

Ab September 2015 wird für Bürger, die in Frankreich leben, die Bargeldzahlungsgrenze auf 1.000 Euro (bis dahin 3.000 Euro) begrenzt. Für ausländische Bürger liegt die Grenze – um den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen ‒ bei 10.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Quelle: Buch „Bargeldverbot“, S. 27

Belgien

Seit Januar 2014 hat sich die zulässige Bargeldsumme für Waren und Dienstleistungen von 5.000 Euro auf 3.000 Euro verringert.

Spanien

Barzahlungen von über 2.500 Euro sind nach einem Gesetz vom 30. Oktober 2012 verboten, wenn eine der Parteien professionell oder gewerblich tätig ist. Es dient angeblich dem Kampf gegen Steuerbetrug.

Italien

Barzahlungen von mehr als 1.000 Euro sind in Italien seit Anfang 2012 verboten (Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen, vor der Barzahlung mit hohen Beträgen wird gewarnt).

Griechenland

Ab Jahresanfang 2011 sind Geschäfte mit einer Barzahlung von 1.500 Euro und mehr illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Schweden

Kampagne zur Bargeldabschaffung „Bargeldfrei jetzt!“ (Kontantfritt Nu), getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“ mit Sprüchen wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma ‒ und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.

Zweitens kann eine massive Umwandlung von Kundeneinlagen in Bargeld die Stabilität des Finanzsystems bedrohen“, warnt Botteron. Ziehen Kunden ihre Einlagen von Banken ab, um das Geld in Bar vorzuhalten, fehlen den Banken diese Sichtguthaben, um damit Kredite zu refinanzieren. „Die bisherige Zunahme der Bargeldhortung ist noch zu gering, um die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden“, meint der Ökonom.

Kommentare (2)

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Herr Josef Schmidt

12.06.2015, 08:23 Uhr

Banknoten mit vielen Nullen befeuerten die Schattenwirtschaft ?

Die grösste Schattenwirtschaft sind die Banken mit ihren Kasinos und Schattenbanken. Im Gegenteil Bargeld verhindert das Banken über ihre Schattenbanken Unsinn treiben da ihnen Liquidität und Einlagen und damit neuen Kredit entzogen werden.

Herr Jürgen Bertram

12.06.2015, 10:19 Uhr

genau so sieht's aus !!!!

Alle anderen "Gründe" (Schwarzarbeit, Kriminalität usw.) sind vorgeschoben, um den uninformierten Dummmichel weiter an der Nase herumzuführen.

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