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28.10.2016

14:21 Uhr

Ökonom Stefan Bielmeier

Bürger sollen von Zinsersparnis des Staates profitieren

Der Staat profitiert beim Schuldenmachen von der Zinsflaute. Für Sparer sind die Zeiten dagegen hart. Doch warum sollen die Bürger leer ausgehen, wenn der Staat spart, fragt ein Ökonom.

Der Ökonom Stefan Bielmeier findet es ungerecht, dass der Staat durch niedrige Zinsen spart, der Verbraucher aber leer ausgeht. dpa

Sparen

Der Ökonom Stefan Bielmeier findet es ungerecht, dass der Staat durch niedrige Zinsen spart, der Verbraucher aber leer ausgeht.

FrankfurtDer Staat sollte nach einem Vorschlag von DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier die Bürger an den milliardenschweren Einsparungen durch die Zinsflaute teilhaben lassen. Bielmeier regt einen staatlichen Altersvorsorge-Fonds an, der aus der Zinsersparnis bei der Emission öffentlicher Anleihen gespeist werden sollte, wie es in dem Konzept heißt, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Aus diesem Topf soll eine Zulage fürs Alter gezahlt werden.

Sparbuch und Co. werfen angesichts der Niedrigzinsen kaum noch etwas ab, die Rendite von Lebensversicherungen sinkt. Das nagt an der Altersvorsorge. Auf netto 152 Milliarden Euro einschließlich Versicherungen und Rentenpapieren beziffern die Ökonomen der DZ Bank die Einbußen der Bürger bis Ende 2015 im Vergleich zu einem normalen Zinsniveau.

Der Staat kann sich dagegen günstig verschulden, zum Teil verdient er sogar daran, wenn Investoren als sicher geltende Bundesanleihen kaufen. Einen Teil davon sollte der Fiskus den Bürgern „zurückgeben“, schlägt Bielmeier vor.

Wofür sparen Sie?

Handy

Dass die Deutschen ein Sparer-Volk sind, ist unumstritten. Doch wofür genau wird eigentlich gespart? Rund sechs Prozent gaben in einer „Yougov“-Umfrage an, dass sie für ein neues Handy sparen.

Unterhaltungselektronik

PlayStation 4 oder Xbox One? Acht Prozent der Befragten legen ihre Geld für eine neue Konsole zurück.

Computer

Zehn Prozent sparen auf einen neuen Computer.

Wohnungseinrichtung

Für das heimelige Gefühl bedarf es einer entsprechenden Wohnungseinrichtung. Ein Fünftel legen dafür ihr Geld zurück.

Haus oder Eigentumswohnung

An den eigenen Grundbesitz denken 25 Prozent. Sie legen ihr Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung auf die hohe Kante.

Auto

Auch für die fahrbaren Untersatz will gesorgt sein. 27 Prozent sparen auf ein neues Auto.

Alterssicherung

Für über die Hälfte der Befragten steht die eigene Zukunft an erster Stelle. 55 Prozent gaben an, dass sie für die Alterssicherung Geld zurückhalten.

Der Ökonom schätzt die Zinsersparnis auf rund 119 Milliarden Euro von 2010 bis 2015. Dabei legt er einen „Normalzins“ zugrunde mit einer Bandbreite von 3 bis 5,5 Prozent.

Offen stehen soll die staatliche Zulage fürs Alter dem Konzept zufolge grundsätzlich allen Bürger in Deutschland. Der Zuschlag könnte auf anerkannte Produkte der Altersvorsorge gewährt werden, auf die Sparbeträge gezahlt werden, aber auch auf Immobilienkäufe. Bei Menschen mit keinem oder einem sehr niedrigem Einkommen sollte der Satz höher sein als bei Gutverdienern, empfiehlt Bielmeier.

Nach Prognosen der Bundesregierung drohen viele Menschen ohne mehr eigene Vorsorge in Altersarmut abzurutschen. Vor allem Geringverdiener sind betroffen. 47 Prozent der Niedrigverdiener haben keinerlei zusätzliche Altersvorsorge, wie aus dem „Alterssicherungsbericht 2016“ hervorgeht.

Der Staat sollte sich bereits bei der Wertpapierausgabe verpflichten, einen festen Prozentsatz der Ersparnis in den Altersvorsorge-Fonds zu stecken, schlägt Bielmeier vor. Steigen die Zinsen, würden die Zahlungen entsprechend geringer oder ganz ausfallen.

Bei dauerhaft höheren Zinsen könnte der Topf allerdings irgendwann leer sein, weil mehr Geld in die Auszahlung der Altersvorsorge-Zulage fließt als hereinkommt. Der Fonds wäre dann auf staatliche Zuschüsse angewiesen, heißt es in dem Vorschlag. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Neufestsetzung der Bandbreite des „Normalzinses“.

Von

dpa

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