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19.01.2007

10:10 Uhr

Ohne Police müssen Verursacher zahlen

Privathaftpflicht hilft bei Personenschäden weiter

Wenn Stürme übers Land fegen, schlägt immer auch die Stunde der Versicherungen: Glücklich, wer in diesen Zeiten die richtige Police in der Schublade hat. Dazu gehört vor allem die Privathaftpflichtversicherung.

HB MÜNCHEN. Sie springt ein, wenn Menschen zu Schaden gekommen sind, weil sie von einer schlecht verankerten, „entfesselten“ Satellitenschüssel getroffen wurden. Oder von herumgewirbelten morschen Geländern, lockeren Dachziegeln oder ungesicherten Blumentöpfen. Nur wer bei Personenschäden eine Privathaftpflicht im Kreuz hat, kann aufatmen, wenn er als Verursacher für die finanziellen Folgen haften soll.

Jeder, der es vor dem Sturmtief „Kyrill“ also versäumt hat, ungesicherte Gegenstände auf seinem Balkon, auf der Terrasse, dem Dach oder im Vorgarten noch rechtzeitig wegzuräumen, muss notfalls dafür gerade stehen, wenn sich die Teile selbstständig gemacht und Menschen verletzt haben - und die Privathaftpflicht fehlt. „Wer ein eigenes Haus und in solchen Fällen keine Police hat, den kann man nur bedauern“, sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Ein Hausbesitzer ist immer dann in der Haftung, wenn er vorhersehbare Gefahrenstellen wie beispielsweise kaputte Antennenmasten oder lockere Markisen nicht rechtzeitig durch eine Reparatur gesichert hat und damit Schuld an den Folgen trägt, betont die R+V-Versicherung. Dies gilt auch, wenn Dachziegel schon länger lose waren oder das Dach nicht ausreichend kontrolliert wurde. Auch schludrige Mieter stecken in der Verantwortung, war es ausgerechnet ihr Blumentopf, der lose auf dem Balkongeländer stand und einem Passanten auf den Kopf geweht wurde, erklärt Wortberg. Haben sie keine Privathaftpflicht, müssen sie haften. Vermieter sind für solche Fälle über ihre Haus- und Grundeigentümer-Haftpflichtversicherung abgedeckt.

Finanzielle Katastrophe ohne Police

Die finanziellen Folgen können verheerend sein: Wurden Personen schlimm verletzt, arbeitsunfähig, womöglich bis zur Rente, verlangen sie Schmerzensgeld nach dem Unglück oder eine Entschädigung für wochenlangen Verdienstausfall, und der Verursacher muss dafür aufkommen. Werden hohe Summen geltend gemacht, kann das zum finanziellen Ruin eines nicht-versicherten Bürgers führen.

Nur, wenn ein Hausbesitzer beispielsweise die herabgewehte Antenne erst kurz zuvor von einem Fachmann überprüfen ließ und das nachweisen kann, ist er in der Regel aus dem Schneider. Er hat dann seine so genannte Verkehrssicherungspflicht erfüllt. „Das bedeutet, er muss nicht für die entstandenen Kosten aufkommen“, betont die R+V-Versicherung. Nach dem Sturm sollten Besitzer die Dächer ihrer Häuser auf mögliche Schäden inspizieren lassen, um für die Zukunft auf Nummer Sicher zu gehen.

Aber auch eine Versicherung zahlt nicht unbegrenzt, sondern maximal bis zur vereinbarten Deckungssumme. Häufig sind das drei Mill. Euro, oft auch fünf Millionen. Je höher die Deckung, desto höher der Preis für die Police.

Geht es um materielle Schäden, das heißt, beschädigt die herumfliegende Satellitenschüssel das Dach des eigenen Hauses, springt die Wohngebäudeversicherung ein. Sie zahlt auch, wenn dadurch Fenster zu Bruch gingen oder es in den Wohnraum hineinregte und Nässeschäden den Boden zerstörten. Die kaputte „Schüssel“ oder Antenne ersetzt die Hausratversicherung. Für Schäden am Auto kommt die Kaskoversicherung auf.

Gegen materielle Verwüstungen rund um Wohnung, Haus oder Auto sind die meisten Bürger mit Hausrat, Wohngebäude- oder Kfz-Versicherungen recht gut abgesichert. In Sachen Privathaftpflicht sieht es dagegen bei Mill. düster aus. „30 Prozent der Deutschen leben ohne diese Police“, so Wortberg. „Dabei ist sie unverzichtbar für alle, nicht nur, wenn ein Sturm tobt."

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