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10.01.2014

18:53 Uhr

Pannen bei Einführung

Auf der Suche nach den Sepa-Schuldigen

VonTobias Döring, Jens Hagen, Jan Mallien

Kurz nach der Verschiebung der Sepa-Einführung hagelt es Kritik. Ein frühzeitiger Start wäre möglich, erklären Bundesregierung, Zentralbanken und Wirtschaftsverbände. Doch wer ist Schuld an den Problemen?

Rechnung mit einigen Unbekannten: Wann das Zahlungssystem Sepa kommt ist noch nicht entschieden. dpa

Rechnung mit einigen Unbekannten: Wann das Zahlungssystem Sepa kommt ist noch nicht entschieden.

DüsseldorfSechs Monate Gnadenfrist – jeder der schon mal ein Projekt geleitet hat, weiß solch ein Zugeständnis normalerweise zu schätzen. Umso mehr erstaunt die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Vorschlag von EU-Kommissar Michel Barnier, bei der Einführung des Zahlungssystems Sepa eine Karenzzeit von sechs Monaten zu gewähren. EU-Parlament und EU-Rat müssen diesem Vorschlag allerdings noch zustimmen.

Hierzulande stehe einer planmäßigen Einführung der neuen europaweiten Sepa-Bank-Überweisungen schon zum 1. Februar nichts im Wege, erklärte etwa eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums: „In Deutschland wäre das machbar“.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

Schon bei einem Treffen der Notenbank-Vorstände mit der EU-Kommission Ende Dezember habe es starken Widerstand gegen den Vorschlag gegeben. Für die Zentralbanker kann der Vorschlag offenbar völlig überraschend.

Die Idee traf auf wenig Gegenliebe, auch weil diejenigen bestraft werden könnten, die ihre Umstellung bereits erfolgreich vorbereitet haben. „Trotzdem waren wir zuversichtlich, dass das gesteckte Ziel erreicht werden kann“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Auch die Deutsche Kreditwirtschaft reagierte überrascht: „Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen, bringt aber Erleichterungen für Unternehmen und Vereine, bei denen es mit der Umstellung auf die neuen Sepa-Verfahren zum 1. Februar 2014 möglicherweise knapp geworden wäre“, hieß es knapp in einer Mitteilung.

Deutlicher wurde der Chef des Sparkassenverbands, Georg Fahrenschon. Die deutsche Wirtschaft sei „im Endspurt“ bei der Umstellung. Sie brauche verlässliche Rahmenbedingen „und keinen Wechsel zwischen Gaspedal und Bremse“. Es bestehe in der deutschen Kreditwirtschaft „Einigkeit darüber, dass sie die Sepa-Umstellung fristgerecht bewältigen kann“.

Auch andere Verbände wettern. „Aus Sicht der deutschen Wirtschaft wäre die Verschiebung nicht zwingend notwendig gewesen“, sagte Tim Gemkow vom Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor einem falschen Signal. „Wer einmal verschiebt, der kann das auch ein zweites Mal machen – das ist nicht ungefährlich“, sagte BDI-Geldpolitik-Experte Reinhard Kudiß.

Angesichts der seltenen Eintracht zwischen Regierung, Notenbanken, Wirtschaftsverbänden und Banken stellt sich die Frage: Warum möchte die EU-Kommission die Reißleine ziehen? Und wer trägt die Schuld an dem verpatzten Projekt Sepa?

Kommentare (5)

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NEINDANKESEPA

10.01.2014, 19:11 Uhr

Schuld sind die Euro-Bürokraten, die dieses System gegen die Interessen und Belange der Deutschen durchdrücken wollten.
An die Menschen hat dabei wieder mal niemand gedacht!
Zudem birgt SEPA unbechreibliche Gefahren, weil Gaunern mit einem SEPA-Mandat europaweit der Boden für nicht stornierbare SEPA-Lastschriften geebnet wird.
(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

mon_yburns@central.banktunnel.eu

10.01.2014, 19:55 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

3d__ax@central.banktunnel.eu

10.01.2014, 20:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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