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29.10.2014

16:35 Uhr

Patientenverfügung - Teil II der Serie

Vorsorge, nicht sexy, aber wichtig

VonKatharina Schneider

Wer entscheidet für mich, wenn ich es selbst wegen Krankheit, Alter oder Unfall nicht kann? Antwort: ein Bevollmächtigter. So verfassen Sie die Regieanweisungen an ihn – unter anderem die wichtige Patientenverfügung.

Eine Patientenverfügung ist eine Regieanweisung an die Ärzte und den Bevollmächtigten. Getty Images

Eine Patientenverfügung ist eine Regieanweisung an die Ärzte und den Bevollmächtigten.

DüsseldorfUnabhängig sein und selbst über das eigene Leben entscheiden – das ist für die meisten Menschen der größte Vorteil des Erwachsenenlebens. Doch was, wenn man durch einen Unfall oder eine Krankheit nicht mehr selbst entscheiden kann? Dann ist es gut, eine Vorsorgevollmacht verfasst zu haben. Die regelt beispielsweise, wer im Notfall medizinische Entscheidungen treffen darf, über den Aufenthaltsort bestimmen, einen Pflegeplatz organisieren und Bankgeschäfte erledigen kann.

Was zu beachten ist, wenn man eine Vorsorgevollmacht erstellen möchte, konnten Sie bereits im ersten Teil dieser Serie lesen. Doch einen Bevollmächtigten zu benennen, reicht allein noch nicht aus. Man sollte ihm auch Regieanweisungen geben. Was soll er tun, was muss er lassen? Das schafft zum einen die Gewissheit, dass später tatsächlich alles gemäß den persönlichen Wünschen geschieht. Und zum anderen hilft es auch dem Bevollmächtigten. Hat er feste Vorgaben, muss er sich nicht selbst überlegen, was wohl der mutmaßliche Wille des Vollmachtgebers gewesen wäre.

In diesem zweiten Teil der Vorsorge-Serie geht es also um das sogenannte Innenverhältnis zwischen Vollmachtgeber und Bevollmächtigtem. „Grundsätzlich sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. Der Vollmachtgeber kann all seine Wünsche und Handlungsanweisungen niederschreiben, egal ob es um die Gesundheit, die Verwaltung des Vermögens, den Aufenthaltsort oder den Verbleib der Haustiere geht“, sagt Gudrun Doering-Striening, Fachanwältin für Familien- und Sozialrecht.

Eine solche Innenregelung mit Außenwirkung gegenüber Ärzten und Pflegern ist auch die Patientenverfügung. Sie nimmt vorweg, was der Vollmachtgeber für sich in gesundheitlichen Fragen wünscht, wenn er einmal nicht mehr selbst entscheiden kann. Vor fünf Jahren wurde die Möglichkeit dazu gesetzlich geregelt (Paragraph 1901a, BGB). Laut einer Umfrage des Vereins Vorsorgeanwalt haben immerhin schon 28 Prozent der Erwachsenen in Deutschland eine solche Verfügung verfasst und 34 Prozent planen diese für die nähere Zukunft. Frauen sorgen demnach etwas besser vor als Männer und mit dem Alter nimmt der Anteil der Personen mit Patientenverfügung zu.

Wichtiges zur Vorsorgevollmacht

Was ist die Vorsorgevollmacht?

Eine Vorsorgevollmacht ist eine besondere Art der Vollmacht und rechtlich gesehen ein Auftrag. Darin können eine oder mehrere Personen benannt werden, die alle Aufgaben für Sie erledigen, wenn Sie es selbst nicht können.

Wann brauche ich eine Vorsorgevollmacht?

Nicht nur alte Menschen können auf Hilfe angewiesen sein und in die Lage geraten, selbst keine Entscheidungen mehr treffen zu können. Durch einen Unfall oder eine plötzliche Krankheit kann das jeden treffen. Bis zum 18. Geburtstag sind automatisch die Eltern bevollmächtigt. Doch danach können ohne explizite Vollmacht nicht einmal die Ehepartner für einander entscheiden. Dann setzt das Gericht einen Bevollmächtigten ein. Um seinen Vertreter selbst zu bestimmen, sollte jeder über 18 Jahre eine Vorsorgevollmacht erstellen.

Was kann der Bevollmächtigte regeln?

Der Bevollmächtigte kann mit vielfältigen Aufgaben betraut werden. Er kann zum Beispiel über medizinische Behandlungen entscheiden sowie Regelungen zum Vermögen und zum Aufenthaltsort treffen. Die Person kann etwa als Vertreter gegenüber der Bank, der Krankenkasse oder gegenüber Ärzten agieren.

Welche Voraussetzungen muss der Bevollmächtigte erfüllen?

Der Bevollmächtigte muss Ihr uneingeschränktes Vertrauen genießen. Er sollte in der Lage sein, Ihre Interessen durchzusetzen. Zudem muss er gegebenenfalls auch schwierige Situationen meistern und sehr weitreichende Entscheidungen treffen.

Was tun ohne Vertrauensperson?

Wer alleinstehend ist und keine Vertrauensperson hat, kann sich an Betreuungsvereine, Wohlfahrtsverbände, Kirchen oder Anwälte wenden, die eine Betreuung übernehmen.

Wie lange gilt die Vorsorgevollmacht?

Eine Vorsorgevollmacht kann jederzeit geändert werden. Hat ein Notar sie beurkundet, sollte sie schriftlich widerrufen werden.

Wo sollten die Dokumente verwahrt werden?

Die Originale der Dokumente sollten am besten in einem Notfallordner in der eigenen Wohnung aufbewahrt werden. Der Bevollmächtigte sollte den Ort kennen und zudem Kopien der Unterlagen haben. Gegen eine einmalige Gebühr kann die Vorsorgevollmacht beim Zentralen Vorsorgeregister registriert werden.

Quelle

„Das Vorsorge-Set“, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3-86851-360-8 (12,90 Euro)

Die meisten, die noch keine hatten, gaben als Grund an, sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt zu haben (66 Prozent). 27 Prozent wollen, dass im Notfall andere für sie entscheiden. „Diese Menschen verzichten auf eine wichtige Chance zur Selbstbestimmung und sie belasten ihre Angehörigen oder ihren Bevollmächtigten, denen im Ernstfall ohne Patientenverfügung die Orientierung fehlt“, sagt Dietmar Kurze, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer des Vereins Vorsorgeanwalt.

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