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03.09.2013

15:26 Uhr

Pflegenotstand

Im Alter droht der finanzielle Ruin

VonJens Hagen

ExklusivDie Deutschen verweigern sich der Vorsorge für die Pflege. Die Folge: Im Alter drohen leere Haushaltskassen und immense Kosten für die Kinder. Welche finanziellen Risiken das Alter bringt und was die Vorsorge kostet.

Flur in einem Pflegeheim: Die wenigsten Deutschen sorgen vor. dpa

Flur in einem Pflegeheim: Die wenigsten Deutschen sorgen vor.

BerlinDass man Vorsorge im Alter kaum noch nachholen kann, erkannte ein Ehepaar aus Norddeutschland auf schmerzliche Weise. Erst nach der Diagnose einer Krebs- und Blutzuckererkrankung realisierten sie, dass sie ihren Lebensabend mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Pflegestation eines Altersheimes oder mit Betreuerin in den eigenen vier Wänden verbringen dürften.

Bislang lehnte das kinderlose Paar jeden Gedanken an eine solche Situation ab: „Wir sind doch fit, wenn es soweit ist, kümmern wir uns darum.“ Nun ist es wegen der Vorerkrankungen zu spät für die Vorsorge. Die Beiträge für eine entsprechende Police wären horrend teuer, wenn überhaupt ein Versicherer einen umfänglichen Schutz anbieten würde.

Die Folge: Das Paar muss selbst vorsorgen und schichtet das in langen Jahren angesparte Vermögen um. Um jedes Risiko zu vermeiden wandert die stolze Summe von einer dreiviertel Million Euro auf ein schwach verzinstes Geldmarktkonto. Im aktuellen Zinsumfeld bedeutet das realen Kapitalverlust. An die Option, dass sie das Geld bei einem seriösen Risikoschutz auch hätten ausgeben können, möchten die Senioren lieber nicht denken.

Nicht jeder kann in seiner Rentenzeit aber sein Zinskonto mit 750.000 Euro fluten. „Vorsorge für den Pflegefall ist nicht nur für Vermögende absolut wichtig“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer der unabhängigen Vermögensverwaltung Packenius, Mademann und Partner. „Die Kosten sind kaum berechenbar und können schnell im sechsstelligen Eurobereich liegen“.

Das kostet die Pflege in den Bundesländern

Bundesdurchschnitt

Pflege ist teuer. Im Schnitt müssen Personen, die sich nicht mehr selbst helfen können in Deutschland für die stationäre Versorgung in Pflegestufe I 1998 Euro monatlich bezahlen.

Für Pflegestufe II werden im Schnitt 2440 Euro monatlich fällig, für Pflegestufe III 2907 Euro monatlich. Einzelne Pflegebedürftige müssen deutlich mehr zahlen, denn die Kosten variieren je nach Bundesland stark.

Quelle: Morgen & Morgen

Baden-Württemberg

Für stationäre Pflegestufe I: 2186 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2623 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 3163 Euro monatlich

Bayern

Für stationäre Pflegestufe I: 2144 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2531 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2818 Euro monatlich

Berlin

Für stationäre Pflegestufe I: 2028 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2568 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2956 Euro monatlich

Brandenburg

Für stationäre Pflegestufe I: 1717 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2036 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2548 Euro monatlich

Bremen

Für stationäre Pflegestufe I: 1769 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2424 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2860 Euro monatlich

Hamburg

Für stationäre Pflegestufe I: 2012 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2589 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 3173 Euro monatlich

Mecklenburg-Vorpommern

Für stationäre Pflegestufe I: 1660 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2056 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2468 Euro monatlich

Niedersachsen

Für stationäre Pflegestufe I: 1815 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2204 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2603 Euro monatlich

Nordrhein-Westfalen

Für stationäre Pflegestufe I: 2235 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2785 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 3357 Euro monatlich

Rheinland-Pfalz

Für stationäre Pflegestufe I: 2029 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2424 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 3082 Euro monatlich

Saarland

Für stationäre Pflegestufe I: 2136 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2665 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 3187 Euro monatlich

Sachsen

Für stationäre Pflegestufe I: 1545 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 1882 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2375 Euro monatlich

Schleswig-Holstein

Für stationäre Pflegestufe I: 1967 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2329 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2696 Euro monatlich

Thüringen

Für stationäre Pflegestufe I: 1622 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2000 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2454 Euro monatlich

Sachsen-Anhalt

Für stationäre Pflegestufe I: 1639 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe II: 2005 Euro monatlich

Für stationäre Pflegestufe III: 2297 Euro monatlich

Im Pflegefall droht daher den meisten der finanzielle Ruin. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligt sich bei stationärem Aufenthalt in Pflegestufe III maximal mit 1.550 Euro pro Monat. Die Kosten variieren aber je nach Bundesland zwischen 2300 Euro und knapp 3200 Euro. „Auf einem gehobenen Niveau kann die Pflege schnell 8000 Euro kosten“, sagt Vermögensverwalter Löschen.

In der Regel reichen die Alterseinkünfte nicht, um die Pflegekosten zu decken. Die durchschnittlichen Renten-Ansprüche liegen bei Männern bei 1050 Euro und bei Frauen bei 530 Euro. Kranke oder altersschwache Menschen werden schnell zu Sozialfällen.

Trotzdem ignorieren die Menschen das Risiko eisern. Nur zwei Prozent der Deutschen haben eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Das statistische Bundesamt rechnet aber bis zum Jahre 2030 mit 3,4 Millionen Pflegefällen, 900.000 mehr als heute. Jeder dritte Bundesbürger über 80 Jahren ist aktuell auf Pflege angewiesen, Tendenz steigend. Vor allem Frauen sind wegen der tendenziell eher niedrigeren Renten und längeren Lebenserwartungen dann von Armut betroffen.

Vorsorge ist also wichtig und mit Pflegetagegeld- oder Pflegerentenpolicen möglich. Im Folgenden erklärt Handelsblatt Online, welche Tarife etwas taugen und welche weiteren Verfügungen und Vollmachten Senioren zusätzlich geben sollten.

Kommentare (77)

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StachelImFleisch

03.09.2013, 15:36 Uhr

Wie sind eigentlich Beamte, die deutschen Leistungsträger also, diesbezüglich abgesichert????

Henry

03.09.2013, 15:43 Uhr

Pflegebahr ist der gleiche Betrug wie Kapital-Lebensversicherungen. Staatlich geschütztes Schneeballsystem!

Account gelöscht!

03.09.2013, 15:59 Uhr

Das ganze Leben ist ein Risiko. Man hat immer die Wahl fleißig zu sein und was lernen in der Schule und zu arbeiten und zu sparen. Sich immer auf den Staat, d.h. sich auf andere fleißige Menschen zu verlassen wird in Zukunft nicht mehr funktionieren. Wer nicht selber vorsorgt kann es immer noch wie Gunter Sachs tun.

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