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10.04.2012

14:30 Uhr

Pflegetagegeld-Versicherungen

Der beste Schutz vor Pflegenotstand

VonJens Hagen

ExklusivDie Deutschen werden immer älter. Der Schutz vor dem finanziellen Ruin durch Pflegebedürftigkeit ist daher Pflicht. Ein Vergleich zeigt: Im Ernstfall zahlen viele Versicherer nicht. Welche Tarife etwas taugen.

Beistand im Alter: Eine Pflegetagegeldpolice macht die Pflegekosten bezahlbar. dpa

Beistand im Alter: Eine Pflegetagegeldpolice macht die Pflegekosten bezahlbar.

Viele Deutsche blicken mit Angst in die Zukunft. Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte bis zum Jahr 2030 auf 3,4 Millionen steigen, vermeldete kürzlich das statistische Bundesamt. Das wären 50 Prozent mehr als noch 2007. Bis 2050 könnte es hierzulande sogar 4,5 Millionen Pflegefälle geben.

Die Alterung der Gesellschaft – die Zahl der 80-Jährigen soll bis 2050 um mehr als das Doppelte auf 10,2 Millionen steigen – setzt die Sozialsysteme unter einen immensen Druck. Nach Einschätzung des Pflegeverbandes werden schon bis 2020 mindestens 300.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt. Angesichts leerer Staatskassen durch eine tendenziell abnehmende Zahl an Steuerzahlern sollten Realisten eine private Vorsorge für den Pflegefall erwägen.

Bislang sorgen zu wenige Menschen privat vor. Gerade mal 1,7 Millionen Menschen haben eine Pflegezusatzpolice abgeschlossen. „Grundsätzlich ist diese Versicherung sinnvoll“, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW. „Wer es sich leisten kann, sollte über eine private Zusatzversicherung nachdenken.“

Interessenten können zwischen Pflegerenten- oder Pflegetagegeldpolicen wählen. „In der Regel sind Tagegeldverträge bei den Krankenversicherern deutlich günstiger,“ sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer beim Hofheimer Analysehaus Morgen & Morgen.

Sein Unternehmen legt jetzt erstmals ein aufwändiges Rating für diese wichtigen Policen vor. Dazu untersuchte Morgen & Morgen knapp 40 Leistungsbestandteile von knapp tausend Tarifkombinationen der wichtigsten 34 Versicherer. Das Ergebnis ist kein Ruhmesblatt für die Branche.

Nur ein Versicherer erreicht in mindestens einer Tarifkombination mit fünf Sternen eine „ausgezeichnete“ Wertung. Drei Versicherer schaffen es auf vier Sterne, was einem „sehr gut“ entspricht. Zwölf Versicherer bieten ihren Kunden bestenfalls „schwache“ Leistungen (zwei Sterne), ein Versicherer wurde sogar mit „sehr schwach“ bewertet.

Viele Policen patzen bei wichtigen Leistungen. Nur knapp die Hälfte der untersuchten Verträge leisten auch rückwirkend, wenn der Versicherte seine Pflegebedürftigkeit dem Versicherer verspätet anzeigt.

Pflegebedürftig

Pflegestufe I

Die Pflegestufen und sind gesetzlich festgeschrieben. Als erheblich pflegebedürftig gilt, wer mindestens einmal täglich Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen – wie es im Beamtendeutsch heißt – benötigt. Gemeint sind etwa das Ankleiden oder aber die Nahrungsaufnahme. In der ambulanten Pflege sind 61 Prozent der Patienten in Pflegestufe I eingeteilt, in der stationären Pflege 40 Prozent.

Maximale Erstattung

Die Leistungen der Pflegeversicherung sind per Gesetz festgeschrieben. Für stationäre Pflege gibt es in Stufe I 1023 Euro, für teilstationäre Pflege und häusliche Pflegehilfe durch zugelassene Pflegedienste 450 Euro oder eine Zahlung eines Pflegegeldes für die Betreuung durch Pflegepersonen (beispielsweise Angehörige) 235 Euro.

Pflegestufe II

Schwerpflegebedürftige benötigen mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Zeiten pflegerische Hilfe. In der ambulanten Pflege sind 30 Prozent der Patienten in Pflegestufe I eingeteilt, in der stationären Pflege 40 Prozent.

Maximale Erstattung

Für stationäre Pflege von Schwerpflegebedürftigen gibt es 1279 Euro, für teilstationäre Pflege und häusliche Pflegehilfe durch zugelassene Pflegedienste 1100 Euro oder eine Zahlung eines Pflegegeldes für die Betreuung durch Pflegepersonen 440 Euro.

Pflegestufe III

Schwerstpflegebedürftige müssen rund um die Uhr gepflegt werden – auch nachts. In der ambulanten Pflege sind neun Prozent der Patienten in Pflegestufe I eingeteilt, in der stationären Pflege 20 Prozent.

Maximale Erstattung

Für stationäre Pflege gibt es in Stufe III 1550 Euro, für teilstationäre Pflege und häusliche Pflegehilfe durch zugelassene Pflegedienste 1550 Euro oder eine Zahlung eines Pflegegeldes für die Betreuung durch Pflegepersonen (beispielsweise Angehörige) 700 Euro.

Die Meldung des Pflegefalls kann aus vielen Gründen später erfolgen, etwa weil der Arzt die Pflegebedürftigkeit nicht von Beginn an erkannt hat und sie für eine akute, vorübergehende Erkrankung hielt, oder weil Angehörige zunächst nichts von der Police wissen. „Bis ein Pflegefall festgestellt wird, kann viel Zeit vergehen, etwa für ärztliche Gutachten“, sagt Schinnenburg. „Versicherte sollten daher im jedem Fall auf diese Klausel achten“. Und darauf, dass sie im Leistungsfall nicht weiter zahlen müssen. Nur knapp die Hälfte der Policen verzichtet im Pflegefall auf die Entrichtung weiterer Beiträge.

Kommentare (6)

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Coza

10.04.2012, 18:30 Uhr

Für den Fall einer notwendigen Dauerpflege habe ich eine ausführliche und viele Einzelheiten umfassende Patientenverfügung vorliegen, die mir ein sinnloses Dahinsiechen erspart und mich vor unnötigen Lebensverlängerungen schützt.

WPPJ

10.04.2012, 18:39 Uhr

Ab nach Thailand.

Ein Schweizer hat seine Eltern in Thailand in einer Familie fuer monatlich 150 US$ untergebracht.
Jetzt macht er ein Geschaeftsmodell daraus. Mit Arzt und Klinik.
Den, in Thailand hat man mehr Respekt vor dem Alter wie bei uns. In Familien sorgt die ganze Familie dafuer. Dort werden Arbeitsplaetze geschaffen weil auch in der Schweiz die Plege nicht mehr bezahl bar ist.
Habe mich dort schon eingetragen. Und Servus.

gamma

10.04.2012, 19:55 Uhr

jahr 2022, die überleben wollen ( Soylent green). den film anschauen und sehen worauf d-land zusteuert.

http://en.wikipedia.org/wiki/Soylent_Green

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