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31.05.2016

16:17 Uhr

PKV

Wenn die private Krankenversicherung zu teuer wird

Vor allem ältere Privatversicherte wechseln offenbar häufig in günstigere Standardtarife. Die Grünen sehen darin ein soziales Problem und fordern erneut die Bürgerversicherung. Der Branchenverband hält dagegen.

Tipps vom Experten

Deshalb lohnt sich ein Wechsel der Krankenversicherung

Tipps vom Experten: Warum der Wechsel der Krankenversicherung lohnt

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BerlinWas passiert, wenn Privatversicherte ihre teuren Beiträge nicht mehr bezahlen können? Die Tarife werden zurückgefahren - und damit auch die Leistungen. Denn steigende Beiträge in der Privaten Krankenversicherung (PKV) machen immer mehr Mitgliedern zu schaffen. Vor allem ältere Privatversicherte wechselten dann offenbar häufig in die günstigeren Basis- und Standardtarife. Dies geht aus eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, über die die „Frankfurter Rundschau“ (Dienstag) zuerst berichtet hatte.

Nach Darstellung der Bundesregierung stieg die Zahl der Privatversicherten mit Standardtarif in den vergangenen zehn Jahren von 24.800 auf 45.800. Im Basistarif stiegt die Zahl zwischen 2009 und 2015 von 13.500 auf 29 400. Allerdings entsprechen die Leistungen für die Privatversicherten in diesen Tarifgruppen denen der gesetzlichen Krankenkasse.

Pro & Contra Private Krankenversicherung

Pro: Günstige Beiträge

Viele Tarife sind beim Abschluss des Vertrages deutlich günstiger als die Beiträge bei gesetzlichen Kassen.

Leistungsschutz

Einmal vertraglich zugesicherte Leistungen bleiben erhalten. Die Politik mischt sich nicht in den Leistungskatalog ein. Zum Vergleich: Bei der GKV können Leistungen gestrichen werden, wie etwa die Zuzahlung für eine Brille.

Individuelle Auswahl

Versicherte können ihren Leistungskatalog individuell zusammenstellen. Nicht nur Einbettzimmer, Chefarztbehandlung oder Zuzahlungen für Zahnbehandlung lassen sich optional absichern.

Leistungen reduzieren

Der Leistungskatalog kann bei steigenden Kosten auf Wunsch des Versicherten verringert werden, um die Prämie zu senken.

Rückzahlungen möglich

Wenn der Versicherer gut gewirtschaftet hat, können Beitragsrückerstattungen anfallen.

Vorsorge

Altersrückstellungen können die steigenden Kosten im Alter zumindest zu einem Teil auffangen. Trotzdem bleiben steigende Beiträge das Hauptproblem der PKV. Wie stark die Sätze steigen hängt stark an der Qualität des Tarifes.

Geringere Solidarität

Die Solidargemeinschaft unter den Versicherten greift nicht so stark wie in der GKV. Zumindest theoretisch spart jeder Versicherte einen Teil der Beiträge für sich selbst an.

Schlechte Tarife vergreisen

PKV-Versicherte hängen an der Entwicklung aller in ihrem Tarif Versicherten. Wird der Tarif geschlossen für junge, gesunde Neuzugänge, überaltert die ganze Tarifgruppe und es wird teurer.

Steigende Beiträge

Das Hauptproblem für Privatversicherte: Die Beiträge für zunächst günstige Einstiegstarife können schnell steigen. Im Neugeschäft verteuerten sich die Tarife in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um fünf Prozent per anno.

Vorkasse

Versicherte müssen die Abrechnungen selber bezahlen und bei der Versicherung einfordern.

Streitpotenzial

Ärger mit Ärzten oder Kliniken, falls die aus Sicht der Versicherung überhöhte Rechnungen stellen.

Gesundheitsprüfung

Wer nicht kerngesund ist, muss je nach früherer oder akuter Krankheit sofort höhere Beiträge zahlen oder wird abgelehnt.

Soziale Unsicherheit

Keine Solidargemeinschaft unter den Versicherten – wer die Beiträge nicht mehr finanzieren kann, muss in den abgespeckten Basistarif seines Anbieters wechseln und seinen Ärzten jedes Mal erklären, dass er zwar privat versichert ist, der Arzt aber nur sehr begrenzt abrechnen kann.

Kinder kosten

Kinder und nicht berufstätige Ehefrauen sind nicht wie in der GKV automatisch und kostenlos mitversichert.

Aufpreis für Standard-Leistungen

Viele Leistungen aus dem GKV-Katalog sind für PKV-Versicherte nicht ohne höheren Beitrag zu bekommen. Dazu zählen unter anderem Haushaltshilfen in Notfällen, spezielle Leistungen für Kinder oder Mutter-Kind-Kuren.

Untersuchungsmarathon

PKV-Versicherte gelten oft als überversorgt, weil zwecks Honorarabrechnung mehr Untersuchungen an ihnen praktiziert werden, als medizinisch nötig sind.

Quelle: wiwo.de

Nach den Worten der Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink steigt die Zahl der älteren PKV-Versicherten, die Probleme haben, ihren Beitrag zu bezahlen, kontinuierlich an. „Die Bundesregierung vertröstet diese Menschen auf den Notlagentarif, der nur Leistungen im akuten Notfall vorsieht. Das ist zu wenig.“ Nötig sei eine grundlegende Lösung, nämlich eine Bürgerversicherung. „Damit kommen alle Versicherten unter das schützende Dach einer solidarischen Krankenversicherung. Dies würde gerade die häufig prekäre Lage von Menschen mit geringen Einkommen deutlich verbessern.“

Dem hielt der Sprecher des PKV-Verbandes, Stefan Reker, entgegen: „Rund 0,8 Prozent der Privatversicherten sind in den PKV-Sozialtarifen (Standardtarif und Basistarif) abgesichert und erhalten dort eine Versorgung auf dem Niveau der Gesetzlichen Krankenversicherung.“ Es sei unseriös, „auf Basis dieser sehr geringen Zahl und dieser umfassenden Versorgung“ den Eindruck zu erwecken, es gebe hier gravierende Probleme.

Was halten Sie von privaten Krankenversicherungen?

Wenn langjährig Versicherte aus welchen Gründen auch immer ihren Beitrag verringern möchten, biete ihnen der PKV-Standardtarif eine umfassende Versorgung. Der Durchschnittsbeitrag, in dem auch die Alterungsrückstellungen berücksichtigt werden, betrage hier 280 Euro im Monat. Bei Rentnern könnten davon bis zu 140 Euro durch einen Zuschuss der Rentenversicherung abgedeckt werden, erläuterte Reker. „Im Basistarif finden wiederum vor allem Menschen Schutz, die vorher gar nicht versichert waren.“

Nach Rekers Worten skandalisieren die Grünen, dass 0,8 Prozent der Privatversicherten in den Sozialtarifen reduzierte Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten, um dann als Lösung anzubieten, „auch die restlichen 99,2 Prozent der Privatversicherten zwangsweise in die gleiche Versorgung umzusiedeln“. Das nennen sie dann „Bürgerversicherung“.

Von

dpa

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