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28.08.2016

11:49 Uhr

Portfoliomanagerin Regina Borromeo

„Die EZB trocknet die Anleihemärkte aus“

VonGertrud Hussla

Elf Prozent Rendite hat sie seit Jahresanfang mit durchaus riskanten Anleihen geschafft, in Euro gerechnet: Regina Borromeo sucht weltweit nach attraktiven Zinspapieren. Privat setzt sie aber auch auf Bares.

Die Portfoliomanagerin sucht weltweit nach attraktiven Anleihen. In ihren Publikumsfonds „Legg Mason Brandywine Global Income Optimiser“ investiert sie auch privates Geld. PR

Regina Borromeo

Die Portfoliomanagerin sucht weltweit nach attraktiven Anleihen. In ihren Publikumsfonds „Legg Mason Brandywine Global Income Optimiser“ investiert sie auch privates Geld.

Im nationalen Squash-Team hat Regina Borromeo zweimal Bronze für die Philippinen gewonnen. Beruflich schaffte ihr Team mehrfach fünf Sterne bei der Ratingagentur Morningstar. Seit zehn Jahren ist Borromeo Portfoliomanagerin, seit 2010 beim großen internationalen Vermögensverwalter Brandywine. Dort hat ihr Team mit internationalen Anleihefonds seit Jahresanfang eine zweistellige Rendite geschafft. Bei ihrer Visite in Deutschland hätte die zierliche Londonerin gerne eine richtige deutsche Bratwurst gegessen. Aber Pfifferlinge auf Pasta  waren ihr dann auch sehr recht.

Frau Borromeo, Sie sagen, sie lieben Ihren Job und möchten ein Leben lang Vermögensverwalterin sein. Was machen Sie mit Ihrem eigenen Geld?
Ich habe es in Immobilien investiert, in das eigene Haus und in vermietete Immobilien. Dann halte ich zwei Jahreseinkommen in Cash, für den Notfall. Und die Altersvorsorge stecke ich großenteils in unseren eigenen Fonds. Natürlich investiere ich auch in Aktien. Ich hoffe auf ein langes Leben, deshalb habe ich  meine Investments gut gestreut und darauf geachtet, dass sie dauerhaft werthaltig sind.

Eines ihrer Spezialgebiete sind High-Yield-Bonds, also Anleihen, die auf Grund eines höheren Risikos mehr Zins abwerfen, als gewöhnliche Anleihen…
Im Moment ist das eines der wenigen Felder, auf denen sich noch eine akzeptable Rendite erwirtschaften lässt. Die durchschnittliche Rendite bei Risiko-Anleihen mit  der Stufe BB liegt in der Eurozone  noch bei  2,6 Prozent. Wir erleben allerdings  gerade dramatische Verwerfungen in den Anlageklassen. Vor drei Jahren waren es noch sechs bis sieben Prozent.

Sie haben mit Ihrem Anleihe-Fonds, dem „Legg Mason Brandywine Global Income Optimiser“ seit Jahresanfang eine Rendite von elf Prozent geschafft. Wie haben Sie das gemacht?
Dieses Jahr lief es in der Tat sehr gut. Wir haben vor allem in die US-Kapitalmärkte und nach Großbritannien umgeschichtet. Das hat die Rendite nach oben getrieben. In den USA liegt der Zins bei rund fünf Prozent für Anleihen von BB- Bonität, also deutlich höher als in der Eurozone.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Warum auch Großbritannien? Dort hat es doch gerade erst das Referendum für den Austritt aus der Eurozone gegeben. Das müsste dem Kapitalmarkt dort ja eher geschadet haben.
Großbritannien gilt im derzeitigen verrückten Umfeld als ein sicherer Hafen. Dort sind die Zinsen für Staatsanleihen immerhin noch positiv. Ein Drittel aller weltweit gehandelten Staatsanleihen rentiert inzwischen negativ. Die 10-jährigen britischen Staatspapiere „Gilts“ boten kurz vor dem Referendum im Juni noch eine Rendite von einem Prozent. Da bewegten sich die Bundesanleihen  gleicher Laufzeit bereits zeitweise in negativem Territorium. Die Bank of England unter Gouverneur Mark Carney wird nach ihren letzten Schritten erst einmal abwarten, wie die Realwirtschaft darauf reagiert. Sie hat klargemacht, dass sie den britischen Finanzmarkt stützen will. Sie betreibt eine weit gemäßigtere Geldpolitik als die EZB.

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