Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2012

14:10 Uhr

Preisvergleich

Was Billigtarife in der Privaten Krankversicherung taugen

VonThomas Schmitt

ExklusivPrivaten Krankenschutz gibt es zwar manchmal schon für 100 bis 200 Euro. Doch die meisten dieser Lockvogelangebote haben ein schlechtes Leistungsniveau und kosten mehr als gedacht. Die Tücken von Billigtarifen.

"Billig ist krank" - das finden nicht nur Gewerkschafter in Göttingen, das trifft auch auf manche Tarifvariante in der privaten Krankenversicherung zu. dpa

"Billig ist krank" - das finden nicht nur Gewerkschafter in Göttingen, das trifft auch auf manche Tarifvariante in der privaten Krankenversicherung zu.

DüsseldorfDie privaten Krankenversicherer locken gerne mit günstigen Prämien. Doch selbst in sogenannten Einsteigertarifen mit schlechten Leistungen müssen Kunden nun oft mit Monatsprämien von mehr als 200 Euro rechnen. Das ergaben dem Handelsblatt vorliegende Berechnungen von 14 Billigtarifen, die das Analysehaus Franke & Bornberg für einen 32 Jahre alten Musterkunden untersucht hat. 

Bei den Männern liegen die Prämien nur bei fünf von 14 Tarifen unter 200 Euro, bei den Frauen waren es sogar nur zwei von 14 Tarifen. Im Schnitt bezahlten die 32 Jahre alten Männer 230 Euro im Monat und die gleichaltrigen Frauen 284 Euro Tarifen mit Grundschutz. Im Vergleich zum Vorjahr sind damit die Prämien für Männer im Schnitt um 30 Euro gestiegen, für Frauen dagegen nur um 12 Euro. 

Billigtarife der privaten Krankenversicherer

Was zahlt ein 32 Jahre alter Mann?

Die Spanne zwischen den Tarifen mit einem Grundschutz ist recht groß. Sie liegt mittlerweile zwischen 119 und 348 Euro – je nach Versicherer und Tarif.

Quelle: Franke & Bornberg

Worauf verzichten Einsteigertarife?

In den Vergleich einbezogen wurden Tarife, die typische Leistungseinschränkungen haben wie

- keine ambulante psychologische Behandlung
- keine Wahlleistungen im Krankenhaus
- Beschränkungen bei der Höhe der Gebührenordnung
- niedrige Zahnleistungen
- Primärarztprinzip.

Nicht alle Einschränkungen müssen auf alle Tarife zutreffen.

Wie gut sind Startpakete?

In einem Notenraster von 1 bis 6 erhalten die meisten Billigtarife die Note befriedigend oder ausreichend. Nur einer sticht heraus, einige haben ein sehr schlechtes Leistungsniveau.

Ratingnoten von Franke & Bornberg:
FFF   hervorragend – eins plus
FF+   sehr gut – eins
FF     gut – zwei
FF-    befriedigend – drei
F+     noch befriedigend – drei minus
F       ausreichend – vier
F-      schwach – fünf
F--     sehr schwach – sechs

In der Rating-Note wird neben der reinen Erstattungshöhe auch noch der Umfang des Leistungsversprechens und die allgemeine Qualität des Bedingungswerkes bewertet.

Wie stark sind die Preise gestiegen?

Von 2011 auf 2012 haben etliche Krankenversicherer ihre Prämien für Männer in Einsteigertarifen deutlich erhöht – und zwar absolut betrachtet zwischen 19 und 82 Euro im Monat. Das entspricht in den meisten Fällen prozentualen Anstiegen in zweistelliger Höhe, in der Spitze bis zu 43 Prozent.

1. R+V

Prämie: 118,57 Euro 

Tarif: AGIL classic
Selbstbehalt: 1.920 Euro
Ratingnote: sechs (F--)
Erstattungniveau: 44 Prozent

2. Hanse Merkur

Prämie: 119,43 Euro

Tarif: Start FIT, KVG3
Selbstbehalt: 600 €
Ratingnote: fünf (F-)
Erstattungsniveau: 58 Prozent

Hanse Merkur bietet zwei weitere Tarife mit einem etwas höheren Leistungsniveau an.
Prämie bei 300 Euro Selbstbehalt: 175,73 Euro
Prämie ohne Selbstbehalt: 325 Euro

3. LKH

Prämie: 156,85 Euro

Tarif: G
Selbstbehalt: 900 Euro
Ratingnote: sechs (F--)
Erstattungsniveau: 49 Prozent

4. Bayerische Beamten, UKV

Prämie: 160,74 Euro

Tarif: CompactPRIVAT - Start 900 A
Selbstbehalt: 900 Euro
Ratingnote: sechs (F--)
Erstattungsniveau: 63 Prozent

5. Universa

Prämie: 219,08 Euro 

Tarif: intro/Privat 300
Selbstbehalt: 300 Euro
Ratingnote: Drei minus (F+)
Erstattungsniveau: 71 Prozent

Hintergrund: Viele der gut 40 privaten Krankenversicherungen haben in der Vergangenheit neue Kunden vor allem mit einem großen Preisvorteil gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gelockt. Während gut verdienende Angestellte bei den Krankenkassen rund 600 Euro im Monat zahlen, boten die Krankenversicherer besonders preiswerte Produktlinien an, sogenannte „Einsteigertarife“. 

Den Versicherten sei dabei oft nicht bewusst gewesen, dass sie sich für eine private Krankenversicherung (PKV) entschieden, die in einigen Bereichen noch nicht einmal mit der gesetzlichen Krankenversicherung mithalten könne, warnen Experten. 

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

anonymus_007

31.01.2012, 14:46 Uhr

Alle zocken nur noch ab. Bin Heute 48, habe im Jahr 2000 in die PKV ( Central) gewechselt. Bei guten Leistungen habe ich 380.- Euro Beitrag im Monat bezahlt.
Heute, bezahle ich im selben Tarif 840 Euro.
Dass ein Vermittler, eine PKV, bis zu 8000.- Euro Provision bekommt spricht Bände!
siehe: www.youtube.com/watch?v=6p0in2-su28
Unbedingt ansehen!
Auch die Ärzte reiben sich bei PKV Versicherten die Hände.
Alle zocken nur noch auf Kosten der Beitragszahler ab. Gilt übrigens auch bei der GKV. Nur nicht ganz so extrem.

Kin

31.01.2012, 17:19 Uhr

Da haben Sie voellig Recht! Ich bin selber Ende 20 und seit einem Jahr privatversichert. Ich habe das aber auch nur gemacht, weil ich mich nicht laenger als 10 Jahren in Deutschland aufhalten werde. Das System ist pervers. Die Deutschen sind pervers.
In Deutschland ist man der perversen Ueberzeugung mit einem Fond alle Probleme loesen zu koennen..
Krankenversicherung -> Fond
Bankeinlage -> Fond
Euro-Waehrung -> Fond

Es ist als ob der Westen den Kommunismus entdeckt. Und schon in 10 Jahren wird es Kommunismus-aehnlichen Zustaenden geben. Nach weiteren 10 wird es wieder vorbei sein. Ich will einfach noch 10 Jahren hier aushaaren, dann waehle mir ein schoenes lateinamerikanisches Land aus und weg bin ich. Den kompletten soziallen Abstieg werde ich nicht mehr live erleben.

Ich

15.02.2012, 15:53 Uhr

@ anaonymus_007

Schon mal an einen Tarifwechsel gedacht?!

Dieser Göker ist kein typischer Versicherungsmakler - sondern der Anführer eines Strukturunternehmens (Drücker). Dieses Unternehmen ist eine absolute Ausnahme im Markt! Hoffen wir, dass es so etwas nicht mehr geben wird!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×