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17.07.2013

13:31 Uhr

Private Altersvorsorge

DGB fordert Abkehr von Riester-Rente

Der Deutsche Gewerkschaftsbund will die Riester-Rente auf den Prüfstand stellen. Das Konzept der privaten Altersvorsorge helfe nicht gegen Altersarmut. Besser sei eine solidarische Vorsorge innerhalb der Rentenkasse.

Illustration Rente: Die Zahl der staatlich geförderten Riester-Rentenverträge war im ersten Quartal erstmals seit dem Start 2001 zurückgegangen. dpa

Illustration Rente: Die Zahl der staatlich geförderten Riester-Rentenverträge war im ersten Quartal erstmals seit dem Start 2001 zurückgegangen.

BerlinAngesicht der zuletzt gesunkenen Zahl von Riester-Verträgen fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Abkehr von der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. „Die Riester-Rente muss grundsätzlich auf den Prüfstand“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch).

Das Instrument helfe nicht gegen Altersarmut, denn drei Viertel der Geringverdiener könnten sich eine Riester-Rente gar nicht leisten. „Es wäre deshalb besser, die Steuer-Milliarden, die bislang in den Versicherungen versickern, zielgenau gegen Altersarmut einzusetzen und zudem die betriebliche Alterssicherung stärker zu fördern“, meinte Buntenbach.

Die DGB-Funktionärin schlug vor, mit Hilfe höherer Rentenbeiträge eine Demografiereserve aufzubauen. Eine solche solidarische Vorsorge innerhalb der Rentenkasse sei der Privatvorsorge klar überlegen.

Riester-Versicherungen: Tops und Flops

Noten

Fünfmal gut, achtmal ausreichend, keinmal sehr gut. Das ist das Ergebnis der jüngsten Riester-Untersuchung von Finanztest. Das Gros der getesteten 29 Angebote für eine klassische Riester-Rentenversicherung kam über ein befriedigend nicht hinaus.

Quelle: Finanztest, Oktober 2012

Die besten Tarife: Platz 3

Den dritten Platz bim Vergleich belegt die Debeka mit der Note 2,5. Ausgezeichnet wurde der Tarif Debeka Riester-Rente, F1 (01/12)

Platz 2

Zweitbester im Vergleich war die Alte Leipziger, die ebenfalls die Note 2,5 erhielt. Die gilt für den Tarif Alte Leipziger Klass. Riester-Rente, RV50

Der Testsieger

Kommt aus Franken. Bester Tarif war der Huk24 Riester-Rente, RZU24 mit der Note 2,4.

Die Unterklasse

Viele Tarife erhielten aber schlechte Noten. Acht Anbieter erhielten nur ein "ausreichend". Es folgen die drei schlechtesten Produkte.

Drittletzter

Platz 23 belegte die Neue Leben mit dem Tarif Riester-Rente R7 mit der Note 3,8.

Platz 24

Noch schlechter schnitt die Gothaer ab. Der Tarif Ergänzungsvorsorge – Classic, PRRC1B wurde mit 3,9 bewertet.

Der Letzte

Der schwächste Tarif im Test war die Klassik-Riester-Rente, ARG1 von der Axa. Die Note von Finanztest: 4,0.

Die kompletten Ergebnisse können Sie im Internet gegen eine Gebühr von 2,50 Euro erwerben: www.test.de/riester-versicherung


Ohne Urteil

Hanse Merkur24, Riestermeister, RM 2012

Die Zahl der staatlich geförderten Riester-Rentenverträge war im ersten Quartal erstmals seit dem Start 2001 zurückgegangen. Ende März gab es mit etwa 15,65 Millionen Verträgen rund 27 000 weniger als Ende 2012, wie aus jüngst veröffentlichten Zahlen des Bundesarbeitsministeriums hervorgeht. Die Riester-Rente wurde eingeführt, um Abstriche bei der gesetzlichen Rente auszugleichen.

Der Verband der Jungen Unternehmer (BJU) lehnte den Vorschlag des DGB ab. „Die Forderung nach der Abschaffung der Riester-Rente und somit der eigenverantwortlichen Altersvorsorge erscheint uns gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel das vollkommen falsche Mittel“, erklärte Lencke Wischhusen, Bundesvorsitzende der jungen Unternehmer.

Wenn man die Altersvorsorge wieder zu 100 Prozent in staatliche Hände legte, würde das bedeuten, dass die Beiträge unverhältnismäßig ansteigen würden und der Kostenfaktor Arbeit extrem teuer würde. Es sei richtig, dass in Zeiten der Niedrigzinspolitik eine private oder betriebliche Altersvorsorge nicht mehr so attraktiv sei wie noch vor einigen Jahren. Hier müsse die Politik jedoch auf europäischer Ebene handeln, betonte Wischhusen.


Von

dpa

Kommentare (23)

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gynti

17.07.2013, 10:26 Uhr

Ausnahmsweise hat der DGB recht, Riestern ist volkswirtschaftlich gesehen Unsinn, es verbrennt Geld, den Beitragszahlern hilft es nicht wirklich. Eine transparente und verlässliche - steuerfinanzierte - Rente für Kleinverdiener und Erziehende wäre viel effektiver.

Account gelöscht!

17.07.2013, 10:38 Uhr

...das Papiergeldsystem vernichtet kapitalgebundene LVs/Riester/Betriebsrenten usw. und ein total verschuldeter Staat (explizit UND implizit)inkl. demographischer Katastrophe läßt auch das erste Standbein wegknicken. "Forget" den ganzen Rentenkäse (zukünftig)

juhoh

17.07.2013, 11:20 Uhr

Alles humbuk. Das Problem ist nicht die RiesterRente sondern der explosionsartig zunehmender Niedriglohnsektor. Die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung führt doch dazu, dass kaum einer noch die Beiträge für eine RiesterRente zahlen kann. Zusätzlich werden ja auch kaum Entgeltpunkte aufgebaut, was noch die Situation weiter verschärft. Der DGB sollte das tun was angesagt ist und endlich mal sich gegen den Niedriglohnsektor stark machen. Wie kann es denn sein, dass es immer noch Menschen in unserem Land gibt, die für 4,50 Euro die Stunde arbeiten? Das ist doch unanständig und nichts als Sklaverei.

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