Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.10.2016

18:24 Uhr

Private Haftpflichtversicherung

Erst versichern, dann abheben

VonKatharina Schneider

Die Politik diskutiert über einen Führerschein für Drohnen. Hobbypiloten sollten aber nicht nur die Flugregeln kennen, sondern auch ihren Versicherungsschutz. Längst nicht jede Haftpflicht deckt Drohnenschäden ab.

Besonders beliebt sind Quadrocopter, also Modelle mit vier Rotoren. dpa

Mit der Drohne in den Sonnenuntergang

Besonders beliebt sind Quadrocopter, also Modelle mit vier Rotoren.

FrankfurtSie fliegen durch enge Schluchten, über reißende Flüsse, Seen, Felder und Berggipfel – Drohnen zeigen die Welt aus der Vogelperspektive, nur selbst zu fliegen kann noch schöner sein. Besonders beliebt bei Hobbypiloten: Quadrocopter, also Fluggeräte mit vier im Quadrat angeordneten Rotoren. Sie sind teils schon für wenige hundert Euro zu haben. Meist ist eine Kamera eingebaut, so dass sich der Besitzer anschauen kann, was die Drohne filmt. Bevor der Flugspaß beginnt, sollte aber der Versicherungsschutz geprüft werden, denn Drohnen können große Schäden anrichten und längst nicht jede private Haftpflicht kommt dafür auf.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Meldungen über Zwischenfälle: Drohnen kamen gefährlich nah an Flugzeuge heran, am Münchener Flughafen gab es im August sogar eine Kollision. Nach Schätzungen der Deutschen Flugsicherung gibt es in Deutschland bisher rund 400.000 solcher Flugobjekte – Tendenz steigend. Das alarmiert auch die Politik: Diskutiert wird über Flugverbote für sensible Gegenden, Kennzeichnungspflichten und eine Art Führerschein für Drohnen-Piloten. Filmaufnahmen über Wohngrundstücken sollen nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ebenso tabu sein wie eine Gefährdung rund um Flughäfen.

Die Versicherungen, die keiner braucht

Unsinnige Policen

Ob Brillen, Handy oder Glas - in Deutschland kann man fast alles versichern lassen. Doch von vielen dieser Verträge profitiert nur einer - die Versicherungsgesellschaft. Der Bund der Versicherten hat die überflüssigsten Policen zusammengetragen.

Die Glasbruchversicherung

Eine kaputte Scheibe ist ärgerlich, aber kein finanzielles Desaster. Deshalb mache eine Glasbruchversicherung für die meisten keinen Sinn, so der Bund der Versicherten. Die Beiträge seien für die mögliche Schadenshöhe zu hoch. Ausnahme: Sie haben einen Wintergarten oder teure Spezialglasscheiben im Haus. Oder fußballverrückte Kinder.

Die Brillenversicherung

Kaum einem Brillenträger wurde sie nicht angeboten: Die Brillenversicherung. Dabei glauben viele, dass die Brille bei Bruch oder Beschädigung vollständig ersetzt würde. Doch falsch gedacht. Geht die Brille kaputt, gibt es nur Geld für die Sparvariante zurück. Wer eine hochwertige Fassung und aufwändige Gläser haben möchte, muss auch mit Brillenversicherung zuzahlen. Neue Gläser gibt es übrigens nur bei Beschädigung und bei einer starken Veränderung der Sehstärke (ab 0,5 Dioptrien). Wer das nicht zu befürchten hat, sollte seine Brille unversichert lassen.

Die Krankenhaustagesgeldversicherung

Die Krankenhaustagesgeldversicherung verspricht eine Zuzahlung für jeden Tag, den man in einer Klinik verbringen muss. Ob sie die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, bezweifelt der BDV allerdings. Der Verein rät, für solche Fälle lieber Geld auf einem Tagesgeldkonto bereit zu halten.

Die Reisegepäckversicherung

Wer sich Geld von einer Reisegepäckversicherung verspricht, muss bestens auf seine Koffer aufpassen. Denn oft zahlen die Versicherer nur anteilig oder gar nicht, wenn sie ihren Kunden grob fahrlässiges Verhalten vorwerfen. Und was grob fahrlässig ist, ist Auslegungssache. Wertsachen wie Schmuck, Film- und Fotoapparate nur unzureichend mitversichert, bemängelt der BDV. Hinzu kommt, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Gepäck ohnehin in der Hausratversicherung versichert ist.

Die Handyversicherung

Auch eine Handyversicherung bieten Verkäufer gerne und häufig an, meist gleich an der Kasse. Da hört sie sich auch besonders gut an - schließlich kostet ein Smartphone mehrere Hundert Euro. Es zu versichern, lohnt sich trotzdem nicht. Geht das Gerät verloren oder kaputt, ersetzt die Versicherung nur den Zeitwert des Handys und eine Selbstbeteiligung wird fällig. Wer Geld zurück möchte, für den gilt also: Das Handy zeitnah kaputt machen oder im Taxi liegen lassen.

Versicherung gegen „häusliche Notfälle”

Eine ausgefallene Heizung oder ein vergessener Schlüssel - das sind die „häuslichen Notfälle”, gegen die sich Verbraucher versichern können. Doch einmal einen Notdienst zu rufen, treibt einen nicht in den finanziellen Ruin. Eine Versicherung gegen häusliche Notfälle zieht einem dagegen unnötig Geld aus der Tasche. Auch, weil sie nur begrenzt zahlt. Wer zur Miete wohnt, muss sich ohnehin keine Sorgen machen. Mieter müssen nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben, zum Beispiel bei einem Heizungsausfall.

Die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Eine Police, bei der man seine eingezahlten Beiträge am Ende zurückbekommen soll - das verspricht die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr. Dahinter steckt aber ein Koppelprodukt, nämlich eine Versicherung mit einem schlecht verzinsten Sparvertrag. Als „Milchmädchen-Rechnung“ bezeichnet der BDV solche Policen: Den Betrag, den der Kunde zurück bekommt, hat er vorher zusätzlich eingezahlt. Und auch die Versicherungsleistungen seien oft nicht ausreichend.

Die Insassenunfallversicherung

Die Angst vor Autounfällen ist groß, deshalb schließen viele Deutsche die Insassenhaftpflichtversicherung ab. Unnötigerweise, so der BDV. Verursacht der Fahrer einen Unfall und werden die Fahrgäste verletzt, tritt seine eigene Kfz-Haftpflicht ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Eine Insassenunfallversicherung lohnt sich nur bei Fahrerflucht oder, wenn der Unfall durch einen Fußgänger verursacht wurde, der keine private Haftpflicht besitzt. Doch auch dem kann vorgebeugt werden, etwa durch eine Forderungsausfallabdeckung in der eigenen Haftpflichtversicherung.

Die Sterbegeldversicherung

Die Sterbegeldversicherung ist eine Kapitallebensversicherung. Wer sie abschließe, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen, so der BDV. Wer seine Angehörigen entlasten wolle, sollte lieber rechtzeitig Geld beiseite legen.

Doch wer kommt für den Schaden auf, falls etwas passiert? Laut Luftverkehrsgesetz muss für jede Drohne – ob privat oder gewerblich genutzt und gleich welcher Größe – eine Luftfahrthaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Die Folge: Wer keine solche Versicherung hat, geht ein hohes Risiko ein. Zwar verfügen 85 Prozent der Deutschen über eine Privathaftpflicht. Doch diese deckt durch Drohnen verursachte Schäden häufig nicht ab. In den unverbindlichen Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zur Privathaftpflichtversicherung heißt es: Versichert seien nur Schäden, die durch Gebrauch von „solchen Luftfahrzeugen verursacht werden, die nicht der Versicherungspflicht unterliegen“.

In der Praxis führt diese Klausel dazu, dass quasi alle Drohnen von der Privathaftpflicht ausgeschlossen sind. Hobbypiloten sollten daher vor dem Abflug bei ihrem Versicherer nachfragen – und sich dessen Antwort schriftlich geben lassen. Teilweise hat die Assekuranz individuelle Klauseln formuliert oder bietet den Schutz im Rahmen von Zusatzregelungen an.

Auf Anfrage des Handelsblatts teilt etwa die R+V Versicherung mit, dass über ihre Privathaftpflicht nur Luftfahrzeuge abgesichert seien, die nicht der Versicherungspflicht unterliegen. „Nur für den Fall, dass es sich um ein Spielzeug handelt, wäre also eine Absicherung durch die Privathaftpflicht gegeben“, sagt eine Sprecherin. Eine Luftfahrthalterhaftpflichtversicherung für Flugmodelle bis 25 Kilo Startmasse und mit einer Versicherungssumme von einer Million Euro sei dagegen ab etwa 60 Euro pro Jahr erhältlich.

Auch der größte Versicherer im Land, die Allianz, nutzt eine Klausel wie vom GDV vorgeschlagen. In der Produktvariante „Sicherheit Best“ der Privathaftpflichtversicherung können Drohnen bis fünf Kilo aber seit einem Jahr mitversichert werden. Bedingung ist die ausschließlich private Nutzung zur Sport- oder Freizeitgestaltung. Ähnlich ist es bei Axa, hier wird nur bei den Tarifen „Boxflex“ sowie „alternativ L“ auf die GDV-Klausel verzichtet. Ein Allianz-Sprecher betont: „Wer eine Drohne mit Kamera verwendet, ist verpflichtet, die Privatsphäre anderer zu respektieren. Andernfalls hat er keinen Versicherungsschutz.“ Wer mit der Drohne etwa die Nachbarin im Pool filmt, wäre also nicht gegen etwaige Schadensersatzansprüche geschützt.

Über den Vergleichsrechner auf Handelsblatt.com können Verbraucher eine für sie passende Privathaftpflicht-Versicherung finden. Wer hier zusätzliche Angaben machen möchte, kann unter „optionale Detailfragen“ bereits vermerken, dass er Modellflugzeuge oder Ähnliches besitzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×