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01.03.2017

15:07 Uhr

Private Krankenversicherung

Beiträge im Alter steigen oft weniger als befürchtet

VonAnke Henrich
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Der neue map-Report „Ranking Private Krankenversicherung“ bewertet Finanzkraft, Service und Transparenz vieler Anbieter. Zum ersten Mal hat er auch die Beitragsstabilität für Rentner untersucht.

Auch steigende Arzthonorare verteuern die Krankenversicherung. dpa

Krankenversicherung

Auch steigende Arzthonorare verteuern die Krankenversicherung.

DüsseldorfWenn Versicherungsmakler wissen wollen, welche Assekuranzen sie ihren Kunden guten Gewissens empfehlen können – zur Fortbildung sind sie rechtlich verpflichtet – , dann gehört der Blick in die jährlichen Ratings des map-Reports aus Ahrensburg zur Pflicht.

Seit Jahren wühlen sich die Autoren des Reports durch die Kennzahlen wichtiger Unternehmensbereiche, um aus den freiwillig teilnehmenden Anbietern die aus seiner Sicht seriösesten zu ermitteln.

Eine nützliche Sisyphusarbeit, denn rund 8,8 Millionen Krankenvollversicherte verlassen sich auf die Zahlungsfähigkeit ihrer PKV. Sie überweisen ihnen fast 37 Milliarden Euro Beitrag pro Jahr und vertrauen ihnen ihre Altersrückstellungen über rund 220 Milliarden Euro an.

18 von 41 privaten Krankenversicherungen, das entspricht 65 Prozent Marktanteil in Deutschland, lieferten Daten an den Report. Viele antworteten nicht.

Pro & Contra Private Krankenversicherung

Pro: Günstige Beiträge

Viele Tarife sind beim Abschluss des Vertrages deutlich günstiger als die Beiträge bei gesetzlichen Kassen.

Leistungsschutz

Einmal vertraglich zugesicherte Leistungen bleiben erhalten. Die Politik mischt sich nicht in den Leistungskatalog ein. Zum Vergleich: Bei der GKV können Leistungen gestrichen werden, wie etwa die Zuzahlung für eine Brille.

Individuelle Auswahl

Versicherte können ihren Leistungskatalog individuell zusammenstellen. Nicht nur Einbettzimmer, Chefarztbehandlung oder Zuzahlungen für Zahnbehandlung lassen sich optional absichern.

Leistungen reduzieren

Der Leistungskatalog kann bei steigenden Kosten auf Wunsch des Versicherten verringert werden, um die Prämie zu senken.

Rückzahlungen möglich

Wenn der Versicherer gut gewirtschaftet hat, können Beitragsrückerstattungen anfallen.

Vorsorge

Altersrückstellungen können die steigenden Kosten im Alter zumindest zu einem Teil auffangen. Trotzdem bleiben steigende Beiträge das Hauptproblem der PKV. Wie stark die Sätze steigen hängt stark an der Qualität des Tarifes.

Geringere Solidarität

Die Solidargemeinschaft unter den Versicherten greift nicht so stark wie in der GKV. Zumindest theoretisch spart jeder Versicherte einen Teil der Beiträge für sich selbst an.

Schlechte Tarife vergreisen

PKV-Versicherte hängen an der Entwicklung aller in ihrem Tarif Versicherten. Wird der Tarif geschlossen für junge, gesunde Neuzugänge, überaltert die ganze Tarifgruppe und es wird teurer.

Steigende Beiträge

Das Hauptproblem für Privatversicherte: Die Beiträge für zunächst günstige Einstiegstarife können schnell steigen. Im Neugeschäft verteuerten sich die Tarife in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um fünf Prozent per anno.

Vorkasse

Versicherte müssen die Abrechnungen selber bezahlen und bei der Versicherung einfordern.

Streitpotenzial

Ärger mit Ärzten oder Kliniken, falls die aus Sicht der Versicherung überhöhte Rechnungen stellen.

Gesundheitsprüfung

Wer nicht kerngesund ist, muss je nach früherer oder akuter Krankheit sofort höhere Beiträge zahlen oder wird abgelehnt.

Soziale Unsicherheit

Keine Solidargemeinschaft unter den Versicherten – wer die Beiträge nicht mehr finanzieren kann, muss in den abgespeckten Basistarif seines Anbieters wechseln und seinen Ärzten jedes Mal erklären, dass er zwar privat versichert ist, der Arzt aber nur sehr begrenzt abrechnen kann.

Kinder kosten

Kinder und nicht berufstätige Ehefrauen sind nicht wie in der GKV automatisch und kostenlos mitversichert.

Aufpreis für Standard-Leistungen

Viele Leistungen aus dem GKV-Katalog sind für PKV-Versicherte nicht ohne höheren Beitrag zu bekommen. Dazu zählen unter anderem Haushaltshilfen in Notfällen, spezielle Leistungen für Kinder oder Mutter-Kind-Kuren.

Untersuchungsmarathon

PKV-Versicherte gelten oft als überversorgt, weil zwecks Honorarabrechnung mehr Untersuchungen an ihnen praktiziert werden, als medizinisch nötig sind.

Quelle: wiwo.de

Zu diesen Erkenntnissen kommt das 17. PKV-Rating:

Die Beiträge von Angestellten, Beamten und Senioren sind von 2016 auf 2017 um durchschnittlich 6,6 Prozent gestiegen. Ein teures Jahr, denn längerfristig - im Schnitt der Jahre 2000 bis 2017 – mussten die Kunden 3,9 Prozent tiefer in die Tasche greifen.

Eine leicht bessere Nachricht enthält die Untersuchung für Senioren: Einige Versicherer haben die Beiträge gesenkt. Deshalb verteuerten sich die Policen der Rentner durchschnittlich leicht weniger als die der angestellten Versicherten, nämlich um 2,3 Prozent. 2017 wird aber auch für sie finanziell kein gutes Jahr: im Schnitt 5,7 Prozent mehr Beitrag fordern die Assekuranzen dieses Mal.

Dem sanfteren Anstieg zu Grunde liegen aber keine milden Gaben der Versicherer, sondern großer politischer Druck über viele Jahre. Immer wieder hatten Rentner geklagt, dass die Beiträge im Alter trotz Altersrückstellungen bei den Versicherern dermaßen anstiegen, dass sie für viele kaum noch zu bezahlen waren. Zudem seien sie darüber bei Vertragsabschluss meist Jahrzehnte zuvor auch nicht aufgeklärt worden.

Doch inzwischen haben die Versicherer weitere Vorgaben, um Beitragsexplosionen zu verhindern. Der Durchschnittsrentner, für den die Verteuerung fiktiv errechnet wurde, ist im map-report heute 75 beziehungsweise 73 Jahre alt und seit dem Jahr 1982 privat krankenversichert.

Bei den Beamten stieg der Beitrag im langjährigen Schnitt um 2,9 Prozent pro Jahr.

Ausnahme: Stationäre Zusatzversicherungen

Mancher Kunde dürfte erstaunt sein: Im Mittel der Jahre 2000 bis 2017 überwogen Beitragsreduzierungen, so die map-Experten, im Schnitt um 0,1 Prozent pro Jahr. Auch hier gilt: 2017 ist anders - da wurden die Beiträge um 1,4 Prozent erhöht. Die Bandbreite in diesem Jahr ist groß: Die LVM reduzierte um 5,6 Prozent, die Pax-Familienfürsorge erhöhte nach drei Jahren auf einen Schlag ihre Forderung um 13,4 Prozent.

Auffällig im Service-Test der 18 Versicherer ist aus Sicht des map-reports, dass bilanzstarke Anbieter auch dort besser abschneiden. Den besten Service attestiert der map-report der R+V Versicherung, der Debeka und der Alten Oldenburger. Am unteren Ende sehen die Experten unter den begutachteten Anbietern die Mecklenburgische und den Deutschen Ring.

Gesamtsieger des Ratings, das die Bilanzstärke, Servicequalität und Vertragsgestaltung zusammenfasst, sind mit dem Rating “mmm“ die Provinzial, Debeka, Alte Oldenburger, Hallesche, Barmenia, HUK-Coburg, Deutscher Ring, SDK, Signal, Concordia und R+V.

Die untersten Plätze in der Gesamtbewertung belegen die Bayerische Beamtenkranken, die Württembergische und die Axa.

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