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23.05.2012

13:23 Uhr

Private Krankenversicherung

Beiträge in der PKV steigen deutlich

VonJens Hagen

Trotz Kritik von der Politik und Verbraucherverbänden steigen die Beiträge für Neuverträge. Schlechte Tarife verteuern sich innerhalb von zehn Jahren um mehr als 4.000 Euro. Ein Vergleich zeigt, wer mehr zahlen muss.

Spritze: Die Beiträge für private Krankenversicherte steigen. dpa

Spritze: Die Beiträge für private Krankenversicherte steigen.

Die Beitrags-Rally der privaten Krankenversicherer geht weiter. Trotz aller Kritik von Verbraucherverbänden und aus der Politik müssen Neukunden auch in diesem Jahr wieder deutlich mehr zahlen als noch 2011. Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) steigen die Beiträge 2012 im Schnitt um 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Beitragssteigerung noch bei sieben Prozent.

Steigende Beiträge sind das große Manko der privaten Krankenpolicen. Im Schnitt verteuerten sich die Beiträge für Neumitgliedern den vergangenen zehn Jahren um 4,6 Prozent per annum. Die privaten Versicherer profitieren nicht von Steuerzuschüssen, wie die gesetzlichen Kassen. Steigende Kosten für Behandlungen und Medikamente schlagen sich in Mehrkosten für die Versicherten nieder. Außerdem belastet die Branche auch das Zinstief - die Anlage der Überschüsse und Altersrückstellungen ist weniger attraktiv.

Checkliste private Krankenversicherung

Wer kann in die Private Krankenversicherung (PKV) wechseln

Jedes Jahr ändern sich die Voraussetzungen für den Wechsel in die PKV. Arbeitnehmer müssen im Jahr 2015 mit ihrem Einkommen mindestens ein Jahr lang die so genannte Jahresarbeitsentgelt-Grenze in Höhe von 54.900 Euro überschreiten.

Gesundheitsprüfung

Die Höhe der Beiträge richtet sich neben dem Alter vor allem nach den Vorerkrankungen. Wer sich privat versichern möchte, sollte daher nicht zu lange warten. Laut Verbraucherzentrale NRW ist der Wechsel für Männer ab 46 Jahren und für Frauen jenseits der 37 meist nicht mehr ratsam. Versicherte sollten in jedem Falle alle im Antrag abgefragten Erkrankungen angeben. Verschwiegene Vorerkrankungen können zu einem Rücktritt im Leistungsfall führen.

Steigende Beiträge

Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung ist der Beitrag vom Bruttoeinkommen abhängig. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Anders in der PKV: Der zu Beginn günstige Beitrag kann unabhängig von den Einkünften steigen. Im Schnitt verteuerten sich die Beiträge in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozent pro Jahr.

Für wen lohnt die PKV

Das lässt sich nur individuell ermitteln. Tendenziell sind Alleinstehende, kinderlose Eheleute, die beide berufstätig sind, und Beamte Kandidaten für einen Wechsel.

Fallen meiden

Lockvogeltarife mit schwachen Leistungen zu Dumpingpreisen sollten Interessenten meiden. Dort drohen hohe Beitragssteigerungen und Deckungslücken.

Der passende Tarif

Die beste Police für alle gibt es nicht, auch nicht den besten Versicherer. Die passende Police lässt sich nur individuell ermitteln. Ebenso, ob der private oder gesetzliche Schutz die bessere Wahl ist. Verbraucherzentralen und Versicherungsberater helfen bei der Auswahl. Ratings wie beispielsweise das Beitragsstabilitätsrating von Morgen & Morgen bieten zusätzlich eine Entscheidungshilfe.

Rückkehr in die GKV

Der Wechsel zu einem privatem Anbieter will gut überlegt sein. Eine Rückkehr zur gesetzlichen Kasse ist nur dann möglich, wenn die Versicherungspflicht neu entsteht. Das ist der Fall, wenn Kunden versicherungspflichtig werden, etwa mit einem Gehalt unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 54.900 Euro für das Jahr 2015. Wer älter als 55 Jahren alt ist und in den vergangenen fünf Jahren privat versichert war, kann in der Regel nicht mehr zurück. Bezieher von Arbeitslosengeld II wechseln automatisch zur GKV, auch wenn sie älter als 55 Jahre sind.

Kinder

Der Nachwuchs ist beim privaten Schutz im Gegensatz zur GKV nicht gratis mitversichert. Kinder brauchen eigene, beitragspflichtige Verträge. Das macht die GKV für Eltern tendenziell interessanter.

„Insgesamt hat sich der Markt aber ein wenig beruhigt“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. In den Jahren 2001 bis 2011 lag die Beitragssteigerung im Schnitt bei 4,9 Prozent. In den Jahren 2002 bis 2012 nur bei 4,6 Prozent. „Das ist sicherlich unter anderem auch den bevorstehenden Tarifveränderungen hinsichtlich der Unisex-Tarife geschuldet“, sagt Schrinnenburg.

Bei Männern erhöhen sich die Beiträge in diesem Jahr im Schnitt um 5,24 Prozent, Frauen müssen 3,87 Prozent mehr zahlen. Bislang zahlen Frauen wegen der höheren Lebenserwartung gut zehn bis 20 Prozent mehr als Männer. Bis zum 21. Dezember müssen die Versicherer ein Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) umsetzen, nach dem alle Versicherungstarife geschlechterneutral berechnet werden sollen. Ab diesem Termin müssen Männer mehr zahlen.

Prämienvergleich: Privatversicherte in der Beitragsfalle

Prämienvergleich

Privatversicherte in der Beitragsfalle

Ob Krankenkasse oder Versicherer: Die Prämien steigen viel schneller als die Inflationsrate. Mit wie viel Prozent zusätzlich Versicherte jedes Jahr rechnen müssen, wenn sie sich für eines der beiden Systeme entscheiden.

Trotz einer leichten Beruhigung bei dem Anstieg der Prämien gleicht die Suche nach einem bezahlbaren Krankenschutz für Kunden ohne Vorwissen einem Vabanque-Spiel. Bei einigen Tarifen sind die Beiträge für Neukunden um mehr als das doppelte angestiegen. Für einen PKV-Tarif aus dem Vergleich mussten Kunden 2002 noch 255 Euro zahlen. Heute liegt der Beitrag bei Abschluss schon bei 622 Euro.

Wie sich der Anstieg auf die persönliche Lebensplanung auswirken kann, zeigt die Auswertung von M&M. Bei Männern lag die jährliche Steigerung von schlechten Tarifen bei bis zu 12,4 Prozent. In absolute Beträge umgerechnet stieg der Jahresbeitrag für Männer innerhalb von zehn Jahren um bis zu 4.096 Euro. Frauen müssen bis zu 8,2 Prozent per anno mehr zahlen. Der jährliche Beitrag stieg um bis zu 4.475 Euro.

Video

Private Krankenversicherungen im Test

Video: Private Krankenversicherungen im Test

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Kommentare (19)

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kuac

24.05.2012, 12:15 Uhr

Deutschland braucht eine solidarische Bürgerversicherung, wo alle einzahlen.

Account gelöscht!

24.05.2012, 12:19 Uhr

@Zonja

Was meinen Sie damit?
Bis jetzt ist mir nur die Möglichkeit bekannt (in meinen Fall freiwillig GKV) und ggf. eine Private Zusatzversicherung bei einer Versicherung meiner Wahl.

Vielen Dank

Jan

Mauermer

24.05.2012, 13:13 Uhr

Kein Wunder wenn der Staat mit allen Mitteln in das Geschäftsmodell der PKV eingreift und diese ggü. der GKV massiv benachteiligt.
Ich möchte z.B. den Aufschrei hören, wenn einer einen MB kaufen möchte und er Händler sagt ihm, er kann erst wiederkommen, wenn er drei Jahre lang mindesten 50.000 Euro verdient hat!

An kuac: Was wir brauchen ist gerade keine Bürgerversicherung, sondern Vielfalt statt staatlich gelenkter Einfalt. Und vor allem eine Gleichbehandlung, also auch Zuschüsse an die PKV oder eben Hände weg von der Regulation.

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