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15.12.2012

12:26 Uhr

Private Krankenversicherung

Unisex macht PKV-Policen deutlich teurer

VonThomas Schmitt

In der privaten Krankenversicherung ziehen die Prämien im nächsten Jahr stärker an als erwartet. Grund ist die Umstellung auf geschlechtsneutrale Tarife. Eine große Rolle spielt auch die Angst vor niedrigen Zinsen.

Der Finanzvertrieb MLP ist beim Thema Unisex auf allen Kanälen präsent. Bildquelle: Internetausgabe der Kundenzeitschrift "Forum MLP"

Der Finanzvertrieb MLP ist beim Thema Unisex auf allen Kanälen präsent.

Bildquelle: Internetausgabe der Kundenzeitschrift "Forum MLP"

Durch Unisex wird die Private Krankenversicherung (PKV) teurer, aber auch besser. Dies ist das Fazit, dass die Versicherungsanalysten von Franke und Bornberg bereits vor dem offiziellen Start der neuen Unisex-Tarife am 21. Dezember 2012 treffen.

Eine Reihe von Krankenversicherern hatte den Experten Einblick in ihre neuen Tarife gewährt.

Checkliste private Krankenversicherung

Wer kann in die Private Krankenversicherung (PKV) wechseln

Jedes Jahr ändern sich die Voraussetzungen für den Wechsel in die PKV. Arbeitnehmer müssen im Jahr 2015 mit ihrem Einkommen mindestens ein Jahr lang die so genannte Jahresarbeitsentgelt-Grenze in Höhe von 54.900 Euro überschreiten.

Gesundheitsprüfung

Die Höhe der Beiträge richtet sich neben dem Alter vor allem nach den Vorerkrankungen. Wer sich privat versichern möchte, sollte daher nicht zu lange warten. Laut Verbraucherzentrale NRW ist der Wechsel für Männer ab 46 Jahren und für Frauen jenseits der 37 meist nicht mehr ratsam. Versicherte sollten in jedem Falle alle im Antrag abgefragten Erkrankungen angeben. Verschwiegene Vorerkrankungen können zu einem Rücktritt im Leistungsfall führen.

Steigende Beiträge

Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung ist der Beitrag vom Bruttoeinkommen abhängig. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Anders in der PKV: Der zu Beginn günstige Beitrag kann unabhängig von den Einkünften steigen. Im Schnitt verteuerten sich die Beiträge in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozent pro Jahr.

Für wen lohnt die PKV

Das lässt sich nur individuell ermitteln. Tendenziell sind Alleinstehende, kinderlose Eheleute, die beide berufstätig sind, und Beamte Kandidaten für einen Wechsel.

Fallen meiden

Lockvogeltarife mit schwachen Leistungen zu Dumpingpreisen sollten Interessenten meiden. Dort drohen hohe Beitragssteigerungen und Deckungslücken.

Der passende Tarif

Die beste Police für alle gibt es nicht, auch nicht den besten Versicherer. Die passende Police lässt sich nur individuell ermitteln. Ebenso, ob der private oder gesetzliche Schutz die bessere Wahl ist. Verbraucherzentralen und Versicherungsberater helfen bei der Auswahl. Ratings wie beispielsweise das Beitragsstabilitätsrating von Morgen & Morgen bieten zusätzlich eine Entscheidungshilfe.

Rückkehr in die GKV

Der Wechsel zu einem privatem Anbieter will gut überlegt sein. Eine Rückkehr zur gesetzlichen Kasse ist nur dann möglich, wenn die Versicherungspflicht neu entsteht. Das ist der Fall, wenn Kunden versicherungspflichtig werden, etwa mit einem Gehalt unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 54.900 Euro für das Jahr 2015. Wer älter als 55 Jahren alt ist und in den vergangenen fünf Jahren privat versichert war, kann in der Regel nicht mehr zurück. Bezieher von Arbeitslosengeld II wechseln automatisch zur GKV, auch wenn sie älter als 55 Jahre sind.

Kinder

Der Nachwuchs ist beim privaten Schutz im Gegensatz zur GKV nicht gratis mitversichert. Kinder brauchen eigene, beitragspflichtige Verträge. Das macht die GKV für Eltern tendenziell interessanter.

„Die Prämien steigen stärker als erwartet“, erklärte das Analysehaus. Für einen Dreißigjährigen sähen die PKV-Tarife Beitragssteigerungen von vier bis zu 35 Prozent vor. "Eine gleichaltrige Frau spart bei Abschluss eines Neuvertrags nach dem 21.12. im besten Fall sechs Prozent; es können aber auch bis zu 15 Prozent mehr werden", erklärte Geschäftsführer Michael Franke. „Dem ersten Trend nach wird die PKV für Männer und Frauen also deutlich teurer als erhofft.“

Die Analysten von Franke und Bornberg hätten jeweils geschlechtsspezifische Altverträge und Unisex-Beiträge für das Jahr 2013 gegenübergestellt. Grund für die Teuerungen seien sich überlagernde Effekte. Die Faktoren: Unisex-Kalkulation, allgemeine Kostensteigerungen, Leistungsverbesserungen und ein niedrigerer Rechnungszins, mit dem die Altersrückstellungen verzinst werden.

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Hinhalten, Verschleiern, Zulangen: In der privaten Krankenversicherung ist der Kunde oft der Dumme. Er zahlt mehr, ohne es zu merken. Und wenn er die Prämie drücken möchte, blocken ihn die Versicherer auch noch ab.

Letzterer wird künftig bis zu einem Prozentpunkt niedriger sein als bei Altkunden. Dahinter steckt die Angst vor einer lang andauernden Niedrigzinsphase. Die Altersrückstellungen der aktuellen PKV-Kunden werden noch mit 3,5 Prozent verzinst. Doch bei niedrigen Zinsen wird es immer schwerer, dies zu erwirtschaften. Senkungen des Rechnungszinses haben bisher aber erst einzelne Gesellschaften wie Süddeutsche und Hallesche angekündigt. Es werde für 2013 auf breiter Front erwartet, erwarten die Experten aus Hannover.

„All dies lässt die Preise steigen“, sagte Franke. Richtig sei aber auch: Viele Versicherer nutzten die neuen Tarife zur Verbesserung ihrer Leistungskataloge. Damit würden sie Lücken zur gesetzlichen Krankenversicherung ausgleichen.

Tipps für preissensible PKV-Kunden

Nicht nur ans Geld denken

Die Motivation, Geld einzusparen, sollte bei der Entscheidung für eine private Krankenversicherung (PKV) nicht die Hauptrolle spielen.

Quelle: Franke & Bornberg

Auf die Leistungen achten

Wer sich neu für eine private Krankenversicherung entscheidet, sollte das unter dem Leistungsgesichtspunkt tun und dabei höchstens für einen zeitlich eng umrissenen Übergangszeitraum einen Einsteigertarif in Erwägung ziehen. 

Beratung schriftlich festhalten

Schildern Sie Ihrem Berater Ihre Anforderungen und Vorstellungen für die passende Krankenversicherung. Diese Vorstellungen und auch die Gründe, die gegebenenfalls für die Wahl eines Einsteigertarifes sprechen sollten Sie am besten schriftlich festhalten.

Auf Einschränkungen achten

Lassen Sie sich genau aufzeigen, mit welchen Leistungseinschränkungen gegenüber der GKV und den „normalen“ PKV-Tarifen Sie bei der Wahl des Einsteigertarifes rechnen müssen.

Wirkungen durchdringen

Lassen Sie sich an verschiedenen Beispielen erläutern, wie sich die Wahl eines Einsteigertarifes auswirkt, zum Beispiel bei einer schweren Erkrankung oder bei Zahnersatz-Behandlungen.

Alternativen beachten

Lassen Sie sich als Vergleichsmöglichkeit ein alternatives Angebot mit einem „echten“ PKV-Tarif machen.

Option wählen

Wenn Sie sich für einen Einsteiger-Tarif entscheiden: Wählen Sie nur einen Tarif, bei dem eine Option zur Umstellung auf einen „normalen“ PKV-Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich ist. Lassen Sie sich über die Modalitäten zur Umstellung und die möglichen Zeitpunkte umfassend aufklären.

Wechsel prüfen

Auch wenn eine Umstellung in einen höherwertigen Tarif zunächst teurer wird: Auf lange Sicht fahren Sie mir einem beitragsstabileren Tarif wesentlich besser und profitieren natürlich zusätzlich vom höheren Erstattungsniveau. Auch wenn Sie keine Wechseloption geltend machen können: Bitten Sie Ihren Versicherer, Ihnen ein Angebot für einen „echten PKV-Tarif“ zu erstellen.  

Neu aufgenommen in den Katalog mit Standardleistungen würden vor allem ambulante Psychotherapien mit bis 50 Sitzungen pro Kalenderjahr, offene Hilfsmittelkataloge und Suchtentwöhnungsbehandlungen. Auch Leistungen zur Hospizversorgung, Palliativmedizin und Haushaltshilfe würden vermehrt integriert. Die finanzielle Folge: Der Kunde soll mehr zahlen, weil er ja auch mehr Leistung erwarten darf.

Kommentare (8)

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Ichbinsdoch

15.12.2012, 19:32 Uhr

Was uns die EU alles für Vorteile bringt ist doch der helle Wahnsinn *räusper*

Kam eigentlich irgendwann einmal was positives aus Brüssel?

Johann-Loening

15.12.2012, 21:00 Uhr

Wann versteht die qualifizierte Wirtschaftspresse den PKV-Rechnungszins resp. die Altersrückstellungen ?

Ich fürchte nie !

Zum Verständnis: Für die Altersrückstellungen der PKV gibt es keine verbindliche Verrentungstabelle. Was bedeutet das ? Der PKV-Versicherte versteht unter der Altersrückstellung, dass sein Beitrag durch Entnahme dieser Rückstellungen ab dem Renteneintrittsalter (65) gemindert wird.

Das ist falsch !

Die Altersrückstellungen werden nach Ermessen des PKV Unternehmens eingesetzt. Die Kapitalentnahme setzt in der Regel etwa zwischen dem 73-75. Lebensjahr ein. Die Verteilung der Entnahme ist ebenso im Ermessen der PKV.

Ein tolles System, um an anderer Leute Geld zu kommen, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen.

Die Absendung des Rechnungszinses dient vor allem dazu den Futterkrippen-Füllstand der PKV zu sichern.

In den USA sind Altersrückstellungen in der PKV übrigens eine Unbekannte.

PKV2013

16.12.2012, 09:01 Uhr

Es kann doch wohl nicht sein, dass in einer Demokratie Versicherte bei der PKV bleiben müssen, obwohl dieses System nicht mehr zu retten ist, und die Versicherten unzufrieden sind, und immer mehr zahlen müssen.
Jetzt plötzlich bekennt sich die PKV zu ihren schlechteren Leistungen gegenüber der GKV, und nützt das ganze um die Tarife extrem zu erhöhen.
Ich als Versicherte will eine günstige Standardversicherung zu bezahlbaren Preisen, und wenn es meine finanziellen Mittel erlauben, und ich den Bedarf habe kann ich mir eine Private Zusatzversicherung hinzu kaufen. Ich denke es wäre an der Zeit, das eine Bürgerinitiative unzufriedener PKV Versicherter zumindestens eine Wahlmöglichkeit zur Versicherungsform GKV/PKV durchsetzen will.
Hätte die PKV einen Arsch in der Hose, würde sie sich aus einem Vollversicherungsystem Krankenkasse zurückziehen und unter ihren Versicherten eine Umfrage zum Wechsel in die GKV zulassen und anstreben. PKV bringt immer mehr Versicherte in Armut und die Bundesregierung schaut der Lobby zu. Es kann doch nicht sein, das keine Regierungspartei dieser PKV Preistreiberei unterbindet.
PKV regiert immer nur mit undefinierbaren Handlungen nachdem die Beschwerden zunehmen. Das geht schon Jahrelang so, und wird sich so nicht ändern.
Macht endlich ein Ende mit dieser Geldbeschaffungsnummer.

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