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07.06.2013

09:18 Uhr

Private Krankenversicherung

Zinstief treibt Prämien für Privatpatienten

ExklusivVielen PKV-Kunden drohen höhere Beiträge. Denn die privaten Krankenversicherer müssen auf die niedrigen Zinsen reagieren. Einer der ersten Fälle: Die Nummer fünf in der Branche, die Generali-Tochter Central.

Arzt und Patient: Wer privat versichert ist, kann sich eine Sonderbehandlung sichern. dpa

Arzt und Patient: Wer privat versichert ist, kann sich eine Sonderbehandlung sichern.

FrankfurtDer Kölner Krankenversicherer Central bekommt die Niedrigzinsphase zu spüren - und mit ihm seine knapp 420.000 privat versicherten Kunden: Wie eine Sprecherin dem Handelsblatt bestätigte, wird der Konzern den Rechnungszins für den kompletten Kundenbestand senken müssen.

Dieser Zinssatz ähnelt dem Garantiezins in der Lebensversicherung - allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Er kann verändert werden. Allerdings war dies in der privaten Krankenversicherung (PKV) mit ihren rund neun Millionen Privatpatienten bisher die Ausnahme.

Mit der Rendite aus dem kalkulierten Rechnungszins bauen die Gesellschaften Rückstellungen auf, insbesondere um Beitragserhöhungen für ältere Kunden später abzufedern. Wird der Rechnungszins abgesenkt, steigen in der Regel die Beiträge für die PKV-Kunden.  

Der PKV-Rechnungszins: Bedeutung, Entwicklung und Streit

Spekulationen

Im Zuge der Finanzkrise ist schon öfter über eine Absenkung des Rechnungszinses in der PKV spekuliert worden. Der Grund: Die privaten Krankenversicherer verzinsen ihre Altersrückstellungen mit 3,5 Prozent. Die Rendite für Bundesanleihen liegt deutlich darunter.

Das Prinzip der drei Säulen

Die Kapitaldeckung in der PKV ruht auf drei Säulen
- den Alterungsrückstellungen, die mit der Prämie gezahlt werden und die mit 3,5 Prozent verzinst werden;
- den Zinserträgen, die der Versicherer über die Mindestverzinsung hinaus am Kapitalmarkt erwirtschaftet und zum größten Teil den Kunden gutschreibt;
- einem zehnprozentigen Zuschlag, der separat angelegt wird und der Beitragssteigerungen im Alter abfedern soll.

Alterungsrückstellungen

Insgesamt haben die PKV-Versicherten inzwischen mehr als 170 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen angespart. Davon entfällt die Masse (mehr als 146 Milliarden Euro) auf die Krankenversicherung und der kleinere Teil (mehr als 24 Milliarden Euro) auf die Pflegeversicherung.

Überzins

In der PKV werden generell von allen über den Rechnungszins hinausgehenden Kapitalerträgen (Überzins) 90 Prozent den Versicherten gutgeschrieben. Zudem sind 80 Prozent des Rohüberschusses der Unternehmen der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zuzuführen.

Zuschlag

Seit Januar 2000 wird für Neukunden in der Privaten Krankenversicherung vom 22. bis zum 61. Lebensjahr ein sogenannter 10-Prozent-Zuschlag berechnet. § 12a Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) besagt: Die Zinserträge der Unternehmen, die über den jeweils geltenden Rechnungszins (überwiegend 3,5 Prozent) hinausgehen, kommen zu 90 Prozent den Versicherten zugute. Hiervon ist ein Teil für die über 65-jährigen Versicherten bestimmt. Dieses Geld ist innerhalb von drei Jahren zur Vermeidung oder Begrenzung von Prämienerhöhungen oder zur Prämienermäßigung zu verwenden, heißt es im Zahlenbericht des PKV-Verbandes.

Entwicklung des Rechnungszinses

Der Rechnungszins in der PKV ist seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesenkt worden. Damit bewiesen die Krankenversicherer eine größere Stabilität als die Lebensversicherer, deren Garantiezins zuletzt von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesenkt worden war, zeitweise aber auch schon bei vier Prozent lag.

2009

Die private Krankenversicherungsbranche hat im Jahr 2009 eine Nettoverzinsung von 4,27 Prozent erreicht. Die gut 40 Unternehmen lagen also deutlich über dem Rechnungszins von 3,5 Prozent.

2010

Die Alterungsrückstellungen für die Versicherten erhöhten sich bis Ende 2010 um 8,7 Prozent auf gut 158 Milliarden Euro. Mit einer Nettoverzinsung von 4,23 Prozent habe die Branche den Rechnungszins von 3,5 Prozent sicher bedient, erklärte der Verband.

2011

In den Unterlagen des PKV-Verbandes finden sich keine Angaben darüber, wie sich der Rechnungszins im Jahre 2011 entwickelt hat. Die FTD berichtete: Die Branche habe zurzeit keine Probleme, die 3,5 Prozent zu verdienen, wie PKV-Verbandsvorsitzender Reinhold Schulte sagt. Er ist auch Vorstandschef der Signal Iduna. 2011 seien es im Schnitt rund vier Prozent gewesen.

Widerstand der PKV

Im Oktober 2010 erklärte der PKV-Verband: „Es gibt keine Überlegungen des PKV-Verbandes, den in der Kalkulationsverordnung festgelegten Höchstrechnungszins zu senken. Wir haben auch keinerlei Hinweise, dass die dafür zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) etwa beabsichtigen würde, den Rechnungszins in der Kalkulationsverordnung abzusenken.

Vorstoß der Allianz

Die Allianz Private Krankenversicherung plädierte 2011 nach einem Bericht der Ärzte Zeitung für eine allgemeine Absenkung des Rechnungszinses in der privaten Krankenversicherung (PKV). Das liege im Interesse der Kunden und deshalb der gesamten Branche, sagte Vorstand Christian Molt bei der Fachkreistagung Krankenversicherung der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte in Köln. "Eine moderate Absenkung des Rechnungszinses wäre sinnvoll. Wir sollten diesen Weg in der Branche gehen."

Erste Senkungsrunde

Der Rechnungszins für die Alterungsrückstellungen, der seit Jahren bei 3,5 Prozent liegt, ist von vielen Anbietern gesenkt worden, aber nur für neue Verträge. Ab 2014 sind auch Altkunden betroffen.

Derzeit liegt der Wert für die alten Central-Kunden bei 3,5 Prozent – genauso wie bei den meisten anderen privaten Krankenversicherern. Für Neukunden ab 2013 haben dagegen die meisten der 48 PKV-Anbieter ihren Rechnungszins schon gesenkt - meist deutlich auf 2,75 Prozent. Damit werden Neukunden nicht noch einmal extra zur Kasse gebeten.

Wie stark der Rechnungszins nun für die Altkunden der Central sinken werde, stehe noch nicht fest, sagte die Sprecherin. „Wir werden ihn geringfügig anpassen.“ Das Problem dabei: Falls die Zinsen niedrig bleiben und die Kapitalerträge des Versicherers weiter sinken, drohen damit weitere Absenkungen in den nächsten Jahren - und folglich auch Beitragssteigerungen.

Der Vorteil der Central-Strategie: Nicht alle Central-Kunden müssten im Moment mit Teuerungen rechnen, sagte die Sprecherin. Die Central ist mit rund fünf Prozent Marktanteil sechstgrößter Anbieter von privaten Krankenversicherungen in Deutschland.

Kommentare (6)

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der_Mahner

07.06.2013, 10:23 Uhr

Ein weiteres absehbares und erwartetes Beispiel wie der Eurowahnsinn, neben der Enteignung der Sparer, der enorm gestiegenen inoffiziellen Inflation für die Grundbedürfnisse (Wohnen, Energie, Mobilität, Gesundheit) die Bürger in existenzielle Bedrängnis bringt.
Eine Bürgerversicherung oder wie auch immer dieses Kind heissen wird rückt somit immer näher. Die Mrd. Rückstellung der PKV in greifbarer Nähe. Verfassungsrechtlich geschütz ist in der BRD ja längst nichts mehr. Nur leider wird auch die Bürgerversicherung keineswegs günstiger werden.

Account gelöscht!

07.06.2013, 10:57 Uhr

Von den Niedrigzinsen sind nicht nur die PKV, sondern auch die anderen Versicherungsträger, wie gesetzliche Kassen, Rentenversicherung usw. mit ihren Rücklagen betroffen. In der Tat, es wird eine Menge Geld verbrannt!

PKVWahl

10.06.2013, 10:12 Uhr

Was nun PKV?????
Ende der PKV, bitte Versicherte vom Vertrag entbinden!!!!!

"In Zeiten hoher Kapitalmarktzinsen erzielten die Unternehmen deutlich höhere Erträge, was auch den Versicherten zugute kam"

Was kommt nun auf die Versicherten zu.
Bei aller positiven Betrachtung der PKV, kann diese Versicherungsform nur noch von besonders Finanzkräftigen oder hoch bezuschussten Versicherten bezahlt werden.
Zumindestens muss die PKV und der Gesetzgeber den PKV Versicherten eine alternative ermöglichen. Bürgerversicherung sollte von allen angeboten werden.
PKV kann mit dem jetzigen Geschäftsmodell eigentlich nur Zusatzversicherungen anbieten.

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