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26.06.2012

09:38 Uhr

Private Rente

Was bei der Riester-Rente schief läuft

VonThomas Schmitt

Zu hohe Gebühren, zu wenig Rendite, zu undurchsichtige Produkte – die Politik ist sich in ihrer Kritik an der Riester-Rente überraschend einig. Vor allem die Versicherer sind unter Beschuss. Was auf die Kunden zukommt.

Der Erfinder der Riester-Rente: Bundesarbeitsminister Walter Riester im Jahre 2001. Auf der Duesseldorfer Fachmesse für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit setzt er sich eine Arbeitsschutz-Sonnenbrille auf. ap

Der Erfinder der Riester-Rente: Bundesarbeitsminister Walter Riester im Jahre 2001. Auf der Duesseldorfer Fachmesse für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit setzt er sich eine Arbeitsschutz-Sonnenbrille auf.

DüsseldorfWenn Walter Riester gewusst hätte, was er mit der nach ihm benannten, staatlich geförderten Rente anrichtet, er hätte es womöglich bleiben gelassen. Eigentlich hatte sich der ehemalige Arbeitsminister eine Anlageform ausdenken wollen, mit der die Deutschen einfach und effektiv für die Rente sparen sollten. Eigentlich. Herausgekommen sind dabei unzählige Rentenprodukte, von denen die Sparer zumeist weniger profitieren als die Fondsgesellschaften, Versicherer oder die Banken, die diese Produkte anbieten. Zu hohe Gebühren, zu wenig Rendite, kritisieren die Verbraucherschützer.

Die Politiker sind alarmiert. Sie wollen etwas tun gegen den Riester-Wildwuchs.

Überblick: Die Kritik an der Riester-Rente

Anlass

Zehn Jahre ist die staatlich geförderte private Altersvorsorge nun auf dem Markt. Verbraucherschützer und Politiker nahmen dies zum Anlass, die Bilanz der Riester-Rente kritisch zu hinterfragen.

Effizienz

Viele Bundesbürger, deren gesetzliche Altersrente vermutlich zu knapp sein wird, nutzen die Riester-Rente bisher nicht.

Rendite

Wie stark sich die Riester-Rente lohnt, ist umstritten. Befürworter und Gegner verweisen auf jeweils unterschiedliche Modellrechnungen. Letztlich ist dieser Streit nicht zu entscheiden, da es bisher nur wenige Riester-Rentner gibt. Die Rendite hängt zudem stark davon ab, welche Variante der Riester-Rente und welcher Anbieter gewählt wird.

Kosten

Insbesondere bei Versicherungsverträgen fallen Vermittlungskosten an. Diese werden von Verbraucherschützern und manchen Politikern als zu hoch kritisiert. Je höher die Kosten sind, um so mehr schmälert das die Rendite des Vertrags.

Provisionen

Der Verkauf über Provisionen beinhaltet nach Ansicht von Verbraucherschützern die Gefahr, dass die Kunden nicht optimal beraten werden und der Vermittler am Ende zu einem Produkt rät, durch das er selbst am meisten verdient.

Transparenz

Viele Anbieter von Riester-Produkten haben wenig Interesse, ihre Daten offen zu legen. Dies zeigte sich zum Beispiel bei einer Studie des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA).

Förderung

Die Förderung ist derzeit statisch. Sie sollte im Laufe der Zeit an die wirtschaftliche Entwicklung angepasst werden, also dynamisiert werden.

Komplexität

Viele Sparer durchschauen die Regeln der Riester-Rente nicht. Der bürokratische Aufwand ist hoch.

Wettbewerb

Die Konkurrenz unter den Anbietern ist nicht besonders ausgeprägt. Die Regierung wünscht sich mehr Wettbewerb, um auf diese Weise die Produktqualität zu verbessern.

Zusatzschutz

Mit der Riester-Rente kann man auch eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit abschließen. Der Nachteil aus Sicht von „Finanztest“: Die Altersrente fällt später geringer aus, die Berufsunfähigkeitsrente wäre voll steuerpflichtig. Von einer Berufsunfähigkeitsrente aus einem Vertrag ohne Riester-Förderung wäre dagegen nur ein kleiner Teil steuerpflichtig: der Ertragsanteil.

Kontrolle

Der Markt für Riester-Renten wird bisher nicht sehr scharf kontrolliert. Das könnte sich durch neue Kompetenzen für die Finanzaufsicht Bafin künftig ändern.

Zwar stellt das Arbeitsministerium zehn Jahre nach der Einführung der Förderrente fest, dass es einen ausgewachsenen, dynamischen Markt für Riester-Produkte gebe. Allerdings, und dann kommt die Einschränkung, gäbe es neben vielen guten und seriösen auch schlechte, kundenunfreundliche, "kaum durchschaubare Angebote.“ Die Bundesregierung plane deshalb neue Regeln, die die Riester-Rente transparenter und verbraucherfreundlicher machen soll.

Deutlich direkter ist da die Opposition. Die Linken haben erst kürzlich eine Grundsatz-Debatte im Bundestag ausgelöst. Ihr Zorn richtet sich vor allem gegen die Versicherer. "Um den einmal erreichten Lebensstandard auch im Alter halten zu können, sollten die Menschen fortan privat vorsorgen, beschloss Rot-Grün. Heute wissen wir, wer die Gewinnerin ist. Es ist die Versicherungswirtschaft“, sagt der Linken-Abgeordnete Matthias Birkwald.

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Die staatlichen Subventionen in Milliardenhöhe flössen ganz zuverlässig in die Taschen der Versicherungsunternehmen. Aber was komme davon bei den Sparerinnen und Sparern an? Was trage die Riester-Rente dazu bei, den Lebensstandard zu sichern? Was trage die Riester-Rente dazu bei, im Alter ein Leben frei von Armut führen zu können? Auf diese wichtigen Fragen gebe es von der Bundesregierung bisher kaum brauchbare Antworten. Das müsse sich ändern, fordern die Linken.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

26.06.2012, 10:12 Uhr

Ich erinnere mich noch an ein TV-Interview mit diesem Typen, zu der Frage, wie man mit diesen Micker-Renditen auf lange Sicht die Inflation schlagen solle, tat er ganz erstaunt und meinte "Na, der Zinseszins". Wir sollten durch den Zinseszins alle im Alter reich werden und eine gute Rente bekommen, aha.
Wie man sieht, funktioniert das mit der ewigen Aufschuldung selbst bei Fiat-Geld nicht.
Ich hoffe für Riester, er hat selbst keine Riester-Rente.

MikeM

26.06.2012, 10:19 Uhr

Jeder, der diesem Mist abgeschlossen hat, verdient es nicht besser. V.a. für Männer absolut uninteressant! Die beste Vorsorge ist es, das ersparte Geld (z.B. in Form von Gold) vor dem staatlichen Zugriff zu schützen und im Alter auf Stütze zu leben.

Account gelöscht!

26.06.2012, 10:34 Uhr

Die Kosten sind zu hoch? Ja gut, wer bei einer seiner Bank um die Ecke oder Versicherung um die Ecke das macht ist selber schuld. Das muss schon eine Direktversicherung oder Onlinebank sein bei der man hier abschließt.

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