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06.01.2014

16:05 Uhr

Privatpatienten

Vorsicht, neue Provisionsjäger in der PKV!

VonThomas Schmitt

Die Beiträge in der Privaten Krankenversicherung (PKV) steigen. Für clevere Verkäufer ist das wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Denn unzufriedene Kunden lassen sich leichter zum Wechsel verführen. Und zahlen dann drauf.

DüsseldorfAlle Jahre wieder steigen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung. Die neun Millionen Privatpatienten sind davon allerdings sehr unterschiedlich betroffen. Manche zahlen nur ein paar Euro mehr, einige Neukunden kommen sogar im nächsten Jahr günstiger weg. Andere werden dagegen kräftig zur Kasse gebeten.

Wer die Geprellten mit satten Einsparungen im Jahr lockt, hat gute Chancen, schnell Geld zu verdienen. Verkaufsorientierte PKV-Vermittler sowie eine neue Gruppe cleverer Makler und Berater haben sich daher genau auf diese PKV-Verlierer spezialisiert: Privatpatienten, deren Beiträge zuletzt stark gestiegen sind und die deutlich weniger für die Krankenversicherung ausgeben wollen.

„Viele unseriöse Berater nutzen diese Situation leider oftmals zu ihren Gunsten schamlos aus“, warnt etwa Gerd Güssler, Geschäftsführer der Freiburger KVpro.de GmbH. Viele Verkäufer raten so Jahr für Jahr direkt zum Versichererwechsel, weil dies hohe Provisionen für sie garantiert. Die extrem hohe Zahl brancheninterner Wechsler bestätigt dies.

PKV: Tipps für einen Wechsel der Versicherung

Tarifwechsel

Privatpatienten sollten bei einem Tarifwechsel auf einige Dinge besonders achten. Der Branchenspezialist KVpro.de GmbH stellt neun Punkte besonders heraus.
Quelle: KVpro.de GmbH

Police

Der seriöse, qualifizierte Berater oder Makler läuft nicht einfach los, sondern informiert sich zunächst und lässt sich dafür die Unterlagen des bestehenden Versicherungstarifs geben, also die Versicherungspolice.

Alterungsrückstellungen

Ein guter Berater wird mit dem Kunden darüber sprechen, wie lange er schon in diesem Tarif versichert ist. Denn in diesem Zusammenhang sollte er über das Thema „Altersrückstellungen“ und die damit verbundenen Rechte informieren.

Erfahrungen

Der Berater sollte mit dem Kunden über seine Wünsche und Erwartungen an die Krankenversicherung reden und dabei die bisher gemachten Erfahrungen mit dem aktuellen Versicherungstarif analysieren. Er wird Fragen zur aktuellen gesundheitlichen, familiären und finanziellen Situation stellen.

Bedürfnisse

Besprochen werden sollte auch ausführlich, inwiefern der bestehende Versicherungstarif den Bedürfnissen des Kunden entspricht. Dabei sollte der Berater nicht nur darauf eingehen, welche Leistungen versichert sind, sondern auch feststellen, „Von was wie viel“ der Kunden versichert hat. Das ist besonders wichtig, weil es hier um das Erstattungsniveau geht. Das heißt, welche Kostenrisiken momentan eingegangen werden. Und ob Risikozuschläge berechtigt sind.

Prämie

Ein seriöser Berater wird seine Kunden nicht mit Billigtarifen locken, sondern aufklären, dass grundsätzlich ein adäquater und jederzeit ergänzender Versicherungsschutz bei einem Monatsbeitrag ab ca. 400 Euro beginnt. Angebote darunter sind in der Regel nur für Personen geeignet, die finanziell in der Lage sind, große Teile ihrer Krankheitskosten selbst zu tragen.

Empfehlung

Auf Basis dieser Informationen wird der gut arbeitende Berater eine Empfehlung aussprechen, ob es sinnvoll ist, den bestehenden Versicherungsschutz so zu belassen, einen Tarifwechsel innerhalb des Versicherers durchzuführen oder den Versicherer ganz zu wechseln.

Begründung

Bei einer Wechselempfehlung sollte er genau aufzeigen, worin sich der künftige Versicherungsschutz von dem bestehenden unterscheidet, zum Beispiel durch ein höheres oder niedrigeres Erstattungsniveau. Oder den Gewinn oder Verlust bei einem „Stallwechsel“, also einem Wechsel des Versicherers. Er sollte zusammen mit dem Kunden einen tragfähigen Kompromiss erarbeiten, der den Kunden finanziell nicht überfordert.

Einsicht

Kunden sollten beachten: Besseren oder gleichen Schutz für weniger Geld gibt es in der Regel nicht oder jedenfalls nicht dauerhaft.

Dokumentation

Der Berater wird ausführlich dokumentieren, was er geändert hat. So wie es die Vorschriften des VVG vorsehen. Wünsche und Bedürfnisse des Kunden sind dabei verbunden mit seinem Rat und seiner Empfehlung sowie der Entscheidung des Kunden dokumentiert. Der Berater sollte den Kunden nicht auffordern, auf die Dokumentation schriftlich zu verzichten.

Daneben etabliert sich eine zweite Sparvariante: der Tarifwechsel innerhalb des einmal gewählten Versicherers. Für Verkäufer, die das schnelle Geld suchen, ist das kein Geschäft. Hier agieren eher jene, die mal gerne mit dem Versicherer streiten. Auch ihre Einnahmen können fürstlich sein. Schließlich bemisst sich das Honorar häufig an der Ersparnis, die sie für ihre Kunden herausholen.

Der Haken dabei: Größtmögliche Einsparungen sind im einen wie im anderen Fall oft nicht die optimale Lösung. Denn häufig sei damit verbunden, dass die einbezahlten Prämien oder Altersrückstellungen sowie wertvolle erworbene Rechte für immer verloren seien, warnt Güssler. Zudem bleibt so gut wie immer unklar, wie lange die neue Prämie günstig sein wird.

Wie sollen sich unzufriedene Privatpatienten nun verhalten? Branchenexperten halten dafür eine Reihe von Ratschlägen bereit. Dazu gehört vor allem: Versicherte müssen den richtigen Berater finden – einen, der in ihrem Interesse handelt. Dabei sollten sie auch lernen, gut klingende Offerten erst einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Dazu einige Beispiele, die als Warnung dienen können.

Kommentare (16)

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PKV-Geschaedigter

06.01.2014, 17:30 Uhr

Am besten ist es, wenn man gar nicht erst in die PKV wechselt. Dann muß man keine Angst vor übermäßigen Beitragserhöhungen haben, die Kinder sind kostenlos mitversichert und wenn man den Job verliert oder in Rente geht zahlt man niedrigere Krankenversicherungsbeiträge. Die PKV mag zeitweise günstiger sein, die GKV ist aber wegen der einkommensabhängigen Beiträge flexibler und über die Lebenszeit gerechnet günstiger. Außerdem hat der privat Versicherte keine Lobby. Ich rate von einem Wechsel in die PKV dringend ab.

muunoy

06.01.2014, 17:54 Uhr

Leichter gesagt, als getan. Als Selbständiger bin ich in der PKV. Auch ich bekam dann irgendwann exorbitant hohe Beitragssteigerungen. Glücklicherweise bin ich sehr gesund und verdiene sehr gut. Anders ausgedrückt, ich kann mich wehren. Im staatlich regulierten Gesundheitssystem vertraue ich nämlich gar keinem Leistungsanbieter mehr. Ich traue keinen Ärzten, keinen Apothekern, keinen Krankenhäusern und schon gar nicht den Versicherungen mehr. Dieses ganze System ist nur darauf angelegt, möglichst viel Geld aus unmündigen Kunden raus zu pressen. Ja, es gibt seriöse Ärzte. Aber danach muss man lange suchen.(...)
Daher hier mein Tipp für alle, die sich von ihrer Krankenversicherung über den Tisch gezogen fühlen: Ich konnte meine exorbitanten Beiträge auf die liebe Art auch nicht senken. Da wird man dann nur für dumm verkauft. So komplexe Preismodelle wie in der Krankenversicherungswirtschaft macht man ja absichtlich, um die Kunden zu täuschen. Was wirklich bei mir half: Androhung des Zahlungsstopps und schließlich auch Stopp der Prämienzahlungen bis ein ordentliches Gegenangebot vorlag. Einfach nicht mehr zahlen hilft meistens.
Würden unsere Volksvertreter das Volk vertreten, so würden sie einfach so etwas wie Marktwirtschaft im Gesundheitswesen einführen. Wie bei meiner KFz-Versicherung würde ich gerne jährlich die Versicherung wechseln können und dabei natürlich die Altersrückstellungen mit nehmen oder ausgezahlt bekommen. Aber an Marktwirtschaft im Gesundheitswesen hätten ja nur die Kunden Interesse. Und die haben im Gesundheitswesen halt nichts zu melden. Daher bleibt ihnen nur, selbst marktwirtschaftliches Verhalten an den Tag zu legen. Medikamente und viele andere medizinische Leistungen kauft man ja schließlich wenn möglich auch im Ausland.
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

exPKVversicherter

06.01.2014, 18:26 Uhr

Bei nur mindestens 180.000.000.000 Euro (180Mrd.) auf der hohen Kante muss die PKV doch die Beiträge erhöhen!
Es wird allerhöchste Zeit für die Bürgerversicherung, in die dann diese Anhäufungen einfließen. Dort kann sich JEDER dann seine passenden Module dazukaufen oder es lassen.

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