Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2012

10:59 Uhr

Pro und Contra

Die Wahrheit über Lebensversicherungen

VonThomas Schmitt

Die Allianz trommelt für den Verkaufsschlager der Versicherungswirtschaft. Doch was der Branchenführer als Vorurteil betrachtet, spiegelt für die Kritiker oft nur die bittere Realität im Tarifdschungel wider.

Viele Kunden kündigen ihre Lebensversicherung vorzeitig. Das rechnet sich meist nicht. dpa

Viele Kunden kündigen ihre Lebensversicherung vorzeitig. Das rechnet sich meist nicht.

DüsseldorfDie nächste Runde im Kampf um die Meinungshoheit beim Thema Altersvorsorge ist eröffnet. „Trotz aller Bemühungen, wie zum Beispiel der Transparenzinitiative von Allianz Leben, ist es in der Branche noch nicht ausreichend gelungen, ihren Stellenwert für die Altersvorsorge in der öffentlichen Debatte zu erhöhen“, kritisiert der Chef des Branchenführers, Maximilian Zimmerer, in einem Beitrag für das Fachblatt „Versicherungswirtschaft“ seine Kollegen in rund 100 deutschen Unternehmen. Immer noch gelte vielen Berichterstattern die Lebensversicherung als ebenso unflexibel wie unverständlich.

An diesem Stimmungsbild will nun auch der Branchenführer selbst etwas ändern. „Viele Vorurteile gegenüber der Lebensversicherung“ hat die Allianz entdeckt. Zehn Aussagen versucht der Versicherer in einer aktuellen Pressemitteilung zu widerlegen. Die Aktion knüpft nahtlos an die Debatten des vergangenen Jahres an, als Versicherer und Verbraucherschützer insbesondere über die staatlich geförderte Riester-Rente erbittert öffentlich stritten.

Die zehn größten Versicherer Europas

Allianz

Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

Axa

Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

Generali

Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

Aviva

Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

Zurich Financial

Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

Munich Re

Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

CNP

Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

Credit Agricole

Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

ING

Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

Prudential

Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Dass die Aktion gerade jetzt kommt, ist kein Zufall. Denn die Beitragseinnahmen der deutschen Lebensversicherer „sind rückläufig“, wie der Allianz-Chef einräumt. Insbesondere das eher kurzfristige Spargeschäft mit großen Summen, den Einmalbeiträgen, ist 2011 deutlich zurückgegangen. Auch die Senkung des Garantiezinses von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent in neuen Verträgen werde „den Vertrieben das Leben nicht leichter machen“, stellt Zimmerer fest. Von seinen Kollegen fordert er daher, das eigene Produkt „verständlicher“ zu machen. „Dieses Thema sollte die Lebensversicherungsbranche unbedingt weiter vorantreiben“, fordert Zimmerer. Der Manager wird ab Juni im Allianz-Konzern als Nachfolger von Paul Achleitner das Finanzressort leiten und damit die gesamten Kapitalanlagen des Konzerns verantworten. 

Der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, hat die von der Allianz gesammelten Aussagen für das Handelsblatt ebenfalls unter die Lupe genommen. Sein Ergebnis: Viele dieser sogenannten Vorurteile seien gar keine Fehlbewertungen von Kunden, sondern schlicht nicht wegzudiskutieren. Ein Pro und Contra zu den insgesamt zehn Zitaten:

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Werbebeitrag

04.01.2012, 11:54 Uhr

Die Allianz schafft es ja noch nicht einmal bei einer Direktversicherung transparente Abschlusskosten zu vereinbaren! Diese Versicherung lebt nur noch von ihrem Ruf. Und langsam ist es für die Herren in ihren Glaspalästen oder Puffs offensichtlich - auch ein legalisiertes Schneeballsystem wird früher oder später zusammenbrechen.
Und da nun auch der Bild-Zeitungsleser über die Fragwürdigkeit der Vermögens- und Altersvorsorge mit Versicherungsprodukten aufgeklärt wurde, fragt man sich zu Recht wem denn nun überhaupt noch solche Versicherungsprodukte angedreht werden können.
Der Ruf nach dem Gesetzgeber wird wieder lauter - Pflichtversicherung für alle Bürger !!!

WalterMaier

04.01.2012, 11:54 Uhr

Das hauptsächliche Manko an Kapitallebensversicherungen wird hier gar nicht erwähnt!? Nicht vorübergehend niedrige Marktzinsen sind der eigentliche Renditekiller, sondern die horrenden Provisionskosten, welche die geleisteten Beiträge die ersten Jahre fast komplett auffressen. Ich habe schon Policen (mit KLV-Check) gesehen, bei denen die Renditekurve erst nach der halben Laufzeit ins Plus dreht.
Daher zum Mitschreiben: KAPITALLEBENSVERSICHERUNGEN MACHEN VERSICHERUNGEN UND DEREN MAKLER UND AKTIONÄRE REICH, ABER DEREN KUNDEN ARM!

Ruhestandsplaner

04.01.2012, 12:47 Uhr

Sie sollten alle Aussagen noch einmal auf die jeweiligen Bedingungswerke, laufende Sozial-Gerichtsverfahren und steuerliche Betrachtungen überarbeiten.
Dieser Beitrag ist äußerst dünn und vermittelt nur Halbwahrheiten. Für ein Finanzblatt wünsch ich mir bessere juristische und finanz-mathematische Recherchen. Dann würden Sie der Wahrheit näher kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×