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24.06.2013

14:30 Uhr

Probleme für Alterssicherung

Garantiezins für Lebensversicherungen könnte sinken

Anlageexperten der Versicherungsbranche stellen den Garantiezins für Lebensversicherungen in Frage. In alten Verträgen beträgt dieser bis zu vier Prozent, aktuell liegt der Referenzzins der Branche bei 1,75 Prozent.

Über viele Jahrzehnte war die Lebensversicherung das erfolgreichste Versicherungsprodukt in Deutschland. dpa

Über viele Jahrzehnte war die Lebensversicherung das erfolgreichste Versicherungsprodukt in Deutschland.

Düsseldorf/MünchenDer Garantiezins für neu abgeschlossene Lebensversicherungen könnte nach Einschätzung eines Experten weiter sinken. Der Blick in andere Länder zeige, dass die derzeit garantierte Verzinsung von 1,75 Prozent nochmals reduziert werden könnte. Das sagte der Anlagechef der R+V Versicherung, Uwe Siegmund, am Montag auf der Handelsblatt-Tagung „Kapitalanlagestrategien für Versicherungen und andere institutionelle Investoren“ in München.

Seit 1990 wurde der Garantiezins für Lebensversicherungen in Deutschland bereits mehrmals gesenkt. Er liegt seit Januar 2012 beim Tiefstwert von 1,75 Prozent. „Es ist klar, dass das nicht das Ende sein muss“, sagte Siegmund.

Die Lebensversicherer leiden zunehmend unter dem starken Zinsrückgang am Kapitalmarkt. Die historisch niedrigen Zinsen am Markt für sichere Bundesanleihen bringen bei einer Laufzeit von 10 Jahren derzeit nur eine Rendite von rund 1,7 Prozent. Je länger die Zinsen so niedrig bleiben, um so mehr Probleme bekommen die Versicherer, weil sie mindestens den Garantiezins für ihre Kunden am Kapitalmarkt erwirtschaften müssen.
Neue gesetzliche Regelungen, wie verschärfte Solvabilitätsvorschriften, setzen die Lebensversicherer zunehmend unter Druck. Die rückläufigen Neuvertragsabschlüsse und steigenden gesetzlichen Anforderungen zwingen die Versicherer dazu, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und die Kosten nachhaltig zu senken, stellen die Versicherungsexperten der Beratungsgesellschaft Bain & Company fest.

Über viele Jahrzehnte war die Lebensversicherung dagegen das erfolgreichste Versicherungsprodukt in Deutschland. Sie trotzte dem Aktienboom der späten 90er Jahre und wuchs auch, als die Ertragsteuerbefreiung auslief. Die Branche profitierte von so mancher Wirtschaftskrise, weil ihr Hauptprodukt seit jeher als eine sichere und zugleich ertragsstarke Anlageform galt. Ihre letzte Boomphase erlebte sie zu Beginn der Finanzkrise als Einmalbeitrags-Police, in der Anleger ihre Ersparnisse einlagern konnten, um damit steuerfreie und sichere Erträge zu erzielen.

Der Garantiezins in der Lebensversicherung wird von der Bundesregierung festgelegt. Er betrifft ab einem bestimmten Zeitpunkt immer nur neue Verträge. Für alte Lebensversicherungen haben die Anbieter zum Teil Garantiezinsen bis zu vier Prozent versprochen. Manchen Versicherer fällt es bereits schwer, diese zu erwirtschaften und die Verträge entsprechend zu bedienen.

Kommentare (9)

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Harald

24.06.2013, 14:44 Uhr

Na so eine Überraschung! Ich glaube das haben wir schon vor 2 Jahren orakelt. Damals hat man dies als Verschwörungstheorie abgetan :-)

Account gelöscht!

24.06.2013, 14:45 Uhr

Falsch: " ... Könnte sinken...."
Richtig: ".... wird sinken ...."

Falsch: " .. 1,75 % ..."
Richtig: "... 1,75 % ohne Verwaltungskostenanteil...."

Account gelöscht!

24.06.2013, 14:52 Uhr

"Manchen Versicherer fällt es bereits schwer, diese zu erwirtschaften und die Verträge entsprechend zu bedienen"

Frechheit! Verträge sind einzuhalten! Dann müssen die Versicherer eben mal ein paar von ihren Assets versilbern. Von der 4%igen Scheinverzinsung geht schon mehr als die Hälfte für Gebühren und Provisionen drauf.

Und wegen der verbleibenden 2% auf Jahrzehnte festgeschriebenes Geld wird jetzt gejammert? Ich glaub, mein Schwein pfeifft!

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