Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2004

16:53 Uhr

Protestwelle gegen höhere Kassenbeiträge

Auch die Politik lässt Betriebsrentner im Stich

VonHeinz Schmitz

Die betriebliche Altersvorsorge gerät unter Druck: Einerseits laufen den Unternehmen die Kosten für die Renten davon, andererseits höhlt die Bundesregierung sie durch höhere Beiträge zur Krankenkasse aus. Die Arbeitnehmer müssen immer mehr privat vorsorgen.

HANDELSBLATT, 8.1.2004 BERLIN. Der betrieblichen Altersversorgung, die seit der Riester-Reform 2002 einen Aufschwung erlebt hatte, bläst seit Jahresanfang ein eisiger Wind entgegen. Unternehmen kündigen oder kürzen ihre betriebliche Altersversorgung. Gleichzeitig höhlt die Regierung - mit Zustimmung der Union - die Betriebsrenten und vor allem Kapitalversicherungen durch drastisch erhöhte Krankenkassenbeiträge aus. Betroffene empfinden es schon jetzt als Verhöhnung, wenn Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) unverdrossen "eine Renaissance der betrieblichen Altersvorsorge" feiert.

Mit der Renaissance, die Schmidts Vorgänger Walter Riester (SPD) durch massive Anreize für die Umwandlung von Lohn- und Gehaltsteilen in Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge einleitete, könnte es nämlich bald vorbei sein. Durch die steuer- und sozialbeitragsfreie Entgeltumwandlung wurde 2002 ein Trend umgekehrt, der durch das Betriebsrentengesetz von 1976 ausgelöst wurde. Um durch das Gesetz ausgelöste unkalkulierbare Entwicklungen ihrer Versorgungszusagen zu umgehen, hatten viele Unternehmen betriebliche Versorgungsregelungen aufgegeben oder auf Beitrags- statt auf Rentenzusagen umgestellt. Basierte in der Vergangenheit die Betriebsrente in der Regel auf einer einseitigen Zusage des Arbeitgebers, so werden jetzt Betriebsrentenzusagen immer öfter durch Lohnverzicht des Arbeitnehmers finanziert. Durch die Riester- Reform wurde dieser Trend deutlich verstärkt. Immerhin stieg so der Anteil der Arbeitnehmer mit Betriebsrentenansprüchen nach einer Infratest-Untersuchung seit 2001 von 38 auf heute 43 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×