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26.11.2013

14:46 Uhr

Ratingagentur

Überschüsse in der Lebensversicherung sinken

Das historische Zinstief macht den Lebensversicherern zu schaffen. Das werden die Kunden im kommenden Jahr zu spüren bekommen, meint die Ratingagentur Standard & Poor's. Nicht das einzige Problem für Kunden.

Die Ratingagentur Standard & Poor's erwartet eine in der Schaden- und Unfallversicherung steigende Prämien. dpa

Die Ratingagentur Standard & Poor's erwartet eine in der Schaden- und Unfallversicherung steigende Prämien.

FrankfurtAnleger mit Lebensversicherungen müssen sich nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) auch 2014 auf sinkende Überschüsse einstellen. „Wir gehen davon aus, dass die Gewinnbeteiligung weiter reduziert wird“, sagte S&P-Analyst Christian Badorff am Dienstag in Frankfurt. In der Schaden- und Unfallversicherung müssten sich die Verbraucher zudem auf steigende Prämien einstellen. S&P erwartet eine Anhebung von durchschnittlich zwei bis drei Prozent.

Ob die Kürzung der Überschussbeteiligung bei Lebensversicherungen für das kommende Jahr genauso heftig ausfällt wie für 2013, sei noch unklar, sagte Badorff. Für dieses Jahr hatten die meisten Lebensversicherer die Gewinnbeteiligung deutlich zusammengestrichen. Die laufende Verzinsung aus Garantiezins und laufendem Überschuss fiel deutlich unter die Marke von vier Prozent und bewegt sich nun in Richtung drei Prozent.

Lebensversicherungen: So viel erhalten die Kunden 2013

Worum es geht

Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Beschlossen ist jetzt, den Garantiezins ab 2015 auf 1,25 Prozent zu senken.

Was die Versicherer gerne nennen

Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der gerade ausläuft. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält – weil er bis zum Ende durchgehalten hat.

Branchenschnitt

Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2014 weiter sinkt – im Schnitt von knapp vier Prozent im Jahre 2012 auf nun 3,4 bis 3,5 Prozent im Jahre 2014.

Langfristiger Trend

Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.

Der Branchenführer

Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent im Jahre 2012 auf 3,6 Prozent für die Jahre 2013 und 2014.

Ein großer Konkurrent

Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).

Die Besten

Sehr hohe Überschussbeteiligungen zwischen 4,05 und 3,6 Prozent weisen diese Gesellschaften aus: My Life, Ideal, Cosmos Direkt, Volkswohl Bund, Direkte Leben Stuttgarter, die Bayerische, Debeka und die Stuttgarter Leben.

Die Schlechten

Viele Lebensversicherer schaffen nur noch eine Überschussbeteiligung von drei Prozent. Dazu zählen 2014: Versicherungskammer Bayern, Swiss Life, HDI Gerling, Victoria und Zurich. Effektiv liegt die Zinsgutschrift damit deutlich unter der Marke.

Zwei Topanbieter

Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.

Die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten machen es den Assekuranzen immer schwerer, die einst in Aussicht gestellten Überschüsse für ihre Kunden zu erwirtschaften. Der Niedrigzins bleibe der wesentliche Risikofaktor für deutsche Lebensversicherer, erklärte S&P.

Lebensversicherer investieren ihr Geld vor allem in festverzinsliche Wertpapiere. Etwa 90 Prozent der Kapitalanlagen entfallen auf Pfandbriefe, Staatsanleihen, Unternehmensdarlehen oder andere Rentenpapiere. Seit der Euro-Schuldenkrise werfen als sicher geltende Papiere - wie beispielsweise Bundesanleihen - kaum noch etwas ab.

Am Montag hatte der Versicherer Alte Leipziger allerdings überraschend bekanntgegeben, dass er die Überschussbeteiligung für seine Kunden 2014 konstant hält. In den kommenden Wochen werden auch die übrigen der gut 90 Lebensversicherer die Überschussbeteiligung für das kommende Jahr veröffentlichen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Mazi

26.11.2013, 15:35 Uhr

Vielleicht wäre es sinnvoll einmal die Ratios im Zeitablauf zu veröffentlichen.

"Einnahmen aus Anlage von Versichtenanlagen" zu "Gesamteinnahmen"

und

"Einnahmen aus Anlagen zu Versichten" zu "den Versicherten belastete Kosten" (davon "Aufwand für Vorstände")

Danach dürfte das Problem wohl jedermann bekannt sein und der Handlungszwang ebenso.

StefanBode

26.11.2013, 16:22 Uhr

Bei den Niedrigzinsen werden bei einigen Versicherern die Überschüsse zum Jahreswechsel 2014/15 komplett wegfallen. Vielleicht können Sie es ja auch wieder tarnen, daß die Politik ein entsprechendes Gesetz für Sie erläßt, welches diesen Vorgang verschleiert und die "Solvenz" der Branche sichert.

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