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12.12.2014

14:15 Uhr

Rechtsschutzversicherung

Gutes Recht ist teuer

VonSara Zinnecker

Macht der Arbeitgeber ärger? Will die Versicherung nicht zahlen? Bei verhärteten Fronten kann oft nur noch der Anwalt helfen. Doch spätestens vor Gericht wird es teuer. Wann sich eine Rechtsschutzversicherung lohnt.

Sein gutes Recht zu bekommen, kann teuer werden. dpa

Sein gutes Recht zu bekommen, kann teuer werden.

DüsseldorfDer Nachbar ist des Deutschen liebster Feind, besagt ein Sprichwort. Und tatsächlich mag sich der ein oder andere schon einmal geärgert haben, wenn der Mann auf der anderen Seite des Zauns sein Grünzeug wieder einmal über die Grundstücksgrenze wuchern lässt. Ärger steht auch ins Haus, wenn der Sohn versehentlich einen Film oder Musik heruntergeladen hat und deshalb ein paar Hundert Euro Strafe fällig werden.

Oft lassen sich derlei Schwierigkeiten – ob mit Engelszunge oder durch das Begleichen der Forderung – aus der Welt schaffen. Doch was, wenn dies nicht mehr so einfach geht? Zum Beispiel, wenn der neue Arbeitgeber den Lohn monatelang nicht zahlt oder die Versicherung im Schadensfall nicht aufkommen will? Hier geht es um richtig große Summen, gutes Zureden bringt da häufig nichts mehr.

Wenn sich Fronten verhärten, kann oft nur noch ein Anwalt helfen. Er kann Forderungen von Betroffenen durchsetzen – etwa die Lohnfortzahlung – oder Forderungen Dritter abweisen, zum Beispiel, wenn eine Versicherung Geld einfordert. Das Problem: Anwaltliche Hilfe ist nicht ganz billig. In der Regel bemisst sich das Honorar des Juristen nach einem speziellen Schlüssel am Streitwert der Sache.

Rechner im Internet helfen, die Anwaltskosten grob zu überschlagen. Angenommen, es geht darum, dass ein Arbeitgeber seinem Arbeiter 10.000 Euro schuldet und die Sache vor Gericht geht. Hier müssten Betroffene mit 3.000 Euro Anwaltskosten allein für den eigenen Rechtsvertreter rechnen. Noch nicht enthalten wären, für den Fall einer Niederlage, die Kosten für den gegnerischen Anwalt.

Wer sich einem solchen Kostenrisiko nicht aussetzen möchte, kann darüber nachdenken, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. „Die Versicherung gilt nicht als elementar wichtig, wie etwa eine private Haftpflichtversicherung, kann aber je nach eigenem Sicherheitsempfinden ein deutlicher Zusatzschutz sein“, sagt Joachim Geiberger, Inhaber und Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen.

Die Versicherungen, die keiner braucht

Unsinnige Policen

Ob Brillen, Handy oder Glas - in Deutschland kann man fast alles versichern lassen. Doch von vielen dieser Verträge profitiert nur einer - die Versicherungsgesellschaft. Der Bund der Versicherten hat die überflüssigsten Policen zusammengetragen.

Die Glasbruchversicherung

Eine kaputte Scheibe ist ärgerlich, aber kein finanzielles Desaster. Deshalb mache eine Glasbruchversicherung für die meisten keinen Sinn, so der Bund der Versicherten. Die Beiträge seien für die mögliche Schadenshöhe zu hoch. Ausnahme: Sie haben einen Wintergarten oder teure Spezialglasscheiben im Haus. Oder fußballverrückte Kinder.

Die Brillenversicherung

Kaum einem Brillenträger wurde sie nicht angeboten: Die Brillenversicherung. Dabei glauben viele, dass die Brille bei Bruch oder Beschädigung vollständig ersetzt würde. Doch falsch gedacht. Geht die Brille kaputt, gibt es nur Geld für die Sparvariante zurück. Wer eine hochwertige Fassung und aufwändige Gläser haben möchte, muss auch mit Brillenversicherung zuzahlen. Neue Gläser gibt es übrigens nur bei Beschädigung und bei einer starken Veränderung der Sehstärke (ab 0,5 Dioptrien). Wer das nicht zu befürchten hat, sollte seine Brille unversichert lassen.

Die Krankenhaustagesgeldversicherung

Die Krankenhaustagesgeldversicherung verspricht eine Zuzahlung für jeden Tag, den man in einer Klinik verbringen muss. Ob sie die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, bezweifelt der BDV allerdings. Der Verein rät, für solche Fälle lieber Geld auf einem Tagesgeldkonto bereit zu halten.

Die Reisegepäckversicherung

Wer sich Geld von einer Reisegepäckversicherung verspricht, muss bestens auf seine Koffer aufpassen. Denn oft zahlen die Versicherer nur anteilig oder gar nicht, wenn sie ihren Kunden grob fahrlässiges Verhalten vorwerfen. Und was grob fahrlässig ist, ist Auslegungssache. Wertsachen wie Schmuck, Film- und Fotoapparate nur unzureichend mitversichert, bemängelt der BDV. Hinzu kommt, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Gepäck ohnehin in der Hausratversicherung versichert ist.

Die Handyversicherung

Auch eine Handyversicherung bieten Verkäufer gerne und häufig an, meist gleich an der Kasse. Da hört sie sich auch besonders gut an - schließlich kostet ein Smartphone mehrere Hundert Euro. Es zu versichern, lohnt sich trotzdem nicht. Geht das Gerät verloren oder kaputt, ersetzt die Versicherung nur den Zeitwert des Handys und eine Selbstbeteiligung wird fällig. Wer Geld zurück möchte, für den gilt also: Das Handy zeitnah kaputt machen oder im Taxi liegen lassen.

Versicherung gegen „häusliche Notfälle”

Eine ausgefallene Heizung oder ein vergessener Schlüssel - das sind die „häuslichen Notfälle”, gegen die sich Verbraucher versichern können. Doch einmal einen Notdienst zu rufen, treibt einen nicht in den finanziellen Ruin. Eine Versicherung gegen häusliche Notfälle zieht einem dagegen unnötig Geld aus der Tasche. Auch, weil sie nur begrenzt zahlt. Wer zur Miete wohnt, muss sich ohnehin keine Sorgen machen. Mieter müssen nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben, zum Beispiel bei einem Heizungsausfall.

Die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Eine Police, bei der man seine eingezahlten Beiträge am Ende zurückbekommen soll - das verspricht die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr. Dahinter steckt aber ein Koppelprodukt, nämlich eine Versicherung mit einem schlecht verzinsten Sparvertrag. Als „Milchmädchen-Rechnung“ bezeichnet der BDV solche Policen: Den Betrag, den der Kunde zurück bekommt, hat er vorher zusätzlich eingezahlt. Und auch die Versicherungsleistungen seien oft nicht ausreichend.

Die Insassenunfallversicherung

Die Angst vor Autounfällen ist groß, deshalb schließen viele Deutsche die Insassenhaftpflichtversicherung ab. Unnötigerweise, so der BDV. Verursacht der Fahrer einen Unfall und werden die Fahrgäste verletzt, tritt seine eigene Kfz-Haftpflicht ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Eine Insassenunfallversicherung lohnt sich nur bei Fahrerflucht oder, wenn der Unfall durch einen Fußgänger verursacht wurde, der keine private Haftpflicht besitzt. Doch auch dem kann vorgebeugt werden, etwa durch eine Forderungsausfallabdeckung in der eigenen Haftpflichtversicherung.

Die Sterbegeldversicherung

Die Sterbegeldversicherung ist eine Kapitallebensversicherung. Wer sie abschließe, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen, so der BDV. Wer seine Angehörigen entlasten wolle, sollte lieber rechtzeitig Geld beiseite legen.

Rechtsschutzpolicen gibt es für die Bereiche Privates, Beruf, Verkehr sowie Wohnen und Grund. „Im privaten Bereich verursachen Streitereien mit dem Versicherer die höchsten Kosten“, weiß der Versicherungsberater Andreas Kutschera.

„Wenn zum Beispiel die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht bezahlen will, kommen da allein in der ersten Instanz schon einmal mehrere 10.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten zusammen.“ Der Privatrechtsschutz lohnt sich dem Berater zufolge vor allem für Personen, die Versicherungen abgeschlossen haben, bei denen es im Schadensfall um viel Geld geht – und unter Umständen kostenträchtige Gutachten notwendig sind.  

Kommentare (2)

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Herr Oliver Klima

12.12.2014, 15:23 Uhr

Da wir hier beim Handelsblatt sind, wollte ich mal meinen Senf dazu geben, wie es eigentlich um den Rechtsschutz der Rechtsschutzversicherer in bankrechtlichen fällen steht.

Hier haben nämlich viele Rechtsschutzversicherungen seit dem Massenklagen Telekom, Lehman-Brothers, Filmfonds usw. den Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Für die vermögenden Menschen sollte aber der bankrechtliche Streit abgesichert sein. Den kleinen Streit um die unzulässig erhobene Bearbeitungsgebühr bei Kreditvertrag zahlen die Versicherungen fast alle noch. Da liegt das Risiko aber auch bei nahe Null, zu verlieren.

Den Anlageberatungsschaden bezahlen die meisten Rechtsschutzversicherungen aber nicht mehr. Es gibt aber in Deutschland ein paar Ausnahmen unter den Versicherern.

Wer also seine Anlageentscheidung vor Gericht behandelt wissen will, der sollte eine Rechtschutzversicherung wählen, die das abdeckt.

Die Trennlinie verläuft nicht selten zwischen Rentnern und Arbeitnehmern. Haben Arbeitnehmer in der Regel einen höheren Bedarf das Risiko einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung abzufedern, so sind es häufiger die Rentner, deren Ersparnisse meistens das zu verteidigende Gut sind.

Überwiegend vermögende Rentner sollten daher danach Ausschau halten, dass ihr Vermögen auch mit einer entsprechenden Rechtsschutzversicherung in Kapitalanlagefällen zahlt.

Frau Annette Bollmohr

12.12.2014, 16:11 Uhr

„Den Anlageberatungsschaden bezahlen die meisten Rechtsschutzversicherungen aber nicht mehr.“

Die sind ja nicht lebensmüde. Ehescheidungen zahlen sie meines Wissens auch nicht.

Heute würde ich wohl keine RSV mehr abschließen; allerdings bin ich froh, das bereits 1987 (zu den damaligen Bedingungen) erledigt zu haben (sozusagen als Beruhigungspille, um mir fachkundigen Beistand holen zu können, falls mal wieder jemand der Meinung sein sollte, ich sei nicht nur schwerhörig, sondern auch ein bisschen doof - und mir dadurch größere Nachteile drohen sollten.
Zumal ich nicht telefonieren kann, was es ggfs. natürlich schwierig machen würde, solche Angelegenheiten erfolgreich zu regeln.

Wäre nämlich ohne deren Vermittlung ungleich schwieriger gewesen, die Gebäudeversicherung anlässlich eines vor einigen Jahren von einem Nachbarn verursachten Wasserschadens in meiner Wohnung davon zu überzeugen, dass der Fußboden zum Gebäude gehört (und nicht zu den Möbeln).

Todnervend ist sowas natürlich trotzdem.
Man kann schon deshalb froh sein, wenn man die RSV nicht wirklich braucht, was ja ohnehin (eigentlich!) der Normalfall sein sollte...

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