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16.07.2014

10:02 Uhr

Reform verabschiedet

Was klassische Lebenpolicen jetzt noch taugen

VonSara Zinnecker

Die letzte Hürde Bundestag ist überwunden, die Lebensversicherung offiziell reformiert. Doch wie attraktiv sind klassische Policen nach der Gesetzesänderung noch? Und welche Alternativen haben Kunden? Experten antworten.

„Niedrigzinstauglich“: Dazu will ein neues Gesetz die klassische Lebensversicherung machen. Doch wie attraktiv sind die Policen jetzt noch? Getty Images

„Niedrigzinstauglich“: Dazu will ein neues Gesetz die klassische Lebensversicherung machen. Doch wie attraktiv sind die Policen jetzt noch?

DüsseldorfEs war ein Gesetzesverfahren im Eiltempo. Vom Referentenentwurf bis zur endgültigen Verabschiedung im Bundestag vergingen keine drei Monate. Seit vergangenen Freitag gilt: Die klassische Lebensversicherung, traditionell das Lieblingsprodukt der Deutschen für die private Altersvorsorge, ist offiziell reformiert. Dabei hat der Gesetzgeber auch an den beiden Stellschrauben gedreht, an denen Kunden in der Regel die Attraktivität der Policen bemessen: Garantiezins und Überschussbeteiligung.

Im Detail dürfen Versicherer, wenn Garantieleistungen in Gefahr sind, ab sofort mehr von den Gewinnen einbehalten, die ihnen Kurssteigerungen festverzinslicher Wertpapiere bescheren (Bewertungsreserven). Im Gegenzug müssen sie Kunden stärker an unverhofften Gewinnen beteiligen – an den Einnahmen also, die den Anbietern verbleiben, weil sie zu vorsichtig kalkuliert haben (Risikoüberschüsse).

Die Überschussbeteiligung – das Geld, das Lebensversicherungskunden beim Auslaufen der Police zusätzlich zum garantierten Ertrag ausbezahlt bekommen – setzt sich also künftig anders zusammen. Ab 1. Januar 2015 gilt zudem: Der Versicherer darf neue Rückstellungen künftig mit maximal 1,25 Prozent verzinsen – statt wie bislang mit 1,75 Prozent. Damit erhalten Kunden auch eine geringere garantierte Leistung auf ihre eingezahlten Beiträge.

Hinter der Reform steckt die Absicht, die klassische Lebenpolice „niedrigzinstauglich“ zu machen. Der Gesetzgeber verspricht sich eine „Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte“. Insbesondere wollte man sicherstellen, dass Versicherer auch künftig die hohen Garantieversprechen an Bestandskunden erfüllen können.

Doch ist die Reform auch in den Worten des Gesetzgebers eine Regelung „für das Kollektiv“. Das heißt: Kunden von heute müssen im Notfall auf einen Teil der Überschüsse verzichten, damit für Kunden von morgen noch etwas übrigbleibt. Klar wird: Das Gesetz ist ein Kompromiss und bringt als solcher – für alle Beteiligten – auch Nachteile mit sich.

Diese Lebenpolicen gibt es

Risikolebensversicherung

Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Eine Leistung seitens des Lebensversicherers wird nur fällig, wenn der Versicherungsfall (Tod) tatsächlich während der Versicherungsdauer eintritt.

Kapitallebensversicherung

Die Kapitallebensversicherung dient grundsätzlich der Altersvorsorge. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert (dann spricht man auch von einer Rentenversicherung). Gilt für die Kapitallebensversicherung ebenfalls der Todesfallschutz (s. Risikolebensversicherung), spricht man auch vom „gemischten Modell“.

Fondsgebundene Lebensversicherung

Eine fondsgebundene Lebensversicherung ist ein Fondssparplan im Versicherungsmantel. Häufig wird zusätzlich eine Risikolebenpolice eingebunden. Der Anleger soll so die Chancen nutzen, die sich an den Börsen bieten. Dafür muss der Versicherte bei Produkten ohne Absicherung die Risiken des Kapitalmarktes akzeptieren. Es gibt keine Garantie auf die angelegten Beiträge, wie sie etwa eine klassische Kapitallebenpolice bietet.

Alternative Produkte

Wegen der schwierigen Zinssituation und sinkenden Renditen haben einige Versicherungsunternehmen seit einigen Jahren alternative Vorsorgeprodukte im Programm. Die Allianz hält das „Vorsorgekonzept Perspektive“ bereit, bei der Axa ist es die „Relax-Rente“, die Ergo bewirbt die „Rente Garantie“ und die Bayerische Versicherungskammer setzt auf die „Flex-Vorsorge Vario“. Die gemeinsame Komponente: Die Garantieleistung fällt geringer oder zumindest flexibler aus. Als Ausgleich wird mehr Geld in renditeträchtigere Anlagen gesteckt – teils kann der Kunde selbst entscheiden wie viel.

Handelsblatt Online hat mit Managern, Analysten und Beratern über die Auswirkungen der Reform gesprochen. Dabei standen drei Fragen im Fokus. Mit Blick auf die Neukunden: Sind klassische Policen noch attraktiv? Mit Blick auf die Bestandskunden: Müssen sie mit Einbußen rechnen? Mit Blick auf die Versicherer: Lohnt es noch, klassische Policen anzubieten oder ist die Zeit gekommen, das Angebot umzustellen?  

Um es vorwegzunehmen: Das Gros der Experten sieht die Attraktivität klassischer Lebenpolicen schwinden – für Neukunden und für Bestandskunden. Die niedrigeren Garantiezinsen stellen nach Meinung der Branchenkenner ein Problem dar, das sich durch die Neuordnung der Überschussbeteiligung mittelfristig sogar noch verschärft.

Auch wenn keiner von einem „Todesstoß“ der klassischen Policen sprechen will, glauben die Experten, dass sich Kunden wie Versicherer mehr als bislang auf alternative Produkte konzentrieren werden. „Der Kunde muss über andere Sparverträge die unter Druck geratenen Rentenhöhen kompensieren“, meint zum Beispiel Stephan Kalb, Leiter der deutschen Versicherungsanalyse bei Fitch Ratings in Frankfurt

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

16.07.2014, 10:33 Uhr

DIe ClubMed-Staaten brauchen in Zukunft noch mehr Geld aus Nordeuropa, das ist seit Junckers Erklärung klar.

Also, Leute: Stellt euch auf weiter fallende LV-Renditen und Renten bei zukünftig noch höheren Steuern und Abgaben ein ... ein Hoch auf EUR- und EU-Zentralismus-Wahn. Dabei könnte Europa auch viel besser und mit Vorteilen für alle Bürger funktionieren, das ist allerdings ein völlig andere Geschichte und weit weg von der real-existierenden EU und seinen Junckers etc.

Herr Woldemar von Stechlin

16.07.2014, 11:13 Uhr

Nix.

Außer Provisionen für LV-Drücker.

Herr Woldemar von Stechlin

16.07.2014, 11:17 Uhr

Die Leute haben nicht AfD gewählt, also wollen sie zahlen. Lassen Sie sie doch...

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