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06.06.2012

11:35 Uhr

Reiseversicherungen

Sicher in den Urlaub

VonThomas Schmitt

Versicherer kurbeln mit Fußball gerne ihren Verkauf an. Doch nicht jedes Angebot für den Trip zur Europameisterschaft ist ein Schnäppchen. Welchen Schutz Versicherte unterwegs unbedingt brauchen und was überflüssig ist.

In Donezk spielt der Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft, die Ukraine. Ein Ziel für deutsche Fans könnte die Stadt frühestens im Halbfinale werden. dpa

In Donezk spielt der Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft, die Ukraine. Ein Ziel für deutsche Fans könnte die Stadt frühestens im Halbfinale werden.

DüsseldorfDie Fußball-Europameisterschaft beginnt am Wochenende. Also nichts wie ab in die Ukraine? Vorsicht, so einfach wie nach Polen, kommen Deutsche nicht in das große Land mit 48 Millionen Einwohnern. Die Ukraine gehört nicht zur Europäischen Union und ist daher nichts für Spontanurlauber. Reisen dorthin sollten gut vorbereitet werden – auch mit einer Versicherung. Doch muss es gleich eine „Ukraine-Versicherung“ sein? Verbraucherschützer sind da skeptisch.

In Deutschland hat der Versicherer Hanse Merkur „eine Krankenversicherung für Ihren Ukraine-Aufenthalt“ aufgelegt. Nach einem Beschluss des ukrainischen Parlaments müssten alle Besucher des Landes eine in der Ukraine gültige und von ukrainischen Krankenhäusern akzeptierte Auslandsreise-Krankenversicherung besitzen. Den entsprechenden Versicherungsschutz biete die Hanse Merkur zusammen mit der Ukrinmedstrakh Insurance Company an.

Wer solch eine Versicherung für sieben Tage abschließt, zahlt dafür beispielsweise sechs Euro. Je länger der Besucher im Land bleibt, umso teurer wird es jedoch. Bei 60 Tagen verlangt Hanse Merkur 36 Euro und für ein Jahr kostet es sogar 350 Euro.

Das ist im Vergleich zu einer von vielen Versicherern angebotenen Auslandsreise-Krankenversicherung viel Geld. Denn diesen Schutz gibt es für Einzelpersonen bereits ab fünf Euro und für Familien ab 15 Euro im Jahr. Was sollten EM-Touristen also tun?

Verbraucherschützer empfehlen generell insbesondere bei Reisen in Länder ohne Sozialversicherungsabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland, eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Wer sich auch im Urlaub gegen Krankheitskosten absichern oder den Rücktransport im Krankheitsfall gesichert wissen möchte, komme um eine Zusatzversicherung nicht herum.

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Doch um sich ausreichend abzusichern, reiche in der Regel eine gewöhnliche Reisekrankenversicherung aus, stellt die Verbraucherzentrale Stuttgart fest. Eine spezielle "Ukraine-Versicherung" könne im Vergleich zu gewöhnlichen Reisekrankenversicherungen sogar ungünstiger sein. Diese sei etwa bei der Kostenübernahme von Rücktransporten oder der Dauer des Versicherungsschutzes sogar schlechter als Standardtarife des Versicherers und unter Umständen sogar teurer, urteilt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Reisende Fußballfans sollten sich nicht von vermeintlichen EM-Spezialangeboten locken lassen, sondern immer die Angebote verschiedener Versicherer mit ihren Tarifen vergleichen.“

Die Fallen bei der Auslandsreise-Krankenversicherung

Vorteil

Ein Klinikaufenthalt im Ausland kostet leicht mehrere tausend Euro. Policen zur Auslandsreisekrankenversicherung bieten unverzichtbaren Schutz und kosten oft nur ein paar Euro.

Quelle: Verbraucherzentrale Stuttgart

Große Preisunterschiede

Jahresverträge sind schon für unter fünf Euro, aber auch für das Dreifache zu haben.

Zeitbeschränkung

Geleistet wird für jede Auslandsreise, die nicht länger als sechs oder acht Wochen dauert. Für lange Reisen über mehrere Monate brauchen Verbraucher einen speziellen Vertrag, der auch deutlich teurer ist.

Unbequeme Klauseln

Leidet ein Urlauber etwa an einer chronischen Krankheit und muss behandelt werden, dann kann die Versicherung später die Zahlung verweigern. Einige Gesellschaften zahlen bei Vorerkrankungen nur dann nicht, wenn eine Behandlung im Ausland geplant war oder die Behandlung aufgrund ärztlicher Diagnose bereits vor Reiseantritt feststand. Manche Gesellschaften zahlen auch nicht, wenn Unfälle im Ausland bei Wettkämpfen oder beim Vereinssport passieren.

Vorleistung

Wenn solch eine Klausel im Vertrag enthalten ist, werden nur Restkosten übernommen, für die eine gesetzliche Krankenkasse nicht aufkommt. Die Folge: Es muss später umständlich zweimal abgerechnet werden.

Nachleistungsfrist

Kann ein erkrankter Urlauber nicht wie geplant nach Hause reisen, bezahlen mittlerweile viele Gesellschaften die Rechnungen noch, bis die versicherte Person wieder transportfähig ist, auch wenn der Versicherungsschutz bereits abgelaufen ist. Bei Vertragsschluss sollte darauf geachtet werden, dass diese Nachleistungen nicht befristet sind.

Rücktransport

Nach den Versicherungsbedingungen sollten die Kosten bereits für einen medizinisch sinnvollen und nicht erst bei einem medizinisch notwendigen Rücktransport übernommen werden. Man sollte Anbieter meiden, die den Rücktransport nur bezahlen, wenn er "medizinisch notwendig und ärztlich angeordnet ist". Diese Voraussetzungen seien fast nicht zu erfüllen, stellen die Stuttgarter Verbraucherschützer fest. Leichter zu erfüllen sei die Bedingung, dass der Krankentransport übernommen wird, wenn er wirtschaftlich sinnvoll und medizinisch angeraten ist.

Teure Behandlung

Vor besonders teuren Behandlungen sollte sich der Patient im Ausland per Fax von seiner Versicherung die Kostenübernahme bestätigen lassen.

Spezialtarife

Viele Anbieter haben auch spezielle Tarifangebote für Familien im Programm. Jahresverträge gibt es bei manchen Anbietern schon ab 14 Euro. Hier sollte man den Versicherungsumfang vorher genau prüfen und mit anderen Tarifen vergleichen.

Selbstbeteiligung

Einige wenige Versicherungen verlangen bei Jahresverträgen eine Selbstbeteiligung. Von solchen Abschlüssen sollte man die Finger lassen, raten die Verbraucherschützer.

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