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05.02.2014

14:49 Uhr

Rekordjahr 2013

Bausparkassen profitieren vom Niedrigzins

Fast 2,3 Millionen neue Bausparverträge haben die Deutschen 2013 abgeschlossen – ein Rekordjahr für die Branche. Die Anleger wollen sich vor allem langfristig günstige Zinsen sichern.

Dem Bausparen kommt der ungebrochene Trend zum Wohneigentum zugute. dpa

Dem Bausparen kommt der ungebrochene Trend zum Wohneigentum zugute.

DüsseldorfDer durch extrem niedrige Zinsen angeheizte Bauboom hat einen Ansturm auf die privaten Bausparkassen ausgelöst und den zwölf Instituten ein Rekordjahr beschert. Sie schlossen 2013 beinahe doppelt so viele Verträge ab wie die zehn Landesbausparkassen (LBS), die ebenfalls ihre Bestmarke von 2003 einstellten. Viele Anleger wolle sich mit den Bausparverträgen langfristig günstige Zinsen sichern.

Die privaten Bausparkassen schlossen im vergangenen Jahr fast 2,3 Millionen neue Verträge mit einem Gesamtvolumen von rund 70 Milliarden Euro ab, wie der Verband privater Bausparkassen am Mittwoch mitteilte, zu dem unter anderen die Marktführer Schwäbisch Hall, Wüstenrot und BHW gehören. Der Spargeldeingang erreichte mit 19,7 Milliarden Euro (plus 5,1 Prozent) ebenfalls einen Rekordwert wie auch die Bargeldauszahlungen von 24,4 Milliarden Euro (plus 1,5 Prozent). Die Bausparsumme erreichte nach einem Plus von 3,5 Prozent mit über 567,6 Milliarden Euro ebenfalls einen neuen Höchststand.

Der Vorstandschef des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas Zehnder, rechnet für 2014 erneut mit einem „ordentlichen Bausparjahr“. Ob es aber zu einer Wiederholung des „außergewöhnlichen Jahrgangs 2013“ kommen werde, sei offen. Zugute komme dem Bausparen der ungebrochene Trend zum Wohneigentum.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Die Bausparkassen waren jüngst ins Gerede gekommen, weil einige von ihnen Kunden von hochverzinsten alten Verträgen auf neue mit niedrigeren Zinsen umzuleiten versuchten. Viele Kunden profitieren von den hohen Sparzinsen, besorgen sich die Kredite aber zu billigeren Konditionen bei Banken. Das bringt die Bausparkassen unter Druck

Von

rtr

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