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29.04.2014

15:24 Uhr

Rendite bei Lebensversicherungen

Aufsicht nimmt Folgen des Niedrigzinses ins Visier

Wenn die Zinssätze auf diesem Stand bleiben, könnte Lebensversicherungen die Puste ausgehen. Das hätte gravierende Konsequenzen, auch für die Versicherten. Deshalb bekommt die Aufsicht nun Argusaugen.

Wie sicher ist das Geld, das Versicherte von ihrer Lebensversicherung laut Tarif erwarten können? Dies soll nun geprüft werden. gms

Wie sicher ist das Geld, das Versicherte von ihrer Lebensversicherung laut Tarif erwarten können? Dies soll nun geprüft werden.

FrankfurtDie europäischen Versicherer müssen bei einem Stresstest ihre Widerstandsfähigkeit gegen dauerhaft niedrige Zinsen unter Beweis stellen. Die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA werde ein Szenario mit niedrigen Kapitalanlage-Renditen in den laufenden Stresstest für die Branche integrieren, sagte der Präsident der Frankfurter Behörde, Gabriel Bernardino, der Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend. Wenn die Versicherer das Kapital ihrer Kunden auf Dauer nur noch zu den gegenwärtig geringen Zinsen auf festverzinsliche Papiere anlegen können, können sie den Lebensversicherten die versprochenen Renditen womöglich nicht mehr bieten.

Die EIOPA will die Krisenszenarien, unter denen sich die Versicherer bewähren müssen, noch in dieser Woche bekanntgeben. Dazu gehört ein Verfall von Staats- und Firmenanleihen ebenso wie eine Flaute am Aktienmarkt. Der Stresstest werde keine „Momentaufnahme“ sein, sondern diene dazu, die längerfristige Widerstandskraft der Versicherer aufzuzeigen, sagte Bernardino. Mögliche Konsequenzen müssten die nationalen Aufsichtsbehörden ziehen, in Deutschland also die BaFin. „Es geht nicht um das Scheitern einzelner Unternehmen. Das ist keine Prüfung, die man bestehen oder nicht bestehen kann“, betonte Bernardino.

Teilnehmen sollen so viele Unternehmen, dass der Stresstest mindestens die Hälfte des Lebens- und Sachversicherungsmarktes in jedem der 28 EU-Staaten erfasst. Abgeschlossen werden soll er im Juni. Ergebnisse sollen im November vorliegen.

Der EIOPA-Chef sprach sich dagegen aus, genaue Resultate zu veröffentlichen, wie es beim parallel laufenden Stresstest für die Banken üblich ist. „Es wird definitiv mehr Informationen als beim letzten Mal geben“, versprach er. Der Banken-Stresstest sei aber kein Vorbild. Wenn anschließend veröffentlicht würde, wie viel Kapital jeder Versicherer bräuchte, stünden die Regulierer unter Druck, die Unternehmen keinem „wirklich harten Stress“ auszusetzen. Auch Banken-Aufseher haben die Veröffentlichung der Ergebnisse kritisiert – aus dem gleichen Grund.

Die wichtigsten Fragen zur Lebensversicherung

Wie funktioniert die Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung soll dagegen zugleich auch Altersvorsorge sein. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist die Bewertungsreserve?

Kauft eine Versicherung von den Kundenprämien eine Aktie für 100 Euro, bleibt ihr Buchwert in der Bilanz auch fünf Jahre später bei 100 Euro, auch wenn der Kurs auf 120 Euro gestiegen ist. Die 20 Euro Differenz zwischen Marktwert und Kaufwert ist die sogenannte Bewertungsreserve oder stille Reserve. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2008 müssen Versicherungen die Hälfte der Bewertungsreserve an ihre Kunden auszahlen, deren Verträge auslaufen.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher haben sich auch deshalb für Kapitallebensversicherungen entschieden, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent, ab 1.1.2015 nun wird er auf 1,25 Prozent gesenkt.

Früher lag der Satz deutlich höher, in den 90er Jahren teils bei vier Prozent. Seit 2000 geht es bergab. Der Grund: Versicherer müssen die Gelder ihrer Kunden in krisensicheren Anlageformen investieren. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber sehr niedrig.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen generell sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen. Zu beachten ist, dass Bestandskunden in der Regel von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen – und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften. Verbraucherschützer dagegen stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Kunden sollten laut Verbraucherschützern auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags immer mit Verlusten verbunden ist. Ob diese Verluste von einer jetzt eventuell noch höheren Beteiligung an den Bewertungsreserven ausgeglichen werden, muss im Einzelfall berechnet werden. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

29.04.2014, 18:00 Uhr

Lese ich da richtig. Die Staaten mit ihrer ausschweifenden Schuldenpolitik verursachen eine historisch niedrige Zinsperiode, die wir ohne das Fehlverhalten der EU-Regierungen gar nicht hätten. Anschließend kommt eine staatliche Organisation auf EU-Ebene und prüft, warum die Versicherungen in Schieflage kommen könnten? Jetzt wird es schon ein wenig zu albern in der EU.

Account gelöscht!

02.05.2014, 16:03 Uhr

niedrige Zinsen sind das Feigenblatt der Versicherer.
Sehen Sie sich doch mal den typischen Renditeverlauf einer Police (z.B. mit klv-check) an. Nach Ablauf der ersten vier bis zehn Jahre bleibt nach Abzug der Provisionen, Risikorückstellungen, Aktionärsdividenden kein Ertrag übrig! Das konnte man in den Hochzinsphasen der Vergangenheit (1990-2000) und mit den Steuervorteilen vor 2005 noch halbwegs wegstecken. Aber bei einem Marktzins von unter 2% ist das nicht mehr reparabel...

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