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16.01.2012

10:51 Uhr

Renditecheck

Sparplan schlägt Lebensversicherung

VonThomas Schmitt

Sicher und lukrativ wollen viele Deutsche ihr Geld anlegen. Dieses Ziel erfüllt ein Sparprodukt der Deutschen Bank derzeit besser als der Vorsorge-Klassiker der Allianz - zumindest auf Sicht von zwölf Jahren.

Ohne Mathekenntnisse geht es oft nicht. So wie dieser Schüler seine Aufgabe sollten Sparer die Angaben mancher Finanzdienstleister nachrechnen dpa

Ohne Mathekenntnisse geht es oft nicht. So wie dieser Schüler seine Aufgabe sollten Sparer die Angaben mancher Finanzdienstleister nachrechnen

DüsseldorfEin Handelsblatt-Leser fragte neulich: Mit welchem Produkt erhält ein Sparer mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis aktuell eine Verzinsung für sein Kapital, die nur annähernd die genannte durchschnittliche Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer erreicht?

In der Frage klang durch, dass so etwas wohl kaum am Markt zu finden sei. Schließlich erreiche die aktuelle Verzinsung einer zehnjährigen Bundesanleihe noch nicht einmal zwei Prozent, während die Versicherer im Schnitt noch Überschussbeteiligungen von knapp vier Prozent veröffentlichen. 

Dieser Vergleich hinkt jedoch. Die Überschussbeteiligung einer Lebensversicherung klingt besser als sie tatsächlich ist. Dieser Wert ist nicht gleichzusetzen mit einer Rendite auf die gezahlten Prämien, der Beitragsrendite. Solche Zahlen nennen die meisten Lebensversicherer auch gar nicht. Mit Online-Rechnern wie jenem der FMH Finanzberatung aus Frankfurt können sich Sparer jedoch helfen.

Mit diesen Hilfsmitteln ist ein Renditevergleich von Sparplänen und Lebensversicherungen möglich. Der Check einiger im Internet nachvollziehbarer Angebote lieferte dabei ein pikantes Ergebnis: Ein Sparplan der Deutsche Bank schneidet klar besser ab als die Lebensversicherung der Allianz. Mit anderen Worten: Der Bankenprimus schlägt den Wortführer der Versicherungsbranche. 

Was aus 100 Euro im Monat in zwölf Jahren wird

Versicherer versus Banken

Ein Anleger zahlt zwölf Jahre lang 100 Euro im Monat. Das ergibt einen Sparbeitrag von 14400 Euro. Der Lebensversicherer nennt dafür zwei Zahlen: Was er garantiert zahlt und was er vielleicht zahlt, wenn die Zinsgutschriften so bleiben wie sie sind. Die Rendite wurde berechnet mit einem Lebensversicherungs-Rechner der FMH Finanzberatung aus Frankfurt. Die Renditen sind dabei vor Steuern, d.h. es wurde ein Steuersatz von 0 angenommen. Das erleichtert den Renditevergleich mit Sparprodukten der Banken.

 

Allianz

Die Allianz bietet einen Onlinerechner für eine klassische Lebensversicherung.

Die Ergebnisse für eine Einzahlung von 14400 Euro:

Garantie-Kapital: 13.795 Euro

Garantie-Rendite auf den Beitrag: -0,71 Prozent

Prognostizierter Gesamtwert: 16.485,56 Euro

Prognostizierte Rendite auf den Beitrag: 2,22 Prozent 

Die Allianz weist im Internet darauf hin: „Beachten Sie bitte, dass die Höhe der Überschussbeteiligung nicht garantiert werden kann. Sofern in diesem Vorschlag künftige Leistungen einschließlich Überschussbeteiligung dargestellt werden, handelt es sich um unverbindliche Angaben. Hierbei haben wir angenommen, dass die für das Jahr 2010 festgelegten Überschussanteilsätze unverändert bleiben. Die Werte sind trotz der in Euro exakten Darstellung nur als unverbindliches Beispiel anzusehen. Über die Höhe der künftigen Überschussanteilsätze können wir keine Aussagen machen. Die tatsächlichen künftigen Leistungen einschließlich der Überschussbeteiligung (Gesamtleistungen) werden voraussichtlich höher oder niedriger sein als in diesem Vorschlag angegeben. Dies gilt insbesondere auch für die Beteiligung an den Bewertungsreserven.“

Deutsche Bank

Ein Ansparplan mit festem Zinssatz über 12 Jahre ist laut FMH Finanzberatung möglich. 

Ergebnis: 17.040,69 Euro

Rendite: 2,75 Prozent

Cosmos Direkt

Der Direktversicherer der Generali-Gruppe bietet Berechnungen für Kapitallebensversicherungen an. Das Rechenergebnis für 14.400 Euro an Prämien:

Garantierte Kapitalauszahlung: 14.638 Euro

Garantie-Rendite auf den Beitrag: 0,27 Prozent

Voraussichtliche, einmalige Kapitalauszahlung bei Ablauf inkl. Überschussbeteiligung: 18.152 Euro

Erwartete Rendite auf den Beitrag: 3,77 Prozent

Hannoversche Leben

Der Online-Rechner der Hannoversche Leben bietet im Gegensatz zur Konkurrenz keinen eindeutigen Hinweis, ob er den monatlichen Beitrag auch für 12 Jahre gerechnet hat. Dies kann nur indirekt über das eingegebene Alter geschlossen werden. Das Ergebnis: 

Garantiertes Guthaben bei Ablauf: 15.367,00 Euro

Garantie-Rendite: 1,07 Prozent

Mögliches Ablaufguthaben: 17.997 Euro

Erwartete Rendite: 3,63 Prozent

Annahme dabei: Überschussbeteiligung auf den Sparanteil von 3,75 Prozent über die ganze Laufzeit

 

Asstel

Auf eine Garantie weist der Rechner der Gothaer-Tochter im Ergebnis nicht ausdrücklich hin. Diese heißt hier „Versicherungssumme“. 

Versicherungssumme: 14.095,00

Garantie-Rendite: -0,36 Prozent

Gesamtleistung bei Ablauf einschließlich Überschussanteile: 16.262,97 Euro

Prognose-Rendite: 2 Prozent

Hinweis von Asstel dazu: „Das Überschusssystem ist die verzinsliche Ansammlung. Bei der Berechnung der Werte inkl. Überschussbeteiligung haben wir angenommen, dass sich die aktuell festgesetzten Überschusssätze während der gesamten Versicherungsdauer nicht verändern werden. Die tatsächlichen Leistungen werden daher voraussichtlich von den angegebenen Werten abweichen. Steuerliche Abzüge sind bei den genannten Leistungen nicht berücksichtigt.“

Nordfinanz

Ein Ansparplan mit festem Zins bringt nach 10 Jahren:

Betrag: 14.074,04 Euro

Rendite: 3,13 Prozent

Nach zwölf Jahren ergibt sich dann plus der Sparsumme von 2400 Euro also mindestens ein

Betrag: 16.474,04 Euro 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass für die letzten zwei Jahre der Laufzeit kein Zins angenommen wurde, was eigentlich unrealistisch ist. Die Rendite könnte also auch in dieser Kombi-Variante in den Bereich von 2,75 Prozent kommen, die der zwölfjährige Deutsche-Bank-Sparplan erreicht. In jedem Fall springt auch auf diese Weise mindestens so viel heraus wie in der Prognose des Lebensversicherers Allianz.

Und auch generell bieten viele Banksparpläne selbst über ein Jahrzehnt eine bessere Kombination von Sicherheit und Rendite als der Klassiker der Altersvorsorge, die Kapitallebensversicherung. 

Wie kommt solch ein Ergebnis zustande? Angenommen wurde im Vergleich ein Sparzeitraum von zwölf Jahren und eine monatliche Sparrate von 100 Euro. Das ergibt nach zwölf Jahren eine Sparsumme von 14.400 Euro. Der Zeitraum wurde so lang gewählt, weil es kaum sinnvoll ist, eine Lebensversicherung als Altersvorsorge für kürzere Zeiträume neu abzuschließen. 

Die Fiktion von den guten Zinsen

Begriffe

Es werden mit Blick auf Lebensversicherer verschiedene Zinsbegriffe verwendet. Wenn Verbraucherschützer von "Gesamtverzinsung" sprechen, meinen sie zum Beispiel die Kombination aus Garantieverzinsung und den so genannten Überschüssen aus dem Versicherungsgeschäft, an denen Versicherungsnehmer beteiligt sind. Die Versicherer reden hier auch von „Überschussbeteiligung“, dafür weisen sie jährlich einen Zinssatz aus. Als Gesamtverzinsung wird in der Branche auch die bei Vertragsablauf gezahlte Verzinsung bezeichnet. Darin enthalten sind neben Garantiezins und dem Überschuss zusätzlich eine Beteiligung an den Bewertungsreserven und ein Schlussüberschuss.

Kritik

Das Problem der Versicherer-Kennzahlen: Sowohl der Garantiezins als auch die Überschussbeteiligung oder Gesamtverzinsung werden nicht auf die gesamte Prämie berechnet, sondern nur auf den Sparanteil in der Prämie. Die Hamburger bezeichnen die Zinsgutschriften der Branche daher auch als „Das Märchen von der Gesamtverzinsung“.

Ein Rechenbeispiel über 30 Jahre

Die Verbraucherschützer aus Hamburg haben für einen sehr lange laufenden Vertrag mit einer  Überschussbeteiligung von vier Prozent die Rendite und die Ablaufdaten gerechnet. Solche Verträge werden gerne von der Branche als Altersvorsorge verkauft.

Was aus 100 Euro wird

Legt man 100 Euro im Monat an mit 4 Prozent Verzinsung, ergibt das nach 30 Jahren einen Betrag von 68.760 Euro.

Warum weniger verzinst wird

Der Kunde zahlt zwar eine Prämie von 100 Euro. Doch tatsächlich wird weniger angelegt, weil die Versicherung Kosten für Abschluss, Verwaltung und Risiko zu Grunde legt, zum Beispiel 80 Euro.

Was aus 80 Euro wird

Aus 80 Euro werden in 30 Jahren bei einer Verzinsung von jährlich 4 Prozent 55.008 Euro. Das ist also wegen des Zinseszinseffektes fast 14.000 Euro weniger als wenn die vollen 100 Euro Prämie verzinst würden.

Fazit

„Die vermeintlich ordentliche Gesamtverzinsung von 4 Prozent sind in Wahrheit nur 2,68 Prozent pro Jahr“, stellen die Verbraucherschützer aus Hamburg aufgrund ihrer Rechnung über 30 Jahre fest.

Vergleich mit Bundesanleihen

"Wer sein Geld in den vergangenen 30 Jahren beispielsweise in Bundeswertpapieren angelegt hätte, stünde heute deutlich besser da als ein Verbraucher mit einer Lebensversicherung“, stellen die Verbraucherschützer fest. Nach einer Stichprobe von regulär abgelaufenen Verträgen ergäben sich Renditen von durchschnittlich etwas über drei Prozent pro Jahr - gegenüber Bundeswertpapieren mit durchschnittlich etwas über 6 Prozent in den letzten 30 Jahren.

 

Zwar gilt die Lebensversicherung generell als ein sicheres Produkt. Doch wer hier sehr vorsichtig ist, muss berücksichtigen, dass die gesamte Rendite grundsätzlich sehr stark von der allgemeinen Entwicklung der Zinsen abhängt. Garantiert wird für neue Verträge ab 2012 nur ein Zins von 1,75 Prozent. Dieser wird jedoch nicht auf den gesamten Beitrag gezahlt, sondern nur auf den Sparanteil. 

Das heißt, verzinst wird nur ein Teil der Prämie, die der Kunde zahlt. Der Grund: Der Versicherer zieht vorher seine Kosten ab, bevor er den Zins draufrechnet. Der Kostenabzug ist mal mehr und mal weniger, je nach Unternehmen. 

Kommentare (24)

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Finanztiger

16.01.2012, 11:11 Uhr

Mich stört eines an diesem Artikel: Die Argumente gegen die LV wurden ganz genauso schon vor 10 Jahren, 15 Jahren etc. vorgebracht. Vor 10 oder 15 Jahren war der Garantiezins aber höher. Und jetzt hätte sich tats. herausgestellt, dass Tagesgeld u. Festgeld schneller reagiert - leider aber negativ für den Anleger bzw. Sparer da die Zinsen weiterhin sehr niedrig gewesen sind und noch weiter gesunken sind. Die LV hätte aber den Garantiezins behalten. Also was hätte ein Sparer überlegen können? Vielleicht den Sparbetrag aufsplitten? Aber das wäre ja nicht im Sinne der "Verbraucherschützer" , die nur immer etwas negatives suchen (weil nur auf negatives geachtet wird). Dem Verbraucher hilft das nicht!

Account gelöscht!

16.01.2012, 11:51 Uhr

Wer bitte ist denn noch immer so bescheuert und legt sein Geld in diese Dinger an? Ich zahle doch nicht Geld rein was mir am Schluss für läppische Prozente, entwertet wieder ausgezahlt wird....WENNS ausgezahlt wird. Mit dem Geld kann man bei weitem besseres machen um es zu vermehren statt es diesen Idiotenplänen zu opfern.

jajajaja

16.01.2012, 11:59 Uhr

Hahaha, schon wieder diese Verdummung der Verbraucherschützer... Warum werden bei dem Vergleich nicht beim Banksparplan die Kosten für eine Risiko-LV abgezogen? Oder warum vergleicht man hier bewusst Äpfel mit Birnen? Und wer vor einigen Jahren eine RV abgeschlossen hat, der lacht sich heute ins Fäustchen. Steuervorteil und ein ordentlicher Garantiezins ist ihm sicher. Kein Weg ist eine eierlegende Wollmilchsau. KEINER! Eine Rentenversicherung ist genauso wichtig, wie eine Pensionskasse, die gesetzliche RV, Aktien, festverz. WPs, Tagesgeld,... Nur wer das kapiert, der kann vorsorgen und clever anlegen. Alle anderen beißen die Hunde. Insbesondere die, die nach den Verbraucherschützern anlegen, mal ein paar Jahre Arbeitslos werden, oder sind WIRTSCHAFTSKRIESEN in den nächsten Jahrzehnten ausgeschlossen?, und der Staat hemmungslos ins Säckchen des Tagesgeld-und Festgeld-Sparers greift. Ja, dann dumm schauen!

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