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14.10.2013

10:34 Uhr

Rente und Sparen

Wie das Zinstief die private Altersvorsorge eliminiert

VonJens Hagen

Die niedrigen Zinsen erschrecken die Deutschen. Viele denken, private Altersvorsorge sei nicht mehr attraktiv und geraten in einen Teufelskreis. Was Lebenspolicen noch bringen und warum es im Alter bei vielen knapp wird.

Vorsorge fürs Alter: Die Deutschen verzichten trotz Zinstief auf ihre private Absicherung. dpa

Vorsorge fürs Alter: Die Deutschen verzichten trotz Zinstief auf ihre private Absicherung.

Beinahe fünf Jahre ist es jetzt her, seitdem die Notenbank EZB ihren Leitzins sukzessive von 4,25 Prozent auf aktuell 0,5 Prozent absenkte. In der Folge sinken die Renditen für Tages- und Festgeld, Sparbücher und Lebenspolicen, die liebsten Sparformen der Deutschen. Die langen Jahre der Minizinsen – einige Sparbücher bringen nur noch 0,05 Prozent Zinsen, Tagesgeld teilweise nur noch 0,1 Prozent – zermürben allmählich selbst die treuesten Sparer.

Den Frust der Vermögenden fasst jetzt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der Postbank zusammen. Das beunruhigende Kernergebnis: Die Deutschen verlieren die Lust an der privaten Altersvorsorge.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Jeder dritte Berufstätige beklagt die niedrigen Zinsen. Knapp die Hälfte der insgesamt 1553 Befragten will die persönliche Altersvorsorge nicht mehr ausbauen. Das ist der höchste Wert, den die Postbank seit zehn Jahren gemessen hat, vor zehn Jahren lag die Quote der Verweigerer noch 17 Prozentpunkte niedriger.

Noch nie in den vergangenen fünf Jahren nahmen so wenige Berufstätige eine Beratung zur Altersvorsorge in Anspruch. Beunruhigend: 42 Prozent der Befragten hatten noch nie eine Beratung zur Vorsorge, 31 Prozent der Befragten gibt an, überhaupt nicht privat für das Alter vorzusorgen. Mehr als jeder vierte Berufstätige aus den neuen Bundesländern erklärt, dass er sich im Alter nicht aus eigenen Mitteln finanzieren kann.

Banker schlagen Alarm. „Eine zentrale Ursache für den Rückgang der Sparquote ist die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank“, mahnt Andreas Martin, Vorstand beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die Sparquote sei auf nur noch zehn Prozent des verfügbaren Einkommens gesunken. „Die niedrigen Zinsen verringern die Erträge konventioneller Zukunftsvorsorgeprodukte und damit auch die Sparanreize“, sagt Martin.

Kommentare (39)

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aj1968

14.10.2013, 10:57 Uhr

Zur Zeit schaufeln weltweit alle Regierungen mit der 0%-Zinspolitik das Grab ihrer Bürger. Auch Merkel und Schäuble haben schon vor vielen Jahren gesagt: Die gesetzliche Rente ist nur ein Pfeiler der Altersvorsorge. Also übersetzt: Von der gesetzlichen Rente kann niemand mehr leben. Wenn nun das zweite große Standbein, die Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen abgesägt werden, dann wird die private Altersvorsorge implodieren. Auch die dritte Säule, die Spareinlagen werden entwertet. Früher gab es wenigstens noch einen Inflationsausgleich, d.h. das Geld hat sich zwar real nicht vermehrt, blieb aber stabil. Wenn ich heute etwas auf das Sparbuch lege, ist es in 20 Jahren nur noch die Hälfte wert. Wenn also die 0%-Zinspolitik nicht bald gestoppt wird, so wird die Bundesregierung im Jahre 2040 widerwillig die komplette Altersvorsorge für alle ihrer 80 Mio. Bürger übernehmen müssen. Wie soll das funktionieren? Die Bürger spüren dies und hauen ihr Geld (sofern sie etwas haben) auf den Kopf. Sparen wozu? Wer Schulden macht, gewinnt! Die Regierungen machen es doch vor ...

Account gelöscht!

14.10.2013, 11:10 Uhr

es geht doch nur so.

Schulden werden abgebaut, wenn Vermögen auf der anderen Seite vernichtet werden.

Also ist Deutschland auf dem richtigen Weg...

vanRobbentrip

14.10.2013, 11:16 Uhr

wenn 'Vernichtung von Vermögen' der richtige Weg ist können wir ja gleich wieder Kommunismus machen.
Aber im Prinzip ist die bestehende Beamtendiktatur das gleiche ...

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