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19.06.2017

13:45 Uhr

Rentenfonds

Jäger der verlorenen Prozente

VonHeike Schwerdtfeger
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Anleiheportfolios brachten dank steigender Kurse über Jahrzehnte gute Renditen. Mit der Zinswende ist das vorbei – außer bei exotischen Papieren. Mit welchen Rentenfonds Anleger noch eine Chance auf Rendite haben.

Der Gründer des US-Fondshauses Pimco galt einst als Anleihekönig. Doch damals gaben weltweit sinkende Zinsen den Kursen der Anleihen in den Portfolios Auftrieb. Reuters

Bill Gross

Der Gründer des US-Fondshauses Pimco galt einst als Anleihekönig. Doch damals gaben weltweit sinkende Zinsen den Kursen der Anleihen in den Portfolios Auftrieb.

Bill Gross war der Anleihekönig schlechthin. Seinen guten Ruf als Experte für Zinspapiere hatte sich der Gründer des US-Fondshauses Pimco über Jahrzehnte erarbeitet. Nicht nur die beachtlichen Renditen des einst größten Anleihefonds der Welt brachten ihm zahlreiche Lorbeeren ein, sondern auch ein gutes Gespür für Risiken. So hat der 73-Jährige, der heute den ziemlich kleinen Janus Global Unconstrained Bond-Fonds lenkt, die Gefahren der US-Immobiliendarlehen lange vor dem Lehman-Desaster erkannt. Das hängt nach.

Doch in den Jahren, in denen er erfolgreich war, war es für Rentenfondsmanager auch ein Leichtes, Performance zu erzielen. Die Zinsen waren hoch, und seit den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts gaben weltweit sinkende Zinsen den Kursen der Anleihen in ihren Portfolios Auftrieb. Gehen die Renditen am Markt zurück, steigen die Kurse von Altanleihen, weil diese höhere Zinskupons besitzen als zu aktuellen, niedrigeren Marktrenditen begebene Neuanleihen. Die Anleihekurse profitierten in den vergangenen Jahren auch davon, dass immer mehr Geld auf der Suche nach Sicherheit bei ihnen landete.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Diese Sicherheit aber ist bedroht. Noch zeigen die langfristigen Ergebnisse der Fonds gute Zuwächse. Über zehn Jahre brachte der hierzulande größte Rentenfonds UniEuroRenta jährlich 3,4 Prozent. In den vergangenen drei Jahren aber waren es nur 1,3 Prozent jährlich, in diesem Jahr ist der Fonds leicht im Minus.

Nur kaufen und liegen lassen gilt 2017 für Rentenfonds nicht mehr: Nur noch 70 von 420 weltweit anlegenden Rentenfonds liegen 2017 im Plus. Der mit drei Milliarden Euro von heimischen Anlegern zu einem der größten Rentenfonds in Deutschland aufgestiegene Templeton Global Bond verlor seit Januar vier Prozent. Fondsmanager Michael Hasenstab gelang es in der Vergangenheit nach solchen Phasen relativ schnell wieder, ins Plus zu kommen. Aber die Strategie strapaziert mit hohen Kursschwankungen die Nerven der Anleger.

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Die Rally ist weit gelaufen, die Aktienmärkte dürften in den nächsten Monaten eher seitwärts tendieren. Mit der richtigen Auswahl können Anleger aber weiter auf Aktien setzen – trotz möglicher Turbulenzen.

Angesichts der niedrigen Zinsen und der zahlreichen Fallen, die durch hohe Staatsverschuldung sowie Zins- und Währungsänderungen am Anleihemarkt drohen, sind die Fondsmanager nervös. Deutsche Anleger hat das aber noch nicht angesteckt. Sie halten ihre knapp 200 Milliarden Euro in den Rentenfonds heimischer Fondshäuser. Netto 2,9 Milliarden Euro zahlten sie in den ersten vier Monaten des Jahres sogar noch neu in die Anleiheportfolios ein. Viele hoffen offenbar, dass sie mehr bringen als den Nullzins, den ein Tagesgeld verspricht.

Eine Hoffnung, die trügen könnte. „Die guten Zinsjahre sind vorbei, die Zinsen sind tief, die Risikoaufschläge der Anleihen sind eingedampft. Wir sind auf einem Niveau, wo alles schwieriger ist“, sagt Rüdiger Kerth, beim Volksbanken-Fondshaus Union Investment zuständig für den milliardenschweren UniEuroRenta. Sein Minus von nur 0,4 Prozent ist nicht dramatisch, doch von einem auf den anderen Tag in ein Plus verwandeln lässt sich das nicht. „Eine schwarze Null bis zum Jahresende wäre aufgrund der moderat steigenden Zinsen eine realistische Erwartung“, sagt Kerth.

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