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28.06.2011

14:49 Uhr

Riester im Interview

„Die Gier ist zurück“

Quelle:Zeit Online

Walter Riester warnt: Die Deutschen befassen sich zu wenig mit ihren Finanzen und legen ihre Altersvorsorge waghalsig an. Die Riester-Rente kommt bei Riester gut weg. Jeder sollte „riestern“, findet er.

Walter Riester Quelle: spdfraktion.de

Walter Riester

Herr Riester, nachdem Sie 2009 aus dem Bundestag ausgeschieden sind, haben Sie erst einmal Ihr Haus in Österreich renoviert. Ist ein Eigenheim die beste Rentenversicherung?

Na ja, eine Immobilie ist im Regelfall mit Wertverlust und nicht mit Wertgewinn verbunden. Die ergänzende geldwerte Rente ist sicher flexibler und daher nicht weniger wichtig.

Als Sie 1960 Ihre Ausbildung zum Fliesenleger machten, dachten Sie da eine Sekunde an Altersvorsorge?

Nein, überhaupt nicht. Das war für mich kein Thema. Damals war die Einstellung zum Alter und damit auch zur Alterssicherung eine andere. Als meine Großeltern in Rente gingen, hieß es: In der Rente müssen wir unsere Bedürfnisse zurückschrauben. Die haben auch darauf gebaut, dass wir Kinder sie unterstützten. Heute haben die Menschen, die aus dem Berufsleben ausscheiden, den berechtigten Wunsch, ihr Leben wie gewohnt weiterzuführen. Als ich in die Lehre ging, betrug die durchschnittliche Lebenserwartung von Neurentnern zehn Jahre. Ich als 67-Jähriger habe heute – statistisch gesehen – noch 21 Jahre zu leben. Also müssen wir entsprechend höhere Rücklagen bilden.

Wann haben Sie gemerkt, dass ein Umbau des Rentensystems, am Ende war es die größte Sozialreform nach dem Krieg, nötig wird?

Schon Anfang der neunziger Jahre bei der IG Metall hielt ich die Position, die Sozialversicherungsrente allein würde den Lebensstandard sichern, für eine Illusion. Höherer Lebensstandard und längere Rentenbezugsdauer bedürfen nun einmal höherer Rücklagen, und dies machen Menschen meist nicht freiwillig.

Woran liegt das?

Wenn Menschen sparen, haben Sie normalerweise ein Ziel, etwa ein Auto zu kaufen oder in Urlaub zu fahren. Darauf freut man sich. Die Rücklagenbildung fürs Alter konkurriert mit diesen konkreten Entscheidungen, sie wird dann schnell verdrängt. Doch das ist fatal.

Um gegenzusteuern, erfanden Sie die Riester-Rente, eine staatlich bezuschusste Altersvorsorge. Der Anfang war kein Selbstläufer. Was lief schief?

Wir hatten Neuland betreten. Erstens war da die Frage der Kosten: Die bisherigen Versicherungen ermöglichten den Versicherern, die Kosten und Gebühren sofort auf den Kunden zu übertragen. Viele Kunden haben das erst Jahre später bei der Kündigung gemerkt. Ich habe darauf bestanden, diese Kosten auf zehn Jahre zu verteilen, am Ende wurden es fünf. Das hat die Provisionsgestaltung gravierend beeinflusst, und dann wurde der Vertrieb zunächst gestoppt. Meine Fehleinschätzung war, dass die Anbieter vorfinanzieren. Das haben die nicht gemacht. Zweitens: Ich habe mehr Transparenz durchgesetzt. Die Kosten und die Zusammensetzung der Anlage mussten fortlaufend veröffentlicht werden. Das ließ die Branche zögern.

Noch immer sind die Rentenverträge schnell mehr als 20 Seiten lang. Glauben Sie, dass die Käufer wissen, was Aufschubdauer, Rückkaufswert oder Anlagestock bedeuten?

Nein. Das Problem sind die Rechtsabteilungen der Anbieter, die sich gegen alle möglichen Rechtsrisiken absichern in einer Sprache, die der Bürger nicht versteht.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

28.06.2011, 15:13 Uhr

An der Riesterrente ist nur eines sicher, nämlich dass dass sehr viel Geld von Sparern und Steuerzahler in die Taschen der Finanzindustrie fließt. Maschmeyer und Seilschaften lassen grüßen. Dass sich der Riester noch in die Öffentlichkeit traut wundert mich.

flyingfridge

28.06.2011, 16:04 Uhr

Die Äußerung von 'Gung Bong' unterschreibe ich zu 100%.

PapaPopulusKurruptus

28.06.2011, 16:13 Uhr

Was würden Gas-Gerd und sein Freund Maschmeier dazu sagen ?.

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