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04.10.2012

10:28 Uhr

Riester- & Rürup-Rente

So riskant ist Ihre Altersvorsorge

VonJens Hagen

Die Deutschen haben die Lust an der Altersvorsorge verloren. Sie fragen sich: Wie sicher ist die Privatrente? Ein exklusiver Vergleich zeigt, welche Chancen und Risiken in Riester- und Rürup-Renten stecken.

Private Vorsorge: Die Deutschen verlieren das Interesse an der Riester-Rente. dpa

Private Vorsorge: Die Deutschen verlieren das Interesse an der Riester-Rente.

DüsseldorfWenn man dieser Studie glauben mag, ist die private Altersvorsorge in Deutschland ein Auslaufmodell. Die monatlichen Ausgaben der Berufstätigen, die privat für die Altersvorsorge vorsorgen, sind auf den niedrigsten Stand seit 2005 gefallen, ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Postbank. Nur noch 185 Euro geben die Bundesbürger für die Absicherung fürs Alter aus, obwohl sie den eigenen Bedarf bei knapp 270 Euro sehen.

Auch die anderen Ergebnisse sind brisant. Nur noch jeder siebte Berufstätige ist bereit, sich einzuschränken, um den eigenen Altersvorsorgebedarf zu decken – knapp die Hälfte weniger als noch vor zwei Jahren. Auch staatliche Zulagen können nicht mehr locken. 42 Prozent der Bundesbürger möchte die private Vorsorge nicht weiter aufstocken – im Jahr 2003 waren es nur 30 Prozent.

Überblick: Das neue Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz

Anlass

Die Regierung begründet die Änderungen bei der Riester-Rente so:
„Die deutsche Gesellschaft steht, ähnlich wie diejenige anderer Industrieländer, vor starken und nachhaltigen demografischen Veränderungen. Sinkende bzw. dauerhaft niedrige Geburtenraten und eine zunehmende Lebenserwartung werden dazu führen, dass eine wachsende Zahl von Menschen im Rentenalter einer abnehmenden Zahl von Personen im aktiven Erwerbsleben gegenübersteht.“

Quelle: Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG)

Verbraucher

10 Jahre nach der Einführung der Riester-Rente und sieben Jahre nach Einführung der Basisrente zeige sich Anpassungsbedarf insbesondere in Hinblick auf den Verbraucherschutz.

Ziele

– Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge
– Vereinfachung der Eigenheimrente
– Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes
– Stärkung der Verbraucher im Markt
– Verbesserung des Anlegerschutzes

Transparenz

„Zur Erhöhung der Transparenz und der Vergleichbarkeit von geförderten Altersvorsorgeprodukten wird statt der bisherigen vorvertraglichen Informationspflichten ein verpflichtendes Produktinformationsblatt für alle Produktgruppen zertifizierter Altersvorsorgeverträge eingeführt. Dieses Produktinformationsblatt soll dem Verbraucher in gebündelter, leicht verständlicher und standardisierter Form einen Produktvergleich ermöglichen.“

Fördergrenzen

bei der Basisversorgung im Alter:
– Anhebung der Förderhöchstgrenze von 20 000 Euro auf 24 000 Euro
– Verbesserung der steuerlich begünstigten Absicherung der Berufsunfähigkeit beziehungsweise verminderten Erwerbsfähigkeit

Riester-Rente

– Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes bei Altersvorsorgeverträgen
– Meldung bei Übertragungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs auch bei ausschließlich ungefördertem Altersvorsorgevermögen
– Streichung der Bescheinigungspflicht der Erträge (§ 94 Absatz 1 EStG)
– Verbesserungen bei der Ausgestaltung des genossenschaftlichen Riester-Anlageprodukts

Wohn-Riester (1)

– jederzeitige Kapitalentnahme für selbst genutztes Wohneigentum in der Ansparphase
– jederzeitige Einmal-Besteuerung des Wohnförderkontos während der Auszahlungsphase
– Erleichterungen im Hinblick auf die Absicherung der weiteren Geschäftsanteile einer Genossenschaft
– Flexibilisierung und Verlängerung des Reinvestitionszeitraums

Wohn-Riester (2)

– Zulassung eines Altersvorsorge-Eigenheimbetrags zwischen 75 und 100 Prozent des geförderten Kapitals
– Absenkung der jährlichen Erhöhung der in das Wohnförderkonto eingestellten Beträge von 2 auf 1 Prozent
– rechtzeitiger Antrag auf Entnahme des Altersvorsorge-Eigenheimbetrags vor der Auszahlungsphase
– Einbeziehung eines Umbaus zur Reduzierung von Barrieren in oder an der selbst genutzten Wohnung in die Eigenheimrenten-Förderung

Die Unlust der Deutschen an Altersvorsorge sei „alarmierend“, sagt Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank. „Wir müssen davon ausgehen, dass es sich hier nicht um eine kurzfristige Erscheinung handelt, sondern um einen längerfristigen Trend.“ Der Vorsorgefrust hat aus Sicht der Studienherausgeber neben einem allgemeinen Desinteresse an Finanzfragen mehrere Gründe. Zum einen sorgen sich die Deutschen um die Sicherheit des Euros. Wer investiert gerne langfristig, wenn er nicht weiß, ob davon im Alter noch etwas übrig bleibt. Zum anderen soll die gute Situation am Arbeitsmarkt die Deutschen in falscher Sicherheit wiegen.

Mindestens ebenso wichtig sind Zweifel an den bestehenden Produkten. Während der Absatz von Wohnriester-Verträgen boomt, stagnieren die Verkaufszahlen für Riester-Renten auf Fonds- oder Versicherungsbasis. Verbraucherschützer kritisieren hohe Kosten, niedrige Renditen und nachteilige Sterbetafeln der Produkte. In der Summe würde das dazu führen, dass die Vorsorge nur für sehr alte Versicherte lohnt. Die Versicherungswirtschaft sieht ihre Leistungen verkannt. „Gegenwärtig senden einige wenige Gegner der Riester-Rente das fatale wie falsche Signal an die Vorsorgebereitschaft der Bevölkerung, wonach sich diese angeblich für den Einzelnen nicht lohne“, erklärte der Branchenverband GDV.

Wie tief das Misstrauen in der Bevölkerung mittlerweile ist, zeigt sich in der Allensbach-Studie. Nur noch 16 Prozent der Bevölkerung findet die Riester-Rente „besonders sicher“. Vor drei Jahren vertraute noch knapp jeder Vierte diesem Altersvorsorgeprodukt. Bitter für die Versicherer: die von der Branche viel geschmähte staatliche Rente befinden 48 Prozent der Befragten für sicher.

Viele haben das ehemalige Vorzeigeprodukt längst abgehakt, auch weil hohe Wertsteigerungen nicht zu erwarten sind. Nur knapp jeder zehnte Deutsche findet, dass die Riester-Rente eine gute Rendite bringt. Bei der staatlichen Rente liegt der Anteil bei 17 Prozent, beim Eigenheim bei 33 Prozent.

Die Vertrauenskrise in die Riester-Rente – nur noch acht Prozent der Personen, die eine Altersvorsorge abschließen möchten interessieren sich für eine Riester-Police - soll jetzt eine Gesetzesänderung verbessern. Wenn das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz wie geplant im nächsten Jahr gilt, soll ein Produktinformationsblatt künftig Kosten, Risiko und voraussichtliche Rendite der geförderten Verträge transparent machen. Eine neue Behörde - die "Produktinformationsstelle Altersvorsorge" – soll Riester- und Rürup- Tarife in Chancen-Risikoklassen einteilen.

Riester-Versicherungen: Tops und Flops

Noten

Fünfmal gut, achtmal ausreichend, keinmal sehr gut. Das ist das Ergebnis der jüngsten Riester-Untersuchung von Finanztest. Das Gros der getesteten 29 Angebote für eine klassische Riester-Rentenversicherung kam über ein befriedigend nicht hinaus.

Quelle: Finanztest, Oktober 2012

Die besten Tarife: Platz 3

Den dritten Platz bim Vergleich belegt die Debeka mit der Note 2,5. Ausgezeichnet wurde der Tarif Debeka Riester-Rente, F1 (01/12)

Platz 2

Zweitbester im Vergleich war die Alte Leipziger, die ebenfalls die Note 2,5 erhielt. Die gilt für den Tarif Alte Leipziger Klass. Riester-Rente, RV50

Der Testsieger

Kommt aus Franken. Bester Tarif war der Huk24 Riester-Rente, RZU24 mit der Note 2,4.

Die Unterklasse

Viele Tarife erhielten aber schlechte Noten. Acht Anbieter erhielten nur ein "ausreichend". Es folgen die drei schlechtesten Produkte.

Drittletzter

Platz 23 belegte die Neue Leben mit dem Tarif Riester-Rente R7 mit der Note 3,8.

Platz 24

Noch schlechter schnitt die Gothaer ab. Der Tarif Ergänzungsvorsorge – Classic, PRRC1B wurde mit 3,9 bewertet.

Der Letzte

Der schwächste Tarif im Test war die Klassik-Riester-Rente, ARG1 von der Axa. Die Note von Finanztest: 4,0.

Die kompletten Ergebnisse können Sie im Internet gegen eine Gebühr von 2,50 Euro erwerben: www.test.de/riester-versicherung


Ohne Urteil

Hanse Merkur24, Riestermeister, RM 2012

Aufklärung ist dringend notwendig. „Kaum ein Vorsorgesparer dürfte wissen, was er eigentlich abgeschlossen hat“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. Sein Analysehaus hat 60 geförderte Tarife in fünf Risikoklassen eingeteilt. Unter dem Namen Volatium erstellt sein Unternehmen Renditeprognosen für Altersvorsorgeprodukte. Auf dem Markt gibt es Verträge die auf klassischen und fondsgebundene Rentenversicherungen sowie Fonds oder Banksparplänen basieren. „Je nach Anlage- und Absicherungsstrategie variieren Chancen und Risiken stark“, sagt Schinnenburg. „Bei einigen Produkten sind negative Renditen sogar nicht unwahrscheinlich“.

Auf den nächsten Seiten zeigt Handelsblatt Online, was in den Riester- und Rürup-Verträgen steckt. Die Auswertung startet mit Produkten für sicherheitsbewusste Sparer. Dann folgen ertragsorientierte Produkte und stark wachstumsorientierte Tarife mit Verlustrisiko.

Kommentare (42)

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Hermosa

04.10.2012, 10:36 Uhr

Man kann es nicht anders formulieren: Es ist eine "Schweinerei"!

Überspitzt:

Die meisten jetzigen Rentner gehen auf Kreuzfahrt, während unsere 60-iger Generation im Alter hungern wird!

Wir sind die erste Generation, denen es "im Alter" schlechter gehen wird als unseren Eltern!

Die Politgeneration, Helmut Kohl, Fischer, Weigel,... haben sich, um Ihrer eigenen Macht/Ego-Willen aus unserem Rententopf bedient!
Deutsche Einheit, Euro Einführung, ect...

Diese Politiker hatten nur ein Ziel: Macht & sich ein "historisches Denkmal" setzten !

Wann gehen wir auf die Straße, um dieser offensichtlich negativen Entwicklung entgegenzutreten?

Jugend

04.10.2012, 10:57 Uhr

Falsch. Eure 60-iger Generation wird Milliardensummen von Euren Eltern erben. Richtig schlecht geht es Euren Kindern die zum Einen eine niedrige Rente erhalten werden und zum Anderen noch nicht einmal groß etwas erben wird um dies auszugleichen, weil Ihr das Erbe Eurer Eltern für Euren Lebensunterhalt im Alter verzehren werdet. Gearscht sind die Jungen und die sollten auf die Straßen gehen

isehallesfurdenarsch

04.10.2012, 11:04 Uhr

Der Michel geht erst auf die Straße, wenn es nichts mehr zu retten gibt. Glaubt weiter an den Storch und träumt vom wunderbaren Euromärchen. Altersvorsorge ist Schwachsinn. Kauft Gold und Silber, dann seit ihr von diesem Scheißstaat unabhängig.

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