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20.11.2014

15:51 Uhr

Risikolebensversicherung

Die Police für den Fall der Fälle

VonSara Zinnecker

Wer Angehörige im Todesfall absichern möchte, kann eine Risikolebensversicherung abschließen. Beiträge sind günstig, und die Versicherung eine der wenigen, die Kunden nach dem Preis auswählen können. Das Tool der Woche.

Getty Images

DüsseldorfEs ist unwahrscheinlich und beängstigend, eine Situation, die man sich eigentlich gar nicht vorstellen möchte: Ein Unglück oder eine plötzliche schwere Krankheit, die das Leben kostet. Doch junge Familien oder auch junge Unternehmer mit einer gemeinsamen Firma haben oft keine Wahl. Mit Blick auf ihre Angehörigen oder ihr Business müssen sie sich mit der Frage beschäftigen: Was kommt danach? Kommt meine Familie, mein Geschäftspartner im Fall der Fälle auch ohne mich finanziell über die Runden?

Lautet die Antwort ‚nein‘ – und das dürfte in den meisten Fällen der Fall sein – empfehlen Experten, das Todesfallrisiko abzusichern. Eine Möglichkeit dafür bietet die sogenannte Risikolebensversicherung. Sie zahlt an begünstigte Dritte, zum Beispiel den Ehepartner, eine vorher vereinbarte Versicherungssumme aus, wenn der Versicherte unerwartet verstirbt.

„Insbesondere Familien mit Kindern, aber auch Paare ohne Kinder oder Geschäftspartner mit hohen finanziellen Belastungen stehen oftmals vor dem finanziellen Ruin, wenn ein Partner stirbt“, schreibt etwa die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in ihrem Ratgeber „Richtig versichert“. Der Abschluss einer Risikolebensversicherung sei daher dringend geboten, immer dann, wenn der Tod eines Partners „eine finanzielle Lücke reißt, die weder durch Renten noch vorhandenes Vermögen auszugleichen ist.“

Dabei hat die Risikolebensversicherung verglichen mit anderen Versicherungsarten einen entscheidenden Vorteil für Verbraucher: Weil die Voraussetzung für die Leistung und die Leistung selbst so klar definiert sind – die Zahlung der vereinbarten Versicherungssumme im Todesfall – müssen sich Verbraucher nicht vor Billigtarifen auf Kosten geringerer Leistung fürchten, wie es im Zweifel bei der Berufsunfähigkeitsversicherung oder Privaten Krankenversicherung vorkommen kann.

Risiko- oder Kapital-Lebensversicherung? Die Unterschiede

Worum es geht

Oft wird nur allgemein von Lebensversicherung gesprochen. Wichtig ist jedoch zu beachten, was genau in dem angebotenen Produkt steckt. Die meisten verbinden mit dem Begriff eine Kapital-Lebensversicherung. Diese Police beinhaltet immer zwei Verträge: eine Risikolebensversicherung zur Absicherung der Angehörigen und einen Sparplan mit einer langen Laufzeit.

Bei der Risikolebensversicherung ist dagegen nur das Risiko des Todes versichert. Das heißt, die Versicherungssumme wird nur ausgezahlt, wenn die versicherte Person stirbt.

Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Geringe Transparenz

Bei vielen Gesellschaften erfahren die Kunden nicht, wie der Beitrag auf die beiden Verträge in einer Kapitallebensversicherung aufgeteilt wird. Die Auszahlung setzt sich am Ende der Laufzeit aus einer Garantiesumme und einer nicht garantierten Überschussbeteiligung zusammen. Kunden ertragsschwacher Gesellschaften erlebten in den letzten Jahren, dass die Überschüsse bisweilen in Richtung "Null" tendierten.

Bedarf

Eine Risiko-Lebensversicherung ist immer dann erforderlich, wenn der Tod eines Elternteils oder Partners eine finanzielle Lücke reißen könnte, die weder durch Renten noch durch eigenes Vermögen zu schließen wäre. Die Laufzeit kann so vereinbart werden, dass die Versicherung endet, wenn andere Rentenansprüche greifen oder/und die Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Steuerfreiheit

Anders als früher können die Beiträge einer Kapital-Lebensversicherung nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden. Bei Verträgen, die ab dem 01.01.2005 neu abgeschlossen wurden, gibt es am Ende der Laufzeit auch keine steuerfreie Auszahlung mehr. Die Kapital-Lebensversicherung sei daher nur noch ganz selten sinnvoll, urteilen Verbraucherschützer.

Steuervorteile

Eine Kapital-Lebensversicherung kann im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung, zum Beispiel als Direktversicherung, sinnvoll sein. Dann winken dem Versicherten Steuervorteile.

Verlustrisiko

Wer sich nicht sicher ist, ob er die Laufzeit durchhalten kann, sollte keine Kapital-Lebensversicherung abschließen, raten Verbraucherschützer. Denn: Vorher kündigen bedeute Verlust.

Vorsicht, Verkäufer

Viele Versicherungsvertreter wollen ihren Kunden statt einer Risikolebensversicherung eine Kapital-Lebensversicherung aufschwatzen, warnen die Verbraucherschützer. Grund hierfür sei, dass die Vermittler für diese Verträge wesentlich höhere Provisionen erhalten.

Alternative für die Familie

Schutz für Hinterbliebene kann durch eine erheblich günstigere Risikolebensversicherung aufgestockt werden. Aufwand und Ertrag stehen in einem besseren Verhältnis als bei einer Kapital-Lebensversicherung.

Alternative fürs Depot

Wer vornehmlich sparen möchte, kann besser andere Sparformen als die Kapital-Lebensversicherung wählen. Dort bestehe in der Regel der Vorteil, dass kurzfristig über das eingezahlte Kapital verfügt werden kann, raten Verbraucherschützer. Und dies bei besseren und kalkulierbareren Gewinnen.

Tipp 1

Wer sich trotz dargestellter Nachteile für eine kapitalbildende Lebensversicherung entscheidet, sollte die Beiträge jährlich bezahlen. Das spart Zuschläge. Auf eine eingeschlossene Unfalltod-Zusatzversicherung könne verzichtet werden. „Sie ist überflüssig und zu teuer“, urteilen die Verbraucherschützer aus Düsseldorf.

Tipp 2

Vereinbaren Sie den Einschluss der Zusatzversicherung "Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit", raten Verbraucherschützer. Im Fall einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit zahle dann der Versicherer die Beiträge für den gesamten Vertrag weiter.

Tipp 3

Die Versicherer unterscheiden sich in der Risikolebensversicherung weniger durch ihre Leistungen, als vielmehr durch die Höhe des Beitrags. Es lohnt sich also, Preise zu vergleichen.

Statt auf das Preis-Leistungs-Verhältnis zu schauen, genügt bei der Risikolebensversicherung in der Regel der Blick auf den Preis. Das bestätigt auch Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV). Verbraucher, die vor Abschluss einer Risikolebenpolice korrekte Angaben zur Person und zum Gesundheitszustand machen – und damit das Risiko ausschließen, dass der Versicherer im Zweifel nicht bezahlt – könnten „im Großen und Ganzen Police nach dem Preis auswählen“, so der Experte.

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