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21.06.2012

16:47 Uhr

Risikolebensversicherung

Für Männer wird es ab sofort billiger

VonThomas Schmitt

ExklusivDas Unisex-Urteil des Europäischen Gerichtshofes trifft auch Frauen. Bei einer der wichtigsten Versicherungen, dem reinen Todesfallschutz, sinken die Prämien für Männer. Frauen zahlen dagegen künftig drauf.

Die Uraufführung des Theaterstücks "7 Zwerge - Männer allein im Wald", auf der Freilichtbühne in Mannheim. dpa

Die Uraufführung des Theaterstücks "7 Zwerge - Männer allein im Wald", auf der Freilichtbühne in Mannheim.

DüsseldorfAb 21. Dezember dürfen die Versicherer keine unterschiedlichen Prämien mehr für Männer und Frauen verlangen. Das haben Europa-Richter im sogenannten Unisex-Urteil vorgeschrieben. Oft profitieren von dieser Entscheidung wahrscheinlich die Frauen. In der privaten Krankenversicherung oder in der Berufsunfähigkeitsversicherung dürften sie künftig weniger zahlen, rechneten Experten von MLP aus. In der Risikolebensversicherung ist es dagegen umgedreht: Dieser wichtige Basisschutz für die ganze Familie wird für Männer deutlich günstiger - und zwar nicht erst in einem halben Jahr, sondern ab sofort.

Risiko- oder Kapital-Lebensversicherung? Die Unterschiede

Worum es geht

Oft wird nur allgemein von Lebensversicherung gesprochen. Wichtig ist jedoch zu beachten, was genau in dem angebotenen Produkt steckt. Die meisten verbinden mit dem Begriff eine Kapital-Lebensversicherung. Diese Police beinhaltet immer zwei Verträge: eine Risikolebensversicherung zur Absicherung der Angehörigen und einen Sparplan mit einer langen Laufzeit.

Bei der Risikolebensversicherung ist dagegen nur das Risiko des Todes versichert. Das heißt, die Versicherungssumme wird nur ausgezahlt, wenn die versicherte Person stirbt.

Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Geringe Transparenz

Bei vielen Gesellschaften erfahren die Kunden nicht, wie der Beitrag auf die beiden Verträge in einer Kapitallebensversicherung aufgeteilt wird. Die Auszahlung setzt sich am Ende der Laufzeit aus einer Garantiesumme und einer nicht garantierten Überschussbeteiligung zusammen. Kunden ertragsschwacher Gesellschaften erlebten in den letzten Jahren, dass die Überschüsse bisweilen in Richtung "Null" tendierten.

Bedarf

Eine Risiko-Lebensversicherung ist immer dann erforderlich, wenn der Tod eines Elternteils oder Partners eine finanzielle Lücke reißen könnte, die weder durch Renten noch durch eigenes Vermögen zu schließen wäre. Die Laufzeit kann so vereinbart werden, dass die Versicherung endet, wenn andere Rentenansprüche greifen oder/und die Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Steuerfreiheit

Anders als früher können die Beiträge einer Kapital-Lebensversicherung nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden. Bei Verträgen, die ab dem 01.01.2005 neu abgeschlossen wurden, gibt es am Ende der Laufzeit auch keine steuerfreie Auszahlung mehr. Die Kapital-Lebensversicherung sei daher nur noch ganz selten sinnvoll, urteilen Verbraucherschützer.

Steuervorteile

Eine Kapital-Lebensversicherung kann im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung, zum Beispiel als Direktversicherung, sinnvoll sein. Dann winken dem Versicherten Steuervorteile.

Verlustrisiko

Wer sich nicht sicher ist, ob er die Laufzeit durchhalten kann, sollte keine Kapital-Lebensversicherung abschließen, raten Verbraucherschützer. Denn: Vorher kündigen bedeute Verlust.

Vorsicht, Verkäufer

Viele Versicherungsvertreter wollen ihren Kunden statt einer Risikolebensversicherung eine Kapital-Lebensversicherung aufschwatzen, warnen die Verbraucherschützer. Grund hierfür sei, dass die Vermittler für diese Verträge wesentlich höhere Provisionen erhalten.

Alternative für die Familie

Schutz für Hinterbliebene kann durch eine erheblich günstigere Risikolebensversicherung aufgestockt werden. Aufwand und Ertrag stehen in einem besseren Verhältnis als bei einer Kapital-Lebensversicherung.

Alternative fürs Depot

Wer vornehmlich sparen möchte, kann besser andere Sparformen als die Kapital-Lebensversicherung wählen. Dort bestehe in der Regel der Vorteil, dass kurzfristig über das eingezahlte Kapital verfügt werden kann, raten Verbraucherschützer. Und dies bei besseren und kalkulierbareren Gewinnen.

Tipp 1

Wer sich trotz dargestellter Nachteile für eine kapitalbildende Lebensversicherung entscheidet, sollte die Beiträge jährlich bezahlen. Das spart Zuschläge. Auf eine eingeschlossene Unfalltod-Zusatzversicherung könne verzichtet werden. „Sie ist überflüssig und zu teuer“, urteilen die Verbraucherschützer aus Düsseldorf.

Tipp 2

Vereinbaren Sie den Einschluss der Zusatzversicherung "Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit", raten Verbraucherschützer. Im Fall einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit zahle dann der Versicherer die Beiträge für den gesamten Vertrag weiter.

Tipp 3

Die Versicherer unterscheiden sich in der Risikolebensversicherung weniger durch ihre Leistungen, als vielmehr durch die Höhe des Beitrags. Es lohnt sich also, Preise zu vergleichen.

Dafür dürfte der Direktversicherer Cosmos Direkt sorgen, der ab kommender Woche eine Preisoffensive in dieser Sparte startet. Die Tochtergesellschaft der Generali ist nach eigenen Angaben der Marktführer in dieser Sparte, mit einem Anteil von 18 Prozent. Die Versicherer Hannoversche Leben sowie R+V folgen mit deutlichem Abstand dahinter.

Cosmos-Vorstandschef Peter Stockhorst sagte Handelsblatt Online, dass Männer ab nächster Woche im Schnitt 21 Prozent weniger für eine Risikolebensversicherung bezahlen. Damit nimmt der Direktversicherer das Unisex-Urteil für Männer bereits vorweg. Für Frauen gelten dagegen die aktuellen Tarife noch bis zum Stichtag 21. Dezember. Damit kommen Frauen derzeit noch günstiger weg. Erst ab dem Umstellungstermin zahlten Frauen im Schnitt 16 Prozent mehr für solch eine Versicherung.

Frauen können sich derzeit noch günstiger für den Todesfall versichern, weil sie statistisch betrachtet länger leben als Männer. Das bedeutet für die Versicherer: Deren Risiko, jung zu sterben, ist geringer als bei Männern.

Wegen des Unisex-Urteils müssen die Versicherer nun eine Mischkalkulation vornehmen, weil sie nicht mehr nach dem Geschlecht unterscheiden dürfen. Das heißt für die Risikolebensversicherung: Grundsätzlich sinken die Prämien für Männer, während die für Frauen steigen.

Was Unisex für Versicherungen bedeutet

Urteil

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat den Versicherern untersagt, ihre Tarife weiterhin nach dem Geschlecht zu splitten.

Praxis

Bislang zahlten Frauen für Rentenversicherungen und in der privaten Krankenversicherung mehr als Männer, weil sie länger leben.

Geltung

Die Umstellung gilt nur für neue Verträge, nicht für Bestandskunden.

Streit

Viele Versicherer hatten sich gewünscht, dass auch die Bestandsverträge an die neuen Unisex-Regeln angepasst werden. In der Krankenversicherung dürfen nämlich Kunden von alten zu neuen Verträgen wechseln.

Zeitplan

Die Versicherer dürfen ab dem 21. Dezember 2012 nur noch Unisex-Tarife anbieten.

Schlussverkauf

Vor dem Stichtag gingen die Versicherer mit dem Thema Unisex auf Werbetour, um Kunden zu überzeugen, noch schnell eine für sie günstigere Police abzuschließen.

Unisex sofort

Es gab im vergangenen Jahr schon Versicherer, die Unisex-Tarife anboten - für die Kunden, die bei den bisherigen Tarifen benachteiligt wurden. Nun gibt es offiziell nur noch Unisex-Tarife - auch wenn die Versicherer nun versuchen, die Geschlechtersortierung über andere Kriterien indirekt weiter vorzunehmen.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

21.06.2012, 17:02 Uhr

Auch wenn es jetzt günstiger für mich wird in der Risiko: Warum muss diese Gleichmacherei überall sein?
Es ist keine Diskrimierung, die Frauen leben halt länger,das ist Statistik. Das heisst sie müssen weniger für die Risiko bezahlen, aber bekommen auch weniger Rente pro Monat.

Badboy68

21.06.2012, 17:10 Uhr

Wenn das Diskriminierung ist, dann sind auch getrennte Toiletten Diskriminierend.
Die ursprüngliche EWG wird immer mehr zu einer EUdSSR...

Account gelöscht!

21.06.2012, 17:13 Uhr

Das sehe ich auch so. Mit Benachteiligung hat das ganz und gar nichts zu tun, das ist einfach die Natur der Biologie. Genau genommen ist dieses Urteil ein Urteil gegen die Natur an sich. Und das solche unsinnigen urteile gefällt werden und Bestand haben, ist traurig.

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