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29.06.2015

16:08 Uhr

Russland und das Tagesgeld

Die Sberbank hat genug

VonMartin Dowideit, Jens Hagen

Mit Top-Konditionen beim Zinskonto sammelte die Tochter der russischen Sberbank in Deutschland große Summen ein. Jetzt rudert das Institut zurück und senkt seine Zinsen drastisch.

Russian Präsident Wladimir Putin und der Chef der russischen Sberbank, German Gref (rechts). Reuters

Im Gespräch

Russian Präsident Wladimir Putin und der Chef der russischen Sberbank, German Gref (rechts).

DüsseldorfDie Vergleichsrechner von Tages- und Festgeldern in Internet verlieren einen exotischen Spitzenreiter. Die Sberbank Direct, eine österreichische Tochter eines Instituts aus Russland, senkte zum 25. Juni ihre Sätze für Tages- und Festgelder. Bei Festgeldern mit einer Laufzeit von zwei Jahren geht es um 0,2 Prozentpunkte runter auf 1,5 Prozent. Bei einer Laufzeit von drei Jahren senkt das Institut um 0,3 Punkte auf 1,9 Prozent. Das ist die erste Senkung seit Markteinführung im Oktober 2014.

Auch beim Tagesgeld geht es um 20 Basispunkte runter. Für kurzfristige Anlagen gibt es nur noch 0,9 Prozent. Das ergab ein Zinsvergleich der FMH Finanzberatung für das Handelsblatt. Im Tagesgeldvergleich des Anbieters schafft es die Sberbank damit nicht unter die Top Ten. Offenbar möchte die Bank nicht mehr in dem Maße Kunden anlocken, wie das Institut das in den vergangenen Monaten gemacht hat.

Das Institut spart nicht nur beim Zins, sondern auch beim Marketing. Wenn Kunden über Internetvergleiche vermittelt werden, fallen so genannte Leads an, eine Honorierung für die Vermittlung von Neukunden. In der Regel sind das kleine Eurobeträge, die sich bei einem größeren Neukundengeschäft aber summieren können. Nach Angaben des Betreibers eines großen Vergleichsportals hat die Sberbank diese Leads eingestellt. Lediglich beim Marktführer Check 24 ist sie beim Festgeld noch mit einem Leads-Modell vertreten, beim Tagesgeld bereits nicht mehr.

„Wir sind da längst nicht mehr ganz oben unter den Anbietern“, erklärte Sergej Gorkow, stellvertretende Vorstandsvorsitzender der russischen Sberbank in einem Interview mit dem Handelsblatt in dieser Woche. „Sogar einige deutsche Onlinebanken bieten höhere Zinsen als wir“.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Erst seit weniger als einem Jahr ist das Institut in Deutschland präsent und hat nach eigenen Angaben die in mehreren europäischen Ländern eingeworbenen Gelder mit Stand Ende Mai auf 1,5 Milliarden Euro erhöht. Ende 2014 waren es aus Deutschland 500 Millionen Euro, hatte es zuvor in einem Geschäftsbericht des Instituts geheißen. In Deutschland tritt die Sberbank als Sberbank Direct auf.

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