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30.05.2017

12:24 Uhr

Schufa-Studie

Die Deutschen – ein Volk von Musterschuldnern

VonFrank Matthias Drost

Bei der Bedienung von Schulden sind die Deutschen spitze. Doch bei der Auswahl eines Kredits werden sie immer wählerischer. Eine repräsentative Studie hat auch das Vertrauen der Bürger in klassische Banken ermittelt.

Ohne Schufa-Auskunft läuft nicht viel bei Banken, Telekom- oder Stromanbietern. dpa

Schufa

Ohne Schufa-Auskunft läuft nicht viel bei Banken, Telekom- oder Stromanbietern.

BerlinImmer mehr Deutsche zahlen ihre Schulden pünktlich zurück. Das belegt eine neue Studie der Wirtschaftsauskunftei Schufa. Danach wurden im vergangenen Jahr 97,8 Prozent der abgeschlossenen Ratenkredite reibungslos zurückgezahlt – der Spitzenwert in den vergangen zehn Jahren. „Das Kreditverhalten der deutschen Verbraucher ist über alle Altersgruppen hinweg vorbildlich“, lobte der Vorstandsvorsitzende der Schufa Holding AG, Michael Freytag. Dabei sticht insbesondere das Zahlungsverhalten der 18- bis 19-jährigen ins Auge. Mit 98,1 Prozent liegt die Rückzahlungsquote dieser Altersklasse erstmals seit zwei Jahren über dem Durchschnitt.

Die Schufa sieht sich als führender Servicepartner für die kreditgebende Wirtschaft. Ohne Schufa-Auskunft läuft nicht viel bei Banken, Telekom- oder Stromanbietern. Via Schufa erkundigen diese sich über die Bonität des Kunden. Die Auskunftei verfügt Daten zu mehr als 67 Millionen Erwachsenen und 5,3 Millionen Unternehmen.

Der am Dienstag vorgestellte Schufa-Kreditkompass basiert auf einer Auswertung von 17,4 Millionen laufenden Ratenkrediten. Zwar blieb die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge mit 7,7 Millionen konstant. Doch die durchschnittliche Höhe stieg von 9552 Euro auf 10.225 Euro. Zudem erhöhte sich die durchschnittliche Laufzeit um einen Monat auf 48,6 Monate. Das aktuell niedrige Zinsniveau hat offensichtlich nicht dazu geführt, dass sich Verbraucher übermäßig verschulden.

Bei der Auswahl des Kredits sind die Verbraucher offensichtlich wählerisch. Denn häufiger als bisher verglichen die Kunden bei den Banken die Konditionen. Die Anfragen erhöhten sich um 3,4 Millionen auf 22,9 Millionen. Die Auskunftei kann darüber Angaben machen, weil die Banken im Fall einer Anfrage Informationen bei der Schufa über die Bonität des Kunden einholen.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Gestützt werden die positiven Eindrücke durch eine vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Schufa durchgeführte Konsumentenumfrage über das „Finanzverhalten heute und in Zukunft“. In der repräsentativen Umfrage geben 95 Prozent der Befragten an, einen guten Überblick über ihre Finanzen zu haben.

Deutlich weniger – nämlich 68 Prozent – geben an, gut informiert über finanzielle Dinge zu sein. Und 32 Prozent der Befragten fühlen sich bei finanziellen Entscheidungen oft unsicher. Überdurchschnittlich ausgeprägt ist diese Unsicherheit bei den 18- bis 29-jährigen mit 45 Prozent.

Kommentare (4)

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Herr Günther Schemutat

30.05.2017, 13:23 Uhr

Ob die Aussagen der Schufa sachlich richtig sind ,kann niemand kontrollieren. Die Schufa ist mächtiger als Gott und das schlimme ist, dass viele überhaupt nicht wissen , das es sie gibt und über "Leben und Tod entscheiden kann". Das die Schufa sich positiv darstellt liegt auf der Hand ,die 67 Millionen Daten sind bares Geld und auch der Staat darf jederzeit bei Gefahr auf die Daten zugreifen.

Stehen sie negativ in der Schufa ,ist das Leben vorbei. Keine Wohnung nicht mal bei Öffentlichen, keine Wohnung gibt es ohne Schufa außer bei Privaten und Konto ,Kredit Never. heute gibt es das Armenkonto schon ein Fortschritt , aber die

Chance mit negativen Schufaeintrag sich zu verbessern ist ein Hindernislauf.

Die Schufa gibt nicht Auskunft über Schulden , die Schufa gibt Auskunft ob sie ein zuverlässiger Mensch sind. Sind sie es laut Schufa nicht, zählt das für das Lebensspektrum.

Dagegen sind Banken die Gelder verzocken immer auf der Gewinnerseite , bei Gefahr hilft der Staat notfalls mit Milliarden Euro aus.

Herr Helmut Metz

30.05.2017, 14:18 Uhr

@ Günther Schemutat
Sie sind mächtiger als die SCHUFA, wenn Sie erst gar keinen Kredit benötigen.
Heute jedoch heißt es bei der Masse: Haus auf Kredit, Auto auf Kredit, Urlaub auf Kredit - ja sogar Smartphone auf Kredit.
Hängt mit der ultrahohen Zeitpräferenz der heutigen Gesellschaft zusammen: "ich möchte das JETZT haben und nicht erst in einigen Jahren, wenn ich das Geld dafür angespart habe.
Mir persönlich ist die SCHUFA komplett gleichgültig, weil ich keinen Kredit benötige. Und für Notlagen habe ich Rückstellungen (was für ein altmodisches Wort).

Herr Thomas Behrends

30.05.2017, 14:45 Uhr

@ Helmut Metz

Sie haben vollkommen recht, Herr Metz.

Was spricht dagegen eine Durststrecke von 2-3 Jahren durchzustehen?

Als ich meine erste Wohnung im Alter von 23 Jahren in Hamburg bezog (das ist auch schon wieder fast 30 Jahre her, meine Güte wie die Zeit vergeht!), hatte ich kaum Geld, um mir alle, scheinbar standardmäßig zu einem Haushalt gehörenden, Konsumgüter zu leisten.

Es hat tatsächlich 2-3 Jahre gedauert bis ich meinen ersten kleinen Urlaub in Bayern verbringen und mir neue Möbelstücke kaufen konnte.

Geschadet hat mir das alles nicht. Die Wertschätzung gegenüber den Produkten ist doch viel höher, als wenn man alles hinterher geschmissen bekommt. Es ist eben hart erarbeitet und verdient worden.

Deshalb liebe Leute, fallt niemals auf die Sprüche der Absatzwirtschaft herein. Das Leben geht so oder so weiter.

Nicht etwa der Konsum ist entscheidend!

Es lebt sich entspannter, wenn man nicht verschuldet ist und das stellt eine Verbesserung der Lebensqualität dar.

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