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11.11.2014

13:38 Uhr

Serie: Altersvorsorge mit Fonds Teil II

Wie Rentensparer durchstarten

VonDörte Jochims

ExklusivWer bei der Vorsorge sein Geld an den Märkten anlegen möchte, kann eine Fondspolice abschließen. Eine Analyse zeigt, welche Versicherer sicherheits- und aktienorientierten Investoren die beste Fondsauswahl bieten.

Mobiler Senior: Bei der Altersvorsorge würden viele gerne den Turbo einschalten. Getty Images

Mobiler Senior: Bei der Altersvorsorge würden viele gerne den Turbo einschalten.

Es ist Montagmorgen und Sie fädeln Ihren Kleinwagen in die Autobahn ein. Dann lassen Sie den Motor warmlaufen, wechseln auf die mittlere Fahrbahn und geben Gas. Dort müssen Sie jedoch gleich wieder abbremsen.
Ein Elefantenrennen hemmt den Verkehr. Was tun Sie jetzt? Die einen fahren ohne zu zögern auf die Überholspur und ziehen ihr Tempo durch. Die anderen schimpfen zwar meist ein bisschen, warten aber ab. Beide finden für ihre Fahrweise gute Argumente.

Auch bei der Geldanlage verhalten sich Anleger unterschiedlich, denn jeder ist anders motiviert: Der Chancenorientierte strebt überdurchschnittliche Kursgewinne an und steckt dafür zwischenzeitliche Verluste fast klaglos weg. Der Konservative ist hingegen in erster Linie auf Sicherheit bedacht. Ihn stören moderate Renditeaussichten wenig, dafür schwankt der Wert seines Portfolios kaum.

Serie: Altersvorsorge mit Fonds Teil I: Mehr Tempo beim Vermögensaufbau

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Das Zinstief verschreckt die Altersvorsorge-Sparer. Wer in Fondspolicen investiert, kann auch von steigenden Börsenkursen oder Rohstoffpreisen profitieren. Ein Vergleich zeigt, welche Versicherer gute Fonds anbieten.

Die gute Nachricht: Niemand muss sich wirklich zwischen sicheren Anlagen mit Minizinsen und chancenreichen Aktieninvestments mit sehr hohen Wertschwankungen entscheiden. „In der Geldanlage ist ein guter Mix mehr wert als die Summe seiner Teile“, bewies der Nobelpreisträger Harry Markowitz bereits vor Jahrzehnten. So können Investoren, die einem Depot aus sicheren Anleihen bis zu 30 Prozent Aktien beimischen, ihre Chancen verbessern, ohne dabei wesentlich höhere Risiken einzugehen.

Aktuelle Zahlen auf der Webseite der Fondsratingagentur Morningstar bestätigen diesen Zusammenhang: Wer in den vergangenen drei Jahren auf Fonds setzte, die weltweit in Anleihen mit hoher Bonität investieren, erzielte eine durchschnittliche Jahresrendite von 4,2 Prozent.

Wer im selben Zeitraum sein Geld in Mischfonds mit bis zu 30 Prozent Aktienanteil investierte, kam im Schnitt auf 5,2 Prozent Plus per annum. Gemessen an der Standardabweichung, die die Kursschwankung der Fonds um diesen Mittelwert zeigt, schnitten die Mischfonds in puncto Risiko dabei noch besser ab als die Rentenfonds.

Es lohnt sich also, ein risikooptimiertes Portfolio zusammenzustellen, das zur eigenen Risikoneigung passt. Dabei hilft der Fondstacho: Handelsblatt Online hat auf Basis von Daten des Analysehauses Assekurata getestet, welche Tarife die besten Fonds anbieten, um Depots für Sicherheitsorientierte und Risikobereite aufzubauen.

Fondstacho: So wurde bewertet

Die Fondsanbieter

Experten der Ratingagentur Assekurata nahmen in einer aufwändigen Analyse erstmals alle Fonds unter die Lupe, die Versicherungskunden bei 38 Anbietern wählen können. Sie decken, bezogen auf den Prämienbestand, etwa 78 Prozent des Marktes ab. Bewertet wurden nur Policen mit individualisierter Fondsauswahl, keine gemanagten Varianten.

Die Versicherer

Die Versicherer meldeten fast 2200 Fonds an. Doch nur etwa 1000 Fonds erhielten ein Urteil. Abgesehen von zahlreichen Doppelnennungen, wurden nur Portfolios bewertet, die mindestens eine dreijährige Erfolgsbilanz vorweisen konnten. Ausgenommen blieben Garantiefonds, für die derzeit keine geeignete Methode zur Bewertung bekannt ist. Auch Fonds, die keine Isin haben, sondern von anderen Fonds gespiegelt wurden, konnten nicht beurteilt werden. Denn sie haben häufig eine andere Kostenstruktur als das Original.

Die Kennzahlen

In die Bewertung jedes einzelnen Fonds flossen zu jeweils 30 Prozent Kennzahlen zur Rendite und Risikoentlohnung ein. Zu jeweils 20 Prozent bestimmten Risiko und Reaktionsvermögen der Fonds die Gesamtnote. Abzulesen ist das Urteil zu jedem einzelnen Fonds  auf dem Fondstacho, der in eine Skala von 0 bis100 Prozent aufgeteilt ist.

Die Assekurata

Die unabhängige Ratingagentur Assekurata wurde 1996 gegründet und hat sich auf die Qualitätsbeurteilung von Versicherungsunternehmen aus Kundensicht spezialisiert. Ziel ist es, dem Verbraucher Orientierungshilfen bei der Wahl seines Versicherungsunternehmens zu bieten und Vermittler bei ihrer Beratung zu unterstützen.

Bei dieser Auswertung zählten jeweils die besten Fonds, die Anleger bei den 38 getesteten Fondspolicen wählen können, um entsprechende Musterportfolios zusammenzustellen. Und weil die Vergangenheit zeigt, dass auch langjährige Spitzenfonds in der Performance abrutschen können und womöglich ausgetauscht werden müssen, gingen auch die zweitbesten Fonds der relevanten Anlageklassen in die Bewertung ein. Bei Spitzenanbietern können Anleger somit jederzeit ein qualitativ hochwertiges Musterportfolio und ein Ersatzportfolio zusammenstellen, das ihrer Risikoneigung entspricht.

Kommentare (5)

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Herr Niccolo Machiavelli

11.11.2014, 14:53 Uhr

Ist eine Fondspolice heute unter den gegebenen steuerlichen, rechtlichen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen noch eine Option? Ich meine, nein.

Frau Dr. Max Motte

11.11.2014, 15:16 Uhr

Jetzt in Aktien investieren?

Strafzinsen und fallende Goldpreise: Ja, was bleibt denn da?

Vor allem Aktien, will uns das Medienkartell einreden.

Die EZB will die Anleger sogar mit Negativzinsen aufs Börsenparkett treiben.
Kein Wunder, denn schließlich besitzen die Zentralbankster selbst Aktien!

Und wer Wertpapiere pusht, will irgendwann auch Kasse machen - das ist nun mal ein ehernes Gesetz.

Preisfrage: Wie steuert man eigentlich eine Schafherde?

Oder eine x-beliebige Viehherde?

Ganz einfach: Wenn man will, dass die Herde in eine ganz bestimmte Richtung läuft, stellt man in den anderen Richtungen Hürden auf.

In der Viehhaltung nennt man das "Gatter".
Und wenn man alles andere mit Gattern vollstellt, kann man schließlich sicher sein, dass die Tiere in die gewünschte Richtung laufen werden.

Genau dasselbe passiert nun an den Finanzmärkten!
Eine Anlageform nach der anderen wird für den Anleger unattraktiv gemacht - bis auf Immobilien und Aktien.

Und das ist denn auch die Richtung, in die das Publikum laufen soll.

Nicht genug damit, dass die Zinsen seit Jahren gnadenlos nach unten gedrückt wurden - nun drehen sie auch noch in den negativen Bereich.

Mit nicht vorhandenen oder gar negativen Zinsen werden für die traditionell beliebtesten Anlageformen hohe Hürden aufgebaut und die Sicherheit suchenden Anleger aus ihnen vertrieben:

Sparbuch
Tagesgeldkonto
Festgeldkonto
Bundesanleihen

Das sind genau jene Sparformen, die schon immer zum Aufbau einer Altersversorgung genutzt wurden. Die Niedrig- oder gar Negativzinspolitik der Zentralbanken gefährdet damit die Altersvorsorge der Bevölkerung.

Schlimm sind die Folgen nämlich auch für Lebensversicherungen: "Der Garantiezins für Lebensversicherungen wird wegen der Niedrigzinspolitik der EZB ab 2015 von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent auf den Sparanteil sinken - die Lebensversicherung, einst liebstes Kind der deutschen Sparer, ist nicht mehr attraktiv" (manager magazin).

Frau Dr. Max Motte

11.11.2014, 15:25 Uhr

Teil 2

Was heißt hier "nicht mehr attraktiv"! Die genannten Anlageformen sind schlicht keine Option mehr. Der Weg zur zukunftssicheren Geldanlage wird der Bevölkerung versperrt. Die Niedrigzinspolitik der EZB bedeutet, dass sich alle Arten von Anlegern aus ihren sicheren Unterständen auf das offene finanzielle Schlachtfeld der Aktienmärkte wagen, wo sie schnell ihr Vermögen und ihre Zukunft verspielen können. Oder wodurch soll der Aktienboom der vergangenen Jahre sonst maßgeblich mitverursacht worden sein, wenn nicht durch die Niedrigzinspolitik?


Zusätzlich soll eine weitere traditionell als sicher angesehene Geldanlage "unattraktiv" gemacht werden, nämlich Edelmetalle. Die Botschaft der Kartellmedien ist klar: Wer nicht will, dass er durch niedrige Zinsen und EM-Preise enteignet wird, muss die Enteignung auf den Aktienmärkten riskieren, weil nur noch dort Dividenden und Gewinne winken.
Die Aktiendividende soll allen Ernstes der Zinsersatz von Morgen werden!

Durch die Niedrigzinspolitik werden Spargelder verflüssigt und in das Becken des Aktienmarktes geleitet. Dort warten schon die Haie auf das große Fressen: Nämlich die Großanleger und die Zentralbankster selbst. "Draghi euphorisiert die Börse", hieß es kürzlich auf der Bild-Website.


Warum wohl?

Ganz einfach: Die Zentralbanken, also dieselben Institutionen, die laufend die Zinsen nach unten und die Börsen hochschrauben, besitzen selber enorme Aktienpakete und hätten gerne, dass deren Wert zunimmt: "Die Notenbanken rund um den Planeten haben in der jüngsten Zeit heimlich, still und leise für einen zweistelligen Billionen-Dollar-Betrag Aktien gekauft", schrieb kürzlich der Autor Markus Gärtner: "Wer sich danach noch wundert, warum die Aktienkurse nur noch steigen, ist selbst schuld."

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