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16.10.2014

15:54 Uhr

Sofortrente

Starke Rente trotz schwacher Zinsen

VonSara Zinnecker

Privat für die Rente vorsorgen? Angesichts rekordniedriger Zinsen fragen sich viele, wie das eigentlich gehen soll. Verbraucherschützer raten, Spar- und Rentenphase zu trennen. Wo es die besten Sofortrenten gibt.

Für die private Altersvorsorge raten Experten: Sparen und Verrentung trennen. dpa

Für die private Altersvorsorge raten Experten: Sparen und Verrentung trennen.

DüsseldorfBeim Thema Lebensversicherung sind sich Verbraucherschützer und Anlageberater einig: Theoretisch ist sie eine gute Idee, aber praktisch taugt sie zur privaten Vorsorge wenig. Spätestens seit die Niedrigzinsen Deutschland im Griff haben, kämpfen Versicherer darum, Kundengelder auskömmlich anzulegen.

Versicherte müssen auf immer mehr Garantieleistung – und im Fall von Altverträgen – auf immer mehr Schlussüberschüsse verzichten. Abschluss- und Verwaltungskosten drücken zusätzlich auf die Rendite. Am Ende schafft es weniger als die Hälfte aller Kunden, die starre Vertragsstruktur bis zum Ende durchzuhalten.

„Eine Lebensversicherung kann ich heute guten Gewissens keinem mehr empfehlen“, sagt zum Beispiel der unabhängige Vermögensberater Antonio Sommese. Und auch Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV), hat im Interview mit Handelsblatt Online nicht mehr viel übrig für das einstige „Renditeprodukt“ Lebensversicherung. Stattdessen hat er einen simplen Rat: nämlich Sparen und Verrentung zu trennen.

„Sparer dürfen sich nicht von der Versicherungsbranche nicht ins Boxhorn jagen lassen und glauben, dass der Begriff Altersvorsorge immer synonym zu Rentenverträgen steht“, sagt Kleinlein. Stattdessen müssten sie „mit allen möglichen Instrumenten, die die Finanzwelt so hergibt“ fürs Alter ansparen.

Ähnlich wie unabhängige Finanzberater, empfiehlt auch Kleinlein Vorsorgern, regelmäßig Geld in einen günstigen Bank- oder Fondssparplan einzubezahlen. Idealerweise stünde den Vorsorgenden dann zum Rentenbeginn ein ordentlicher Kapitalstock zur Verfügung. „Erst dann muss sich der Kunde die Frage stellen, wie er sein Geld verrentet sehen will.“

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Wer früher in Rente gehen will, könnte sich per Einmalzahlung von den Abschlägen der gesetzlichen Rente freikaufen, bringt Kleinlein auch unkonventionelle Lösungen vor. Eine gängigere Variante ist es allerdings, das Ersparte per Einmalzahlung an einen Versicherer zu übertragen, der daraus dann eine lebenslange Rente kalkuliert.

Kommentare (2)

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Herr Aloys Haydn

17.10.2014, 09:54 Uhr

Wenn man bedenkt, daß für eine monatliche Rente eine Kapitalsumme von 100.000 EURO notwendig ist, wird einem bewußt, welche immensen Werte hinter den Pensionen stehen. D.h. daß die derzeitige Durchschnittspension von € 2.840,- erfordert eine Kapitaldeckung von ca. 1 Million EURO. Eine Reform der Beamtenpensionen mit eigenen Beiträgen ist unumgänglich.

Herr Albert Kevekordes

29.01.2015, 16:59 Uhr

Super Lösung. Gebe ich der Versicherung mit 60 Jahren 100000€, mit knapp 88 Jahren habe ich sie wieder. Verzinsung 0%. Beim besten Versicherer.

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